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Christoph Keese beim Disrupt Yourself Camp der ZEIT-Stiftung © Yvonne Scheller

Disruption: So gestalten wir den digitalen Wandel

Digitalisierung, Automatisierung und KI verändern unsere Arbeitswelt. Doch wer sich proaktiv verändert, behält die Kontrolle. Die Hamburger haben gute Chancen

Aktuell werden zwei verschiedene Zukunftsszenarien von den Experten diskutiert: Möglichkeit A: Wir werden in einer Art Maschinen-Paradies leben, in dem 'Roboter’ die Arbeit übernehmen und Menschen sich ihre Zeit anderweitig vertreiben können. Wie sie sich dabei finanzieren ist eine ganz andere Diskussion. Möglichkeit B: Digitalisierung, Automatisierung und KI übernehmen zwar bestimmte Aufgaben, doch die Entwicklung führt zu neuen Berufen und Tätigkeitsfeldern, die nach wie vor Menschen erfordern.

Nicht zur Schachfigur machen lassen

Digitalisierungskenner Christoph Keese ist Anhänger von Möglichkeit B. Er ist allerdings auch davon überzeugt, dass wir vor einem Strukturwandel stehen und die Anpassung schmerzhaft werden dürfte. Beim Disrupt Yourself Camp der ZEIT-Stiftung, das Mitte April im Museum der Arbeit stattfand, plädierte der Berater und Autor von ‚Disrupt Yourself’ für einen proaktiven Umgang mit dem Wandel. Man solle sich zum Subjekt, statt zum Objekt der Entwicklung machen: „Ich persönlich fühle mich unwohl, wenn ich als Schachfigur hin und her geschoben werde.“

Erhaltende Innovationen oder Disruption

Grundsätzlich, erklärt Keese, bringt die Digitalisierung zwei Arten von Neuerungen hervor: Die erhaltende Innovation, bei der Dienstleitungen und Produkte optimiert werden, aber weiterentwickelt bestehen bleiben. Und die Disruption, also eine Innovation mit dem Potenzial Technologien, Produkte oder Dienstleistungen vollständig zu verdrängen – und das in allen Branchen. Ein Beispiel für beide Entwicklungen sind Supermarktkassen. Durch erhaltende Innovationen werden sie zunehmend smart, werden jedoch vielfach noch von Kassierern bedient oder überwacht. Beim disruptiven Konzept von Amazon Go hingegen sind Kassen – und Kassierer – komplett überflüssig. Hier erfassen Sensoren automatisch alle Einkäufe, abgerechnet wird über die Amazon-Accounts der Kunden.

Mehr Sinn in den Berufsalltag bringen

Wer also aktuell als Kassierer im Einzelhandel tätig ist, sollte vielleicht über den Aufruf der Veranstaltung ‚Disrupt Yourself!’ nachdenken. Immerhin warnt auch der Online-Prognose-Service Job-Futuromat, Kassiertätigkeiten könnten zu 100 Prozent von Robotern übernommen werden. Für ein ganzheitliches Umdenken im Rahmen des Veränderungsprozesses plädiert Julia von Winterfeldt von der Hamburger Strategie- und Purposeberatung Soulworx. „Sich neu zu erfinden bietet die Chance, mehr oder einen ganz neuen Sinn in den Berufsalltag zu bringen.“ Basis dieser Neu-Erfindung ist eine umfassende Selbstanalyse, ausgehend von der Frage: Was treibt mich wirklich an?

Zurück in die Pubertät

Ganz ähnlich sieht auch Christoph Keese den ersten Schritt auf dem Weg zum neuen Berufs-Ich. „Es geht darum, sich seiner Ursprungsfähigkeiten zu besinnen und im Grunde heißt das gedanklich zurück in die Pubertät: In eine Zeit, in der wir noch nicht wussten, wer wir eigentlich sind.“ Durch dieses Reduzieren auf das, was wir gut können, lasse sich ein Fundament für die Neuorientierung aufbauen. Eigentlich aber ist vor allem die unternehmerische Disruption Keeses täglich Brot. Als CEO der Axel Springer hy GmbH in Berlin begleitet er Unternehmen während ihrer digitalen Transformation.

Wollen wir fahren oder lenken?

„Wir versuchen eine Landkarte der Zukunft zu identifizieren.“ Dabei setzt das hy GmbH-Team sowohl auf verschiedene Vorhersage-Tools als auch auf deduktives Denken, das die Vergangenheit weitgehend ignoriert und so zu den richtigen Fragen führt. Als Beispiel führt Keese den amerikanischen Gründer und Investor Elon Musk an, der sich bei der Überlegung, wie das Auto der Zukunft aussehen sollte, gefragt hat: Wollen wir fahren oder lenken? Seine Antwort ist das elektrische autonome Fahren. Unternehmen müssten sich nun die Frage stellen: Was sollte mein Platz in dieser Zukunft sein?

Die Hamburger sind unerschrocken

Und wie schätzt Keese, der lange Jahre in Hamburg gelebt und gearbeitet hat, die Disruptionsbereitschaft hiesiger Unternehmen ein? „Gut. Die Hamburger sind unerschrocken, das waren sie schon immer. Sie haben sich nicht von den Wikingern einschüchtern lassen, nicht vom Deutschen Kaiser und Klaus Störtebeker haben sie statt ihn zu fürchten, kurzerhand gefangen.“ Da sollte der digitale Wandel kein Problem für die Hanseaten sein.
ys/sb

Weitere Informationen unter:
www.disrupt-yourself-camp
www.zeit-stiftung.de
www.hy.co
www.soulworx.de

Eine Ausstellung zum Thema Zukunft der Arbeit „OUT OF OFFICE. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ läuft noch bis zum 19. Mai 2019 im Museum der Arbeit: www.outofoffice.hamburg

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