Hamburger Gründerteam entwickelt Mathe-App neurodactics

Forschungsprojekt zu digitaler Lernunterstützung geht in die Praxis. Lern-App ist zunächst auf Erst- und Zweitklässler ausgerichtet
08. April 2021

Das digitale Zeitalter hält Einzug in den Bildungsalltag und beschäftigt die Forschung sowie den öffentlichen Diskurs mit der Frage, ob digitale Medien das Lernen für Lehrende und Lernende optimieren und nachhaltiger gestalten können. Die Bildungsinstitutionen stehen gegenwärtig mit den wachsenden Ansprüchen der Digitalisierung und der Inklusion vor neuen Herausforderungen, welche die Covid-19-Pandemie noch einmal verstärkt hat. Ein Hamburger Gründerteam hat in diesem Kontext eine inklusive Mathe-Lern-App entwickelt und erhält dafür jetzt ein Gründerstipendium. 

Kopfrechnen für alle

Wie können die Lernmaterialien und die Unterrichtseinheiten gestaltet werden, damit sie allen SchülerInnen gerecht werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Torben Riekmann, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Erziehungswissenschaft zur Lernunterstützung für Kinder mit Trisomie 21 forscht. Für das "mathildr"-System erhielt er bereits mehrere Auszeichnungen, da es mit einem neuartigen Gestaltungsansatz als App, Zehnerfeld aus Holz, Lernkarten und Holzwürfel den Lernenden den Zahlenraum von 0 bis 20 näherbringt.

neurodactics erhält EXIST-Gründerstipendium

Gemeinsam mit Christopher Hof (Informatik) und Jonas Vierth (Wirtschaft) verfolgt er das Ziel, für alle SchülerInnen gleichermaßen geeignete und wissenschaftlich fundierte, digitale Lernmaterialien zu entwickeln. Ihr interdisziplinäres Projekt "neurodactics" hat der Universität Hamburg zufolge nun ein einjähriges EXIST-Gründerstipendium erhalten. In Begleitung des Gründungsservice der Universität Hamburg und "beyourpilot" werden sie die Idee ausarbeiten und schließlich ein Startup gründen. 

Lernen ohne Frust

Gefördert wird hierbei die Entwicklung einer inklusiven Mathematik-Lern-App. Diese ist zunächst auf Erst- und Zweitklässler ausgerichtet, soll sie im Kopfrechnen fördern und ein Mengenverständnis vermitteln. Sie basiert auf dem Konzept des Adaptiven Lernens, passt also die Lerninhalte an den Lernenden an. Die Abholung auf dem aktuellen Stand des Könnens soll eine Über- oder Unterforderung verhindern. 

Individualisierung

In einem Interview mit der Fakultät für Erziehungswissenschaften erklären die Gründer die Vorteile der App. So sei ihre Nutzung ortsungebunden, da sie keine Anleitung im Unterricht benötige. Sie passe ihre Inhalte für jedes Kind individuell an und im Gegensatz zu analogen Medien seien die Inhalte der App stets auf dem aktuellsten Stand. Darüber hinaus ermögliche sie ein unabhängiges Lernen, das auf unmittelbaren Erkenntnissen der Neurodiversitätsforschung basiere. 
rr/kk