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HCBF: Fehmarnbelttunnel – ein Impulsgeber - © Ramboll Group

HCBF: Region auch für Startups interessant

3. Hamburg Copenhagen Business Forum gestartet. Hamburg News im Interview mit Jens-Peter Saul, Hamburg Ambassador in Kopenhagen

Das Hamburg Copenhagen Business Forum (HCBF) hat für Jens-Peter Saul naturgemäß seinen festen Platz im Kalender. Der Vorstandsvorsitzende des Rambøll Konzerns, einem der führenden Engineering- und Beratungskonzerne in Europa, ist zudem Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer und wurde beim HCBF vor drei Jahren von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz zum Hamburg Ambassador in Kopenhagen ernannt. Bei der diesjährigen bilateralen Konferenz hält der 51-Jährige eine Keynote zum Thema „The vision for a joint region“. Hamburg News sprach mit Jens-Peter Saul über seine Vorstellungen über eine noch engere Zusammenarbeit der beiden Regionen.

Hamburg News: Herr Saul, Ihr Thema beim HCBF lautet: The vision for a joint region. Wie sieht Ihre Vision aus?

Jens-Peter Saul: Wir schaffen mit dem Fehmarnbelttunnel eine beachtliche Infrastrukturlösung, die Dänemark nochmal näher an Kontinentaleuropa anbinden wird. Und das müssen wir als Impuls verstehen, um die Potenziale dieser besseren Anbindung für die Region aktiv zu nutzen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Klima und Umwelt. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz hat für Hamburg ja den Begriff der „Windhauptstadt Deutschlands“ geprägt. Und Dänemark hat im Jahr 2017 mit Windkraftanlagen 43,3 Prozent des Gesamtbedarfs erzeugt – so viel wie nie zuvor. Wenn wir diesen Trend weiterentwickeln, können wir die Region als „Sustainable Valley“ etablieren, damit gezielt Unternehmen anwerben und ansiedeln, was wiederum ein Innovations- und Wissens-Cluster schaffen kann – und damit eine „smarte Region“ schaffen. Und das wichtigste ist: wir müssen jetzt anfangen, unsere gemeinsame Vision mit ganz konkreten Projekten umzusetzen!

Hamburg News: Der Fehmarnbelttunnel ist dabei ja ein wesentlicher Meilenstein…

Jens-Peter Saul: Die Fehmarnbeltquerung ist eines der größten, aktuell geplanten Infrastrukturprojekte Nordeuropas. Sie bringt nicht nur Norddeutschland und Ostdänemark näher zueinander, sondern verbindet Kontinentaleuropa mit Skandinavien. Die Effekte der physischen Verbindung werden für die Unternehmen spezifisch und zügig spürbar sein, wie beispielsweise kürzere und kosteneffizientere Transportwege, bessere Erreichbarkeit und die leichtere Erschließung derjenigen Auslandsmärkte, die an Deutschland und Dänemark angrenzen.

Das Beispiel der Öresund-Brücke zeigt eindrucksvoll, wie die Integration zweier Regionen die jeweiligen Arbeitsmärkte positiv beeinflussen kann. Allein im Jahr 2010 haben Öresund-Pendler der dänischen Wirtschaft einen Mehrwert von 740 Millionen Euro beschert. Der Anstieg des Pendlerverkehrs trug dazu bei, dem Fachkräftemangel in Dänemark entgegenzuwirken. Die ersparten Ausgaben für Arbeitslosengeld in Schweden beliefen sich auf 175 Millionen Euro.

Wir gehen davon aus, dass 2018 der Planfeststellungsbeschluss auf deutscher Seite erfolgt. Und dann können die Arbeiten am Tunnel auch zügig voranschreiten. Aber wir sollten nicht darauf warten bis der Tunnel fertiggestellt wird. Wir müssen jetzt konkrete Maßnahmen ergreifen um die Region gemeinsam zu stärken. Erst dann bekommen wir den vollen Nutzen des Projektes.

Hamburg News: An was für Maßnahmen denken Sie?

Jens-Peter Saul: Die Region würde sicherlich von einem gemeinsamen Branding sehr profitieren. Auch wegzukommen von der Fokussierung auf die Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen und die Region als Ganzes zu betrachten – mit all den Möglichkeiten, die sich hier bieten – wäre sinnvoll, ebenso wie etwa die Regionen Ostholstein und Lolland / Falster aus ihren Randlagen herauszuholen.

Das in den Vordergrund zu stellen und gezielt Unternehmen anzuwerben und anzusiedeln, kann mittelfristig und langfristig zu einer deutlichen Stärkung der Wirtschaftskraft in der Gesamtregion führen. Und durch eine solche Zusammenarbeit sind wir vor allem interessanter für Start-Ups, die auf große Netzwerke angewiesen sind. Hier stelle ich mir eine verstärkte Zusammenarbeit bei den Universitäten und Existenzgründern vor.

Hamburg News: Als Vorstandsvorsitzender des Rambøll Konzerns und Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer haben Sie einen intensiven Einblick in die Märkte beider Regionen. Wie ist Ihr aktueller Eindruck hinsichtlich der Kooperation der beiden Länder?

Jens-Peter Saul: Mein Eindruck ist, dass es noch eine Menge Potenzial und damit Arbeit gibt. So viele Hamburger kennen Kopenhagen nicht und so viele Kopenhagener kennen Hamburg nicht. Und ich meine damit nicht nur aus touristischer Sicht. Immer wieder, wenn ich Delegationen nach Hamburg bringe, erlebe ich das Erstaunen der Teilnehmer über das, was Hamburg zu bieten hat. Wir müssen unsere Marketingbemühungen auf beiden Seiten verstärken. Das Bewusstsein, dass nur 288 Kilometer weit weg eine tolle Stadt mit tollen Möglichkeiten ist, müssen wir noch deutlich verstärken.

Schließlich ist Hamburg ja für viele dänische Unternehmen nach wie vor das Sprungbrett nach Deutschland. Ein gutes Beispiel ist das Unternehmen, das ich selber leite. Ramboll ist auch in Hamburg gestartet. 2013 waren wir gerade über 80 Mitarbeiter in Hamburg. Nun sind wir über 225 in Hamburg und 500 in ganz Deutschland. In einigen Bereichen läuft die Kooperation also schon sehr gut und es besteht ein sehr guter Wille auf beiden Seiten näher zusammenzurücken.

Hamburg News: Lieber Herr Saul, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Interview: Yvonne Scheller

Weitere Informationen unter:
Tech-Ambassador beim Hamburg Copenhagen Business Forum
Kooperation der Regionen: Hamburg Copenhagen Business Forum
www.rambollfonden.dk

3. Hamburg Copenhagen Business Forum

Am 28. Februar findet das 3. Hamburg Copenhagen Business Forum (HCBF) in der Handelskammer Hamburg statt. Die abwechselnd in Kopenhagen und Hamburg stattfindende Konferenz wurde 2014 von der Handelskammer Hamburg und der Deutsch-Dänischen Handelskammer initiiert, um die wirtschaftliche Vernetzung beider Metropolen unter dem Motto „Two strong partners, one competitive region“ zu begleiten.

Neben zahlreichen Vertretern dänischer und deutscher Unternehmen werden in diesem Jahr Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der Lord Mayor of Copenhagen, Frank Jensen, die ehemalige dänische Außenministerin, Lene Espersen sowie der erste Digitalbotschafter der Welt, Casper Klynge, teilnehmen. In verschiedenen Diskussionsforen werden die Themen E-Health, Erneuerbare Energien, urbane Mobilität und die digitale Transformation in der Immobilienbranche behandelt.

Weitere Informationen unter:
www.hk24.de

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