3D-Druck Netzwerk: „Die Technik wird erwachsen"

Die Technologie hat sich in der Pandemie bewährt und realisiert zunehmend ihr großes Potential – auch für Hamburg als Zukunftsstandort. Serie Teil 1
31. März 2021
Crannes in Hafencity

Vor rund drei Jahren ist das 3D-Druck Netzwerk in der Metropolregion Hamburg gestartet. Mit inzwischen 300 Mitgliedern gehört es zu den größten Netzwerken Deutschlands in diesem Bereich. Bei der Kickoff-Veranstaltung im Februar 2018 mit mehr als 150 Anwendern und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Handelskammer Hamburg wurde deutlich, wie groß das Interesse gerade in Bezug auf die Auswahl passender Materialien, Druck-Prozesse, Geschäftsmodelle und Finanzierungsmöglichkeiten war – und immer noch ist. Hamburg News sprach mit Henning Fehrmann, ehrenamtlicher Sprecher des Netzwerks.

Rohstoff-Einsatz entspricht 1:1 dem Rohstoff-Verbrauch

„Die Technik wird erwachsen“, erklärt Henning Fehrmann, Leiter der Fehrmann Tech Group in 5. Generation. In seinem Tochterunternehmen Fehrmann ALLOYS wird an der Entwicklung neuer Hochleistungsmetallpulver für den 3D-Druck geforscht, wie etwa der High-Performance-Aluminiumlegierung AlMgty. Nachdem die 3D-Druck-Technologie zunächst einen Hype durchlaufen und überzogene Erwartungen ausgelöst habe, zeige sich jetzt, was der 3D-Druck kann. Als angesichts der Pandemie Lieferketten zusammenbrachen, entstanden dringend benötigte Visiere, sowie Teile für Masken und Beatmungssysteme aus dem Drucker. „Hier zeigen sich die Vorteile der Technologie: Sie ermöglicht schnell, dezentral und flexibel nach individuellem Bedarf fertigen zu können. Und das oftmals zudem ausgesprochen kostengünstig“, betont Fehrmann. Denn beim 3D-Druck entspricht der Rohstoff-Einsatz 1:1 dem Rohstoff-Verbrauch. So werde die Produktion nicht nur ökologischer, sondern auch preisgünstiger.

Henning Fehrmann, Head of Fehrmann Tech Group
© Fehrmann Tech Group
Henning Fehrmann, Leiter der Fehrmann Tech Group

Ökonomisch und ökologische Zukunftsindustrie

Doch schon längst vor Corona entwickelte sich die Metropolregion zu einem führenden Standort zur Erforschung und Anwendung der neuen Technologie, betont Fehrmann. „Hamburg hat hier eine historische Chance, die jedoch zeitlich begrenzt ist. Wir müssen jetzt unsere weltweite Führung in Forschung und Anwendungskompetenz festigen, um eine Zukunftsindustrie zu etablieren, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch ist.“ Dabei spricht Fehrmann keineswegs von einer disruptiven Entwicklung. Vielmehr will er den 3D-Druck als ergänzende Technologie verstanden wissen. „Wir müssen wegkommen von der Haltung 'Ersetzend oder irrelevant', die viel zu lange die Entwicklung des 3D-Drucks gehemmt hat.“ Und er betont den vielversprechenden Wachstumskurs: „2019 wurden weltweit bereits 12 Millionen Metallbauteile produziert. Und Experten gehen von einem generellen Wachstum von 30% jährlich aus.“

Hamburgs Kompetenzvorsprung im Bereich Metalldruck

Allerdings müsse zwischen Kunststoff- und Metalldruck unterschieden werden, die sowohl in der Technologie als auch in der Anwendung sehr unterschiedlich sind. „Während bei Kunststoff etwa 2.500 verschiedene Werkstoffe zur Verfügung stehen, sind es beim Metalldruck gerade mal eine Handvoll. Und auch die Investition in den Drucker steigt beim Metalldruck schnell auf das Hundertfache.“ Doch gerade im Feld des komplexen Metalldrucks könne die Metropolregion mit ihrem Kompetenzvorsprung punkten, betont Fehrmann. „Hier sind viele Unternehmen mit Erfahrung in Forschung und Anwendung sowie darauf basierenden Geschäftsmodellen ansässig.“ Dazu kommen international renommierte Forschungseinrichtungen, wie das Fraunhofer IAPT, sowie Hochschulen wie die HAW Hamburg oder die Technische Universität Hamburg, die an der Entwicklung des 3D-Drucks forschen. Ausgezeichnete Voraussetzungen also, um innovative und internationale Unternehmen anzusiedeln. "Und um die wissenschaftliche, technologische und unternehmerische Führerschaft auch mit Blick auf Kunststoff, Biomaterialien und für andere Branchen wie etwa den Maschinen- und Anlagenbau und die Automobilindustrie auszubauen", so Fehrmann.

Pandemiebedingt digitaler Austausch und Information

Auch um die Vorteile des 3D-Druck-Standorts stärker sichtbar zu machen, ist das Netzwerk angetreten. Und um den Mitgliedern die Möglichkeit zum Austausch und Voneinander-Lernen zu bieten. "Normalerweise gehen wir in unseren monatlichen Veranstaltungen in Unternehmen und schauen, welche Investitionen sich wie ausgewirkt haben: Wie sich Biomaterialien im 3D-Druck verhalten, welche Vorteile bionisches – also von der Natur inspiriertes – Design gegenüber der Fertigung durch Gießen, Bohren oder Fräsen hat oder wie ressourcenschonend die Technologie in der Praxis ist. Oder wir gehen in Hochschulen und ebenen den Weg für einen Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft“, erläutert Fehrmann. Pandemiebedingt kann jedoch auch das 3D-Druck-Netzwerk aktuell nur digitale Veranstaltungen anbieten. „Doch unsere Webinare, wie der 3D-Druck-Dienstag mit Fachvorträgen und anschließender Diskussion werden gut angenommen.“ Zudem betont er: „Geschäfte machen ist ausdrücklich erwünscht!“ Durch das kostenlose Netzwerk sei schon so manche Geschäftsbeziehung entstanden.
ys/kk