Pilotprojekt: Corona-Frühwarnsystem durch Analyse von Abwasser?

Hamburg einer von 20 deutschen Modellprojekt-Standorten. Infektionsgeschehen soll über Abwassermonitoring schneller abgebildet werden
10. Februar 2022
Coronavirus

In Hamburg sollen künftig durch Analysen des Abwassers die Entwicklungen der Corona-Pandemie früher abgeschätzt werden können. Die Elbmetropole ist einer von 20 deutschen Standorten, an denen das Abwasser ab Februar im Rahmen eines Pilotprojekts der Bundesregierung auf Spuren von Coronaviren getestet wird. Das von der EU geförderte Vorhaben wird in der Hansestadt gemeinschaftlich von der Umweltbehörde, der Gesundheitsbehörde, Hamburg Wasser und dem Institut für Hygiene und Umwelt durchgeführt und soll über ein Jahr andauern. Ziel des Pilotprojekts ist es den offiziellen Angaben zufolge unter anderem, einen gemeinsamen Ansatz für eine bundesweite systematische Überwachung zu entwickeln. Die Online-Auftaktverstaltung mit allen Beteiligten fand am Mittwoch (9. Februar) statt.

Abwassermonitoring soll Infektionsgeschehen abbilden

Bereits mehrere Tage bevor Menschen sich krank fühlen und testen lassen, scheiden sie bei einer Corona-Infektion Viren aus. Diese landen dann im Abwasser von Haushalten. Im Zuge des Abwassermonitorings soll es deshalb möglich sein, einen Anstieg der Infektionszahlen und die Ausbreitung neuer Virusvarianten deutlich früher zu erkennen als über die Meldungen positiver Tests. Die Methode könnte so auch als Frühwarnsystem für eine mögliche nächste Corona-Welle dienen.

Michael Pollmann, Staatsrat der Umweltbehörde, erklärt: „Dieses zukunftsweisende Projekt kann dabei helfen, das Infektionsgeschehen inklusive der Dunkelziffer nicht erfasster Infizierungen schneller abzubilden und somit neue Wellen einzudämmen beziehungsweise zu verhindern.“ Für das Modellprojekt habe man in Hamburg eine „Allianz der Kompetenzen“ gebildet. In dieser soll Hamburg Wasser die Probenahme des Abwassers übernehmen, während die Aufarbeitung und Analyse mittels einer digitalen PCR-Analyse im Institut für Hygiene und Umwelt erfolge. Vorgesehen seien während der Pilotphase zunächst zwei Probenahmen pro Woche an den Zuläufen des Klärwerks am Köhlbrandhöft im Hamburger Hafen.
tn/sb