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Element einer kinetischen Fassade und Modell "The Tree" © Yvonne Scheller

Unternehmen und Hochschulen: Zukunft gemeinsam gestalten

Ob Verkehrsapp oder automatische Müllsortierung: Intelligente Lösungen bei der Cross Innovation Class der Hamburg Kreativ Gesellschaft

Schon die ersten Pitches bei der Abschlusspräsentation samt Preisverleihung am 30. Januar im designxport beweisen viel Kreativität, das ‘Out-of-Box’-Thinking funktioniert. Zum Thema ‘Smart City Solutions’ entwickelten zehn interdisziplinäre Studierendenteams im Rahmen der Cross Innovation Class Lösungen, die unsere Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten sollen. Bereits zum zweiten Mal hat die Hamburg Kreativ Gesellschaft dazu Hochschulen und Praxispartner zusammengebracht, um durch einen Perspektivwechsel Visionen und Innovationen auf den Weg zu bringen, die das Potential für wirtschaftlich tragfähige Geschäftsideen haben.

Der interdisziplinäre Gedanke trägt

So kamen etwa Designer, Programmierer und Talente für Sound and Vision in zwei Teams für das Westfield Hamburg-Überseequartier zusammen, um überraschende Ansätze zur Steigerung der Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Dabei sollten sie das Hamburger Wetter miteinbeziehen, also Wind und Regen als positiven Treiber nutzen – so die Aufgabenstellung des Unternehmens, das auf Entwicklung und Betreiben von Flagship-Destinationen spezialisiert ist.

Cross Innovation Class The Tree

„The Tree“ und eine kinetische Fassade

Die Studierenden entwarfen zum einen „The Tree“, eine Installation in Form eines fünf bis sechs Meter hohen, begehbaren künstlichen Baums, der als Regenwasser-Filter fungiert. Das dreistufige Filtersystem basiert auf Moosen und Flechten und führt das gefilterte Wasser zu Zapfhähnen, wo sich Passanten im Hafencity-Quartier bedienen können. Das zweite Team erschuf eine kinetische Fassade. Einzeln anzusteuernde Elemente ermöglichen verschiedene Animationen, wie das Zusammenspiel von Wind und Wasser als Wellenbewegung. Aber auch eine interaktive-responsive Steuerung sei denkbar, die etwa den Gemütszustand der Passanten in der Umgebung widerspiegelt. Gestaltung und Konzept dieser Idee wurden mit dem Preis „Bestes Design“ ausgezeichnet.

Fünf Unternehmen, fünf Hochschulen

Als ‘Auftraggeber’ der diesjährigen Cross Innovation Class agierten fünf Unternehmen: Neben Westfield der IT-Dienstleister Dataport, Ströer, spezialisiert auf die Vermarktung von Online- und Außenwerbung, die Bildverarbeitungssysteme GmbH Vitronic mit Fokus auf Lösungen für die Industrie- und Logistikautomation sowie der Verkehrsüberwachung und Remondis, einer der weltweit größten Dienstleister für Recycling, Service und Wasser. Die Studierendenteams kamen aus verschiedenen Fachrichtungen von wiederum fünf Hochschulen zusammen: Akademie für Mode & Design, Fachhochschule Wedel, HafenCity Universität, HAW Hamburg sowie Leuphana Universität Lüneburg.

Mehr Bürgerbeteiligung mit dem Mood Display

Cross Innovation Class Mood Display

Seit Mitte Oktober hatten die 10 Teams, je zwei pro Unternehmen, an ihren Projekten gefeilt: Mit Hilfe von Design-Thinking-Prozessen erste Ansätze entwickelt, ihre Ideen durch Feldforschung untermauert, Prototypen erstellt und durch Feedbackschleifen mit den Unternehmen bis zum Endprodukt weiterentwickelt. Am Ende konnten sie im designxport ein breites Spektrum kluger Ideen präsentieren. Darunter ein Mood Display (Praxisunternehmen Ströer), um Stimmungsbilder in der Stadt einzufangen, während Menschen etwa in Supermarktschlangen oder am Flughafen Wartezeiten ´totzuschlagen` haben. Die Idee gewann den Publikumspreis.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Cross Innovation Class App Saflr

Der Preis für die Beste interdisziplinäre Zusammenarbeit ging an die App „Saflr – alles im Griff“ (Praxisunternehmen Dataport). Als Kombi-Produkt aus App und vibrierendem Fahrrad-Griff warnt das Produkt vor Unfall-Hotspots im Straßenverkehr. Ebenfalls die Sicherheit von – vor allem schwächeren – Verkehrsteilnehmern hatten die beiden Vitronic-Teams im Blick. Sie entwickelten eine intelligente Straßenbeleuchtung, die Personen und Tiere registriert und darauf mit mehr Licht reagiert (erhielt den Preis für die beste technische Umsetzung) sowie den ‘SilentGuide’, für Blinde und Sehbehinderte.

SilentGuide – ein Produkt mit viel Potential

Cross Innovation Class SilentGuide

Aktuell gibt es Ampelanlagen mit Blindensignal: Langsame akustische Signale helfen die Ampel aufzufinden, während schnelle Signale die Grünphasen ankündigen. Kontinuierliche Signale seien jedoch gar nicht nötig und führten nur zu einem allgemeinen Lärmanstieg, befand das Team. Der SilentGuide, ein Kombi-System aus Blindenstock-Griff und einer Art Responder in Ampeln, löst das akustische Signal nur bei Bedarf aus. „Die Idee ließe sich wunderbar weiterdenken und etwa an Bushaltestellen einsetzen, wo durch eine ergänzende Audiofunktion die jeweilig anfahrende Buslinie ankündigt werden könnte“, befand die Jury und vergab den Preis für die beste smart Solution.

Zitterpartie Präsentation: Wird der Prototyp funktionieren?

Für den besten Pitch ausgezeichnet wurde das Remondis-Team, das einen selbstsortierenden Abfallbehälter präsentierte. Kameras im Einwurfbereich sollen die verschiedenen Müllsorten erkennen und anschließend Papiere, Glasflaschen und Dosen in die jeweils richtigen Behälter leiten. Während der kurzen ‘Entscheidungsphase’ des Geräts wurde es ganz ruhig im Saal, gefolgt von erlösendem Applaus als der Prototyp richtig sortierte.

Zufriedene Partnerunternehmen

Und was meinen die Partnerunternehmen, die durch die Zusammenarbeit auf neue Ideen und einen unverbrauchten Blickwinkel auf ihre Produkte hofften, zu den Ergebnissen ´ihrer` Teams? Im designxport herrschte branchenübergreifend Begeisterung. Die Meinungen reichen von „großer Erfolg“ und „viel Spaß“ über die Zufriedenheit mit den „konkreten, nicht nur theoretischen Ergebnissen“ bis zur Überzeugung die „herausragenden Ergebnisse, real integrieren zu können.“
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.kreativgesellschaft.org/cross-innovation-class

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