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Fans auf dem Wacken Open Air © ICS Festival Service GmbH/Nicolai Brunn

30. Wacken Open Air startet: Es war einmal ein Dorf...

Dorfbewohner trifft auf Metal-Heads. Am Anfang gefiel das Festival nicht allen. Inzwischen ist das Event ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Es war einmal ein kleines Dorf… So könnte die Geschichte von Wacken beginnen, und bis vor einigen Jahren wäre sie damit auch schon fast zu Ende erzählt. Aber inzwischen hat der Ort in Schleswig-Holstein weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus Berühmtheit erlangt, denn jedes Jahr im August pilgern Zehntausende Metal-Fans in den Kreis Steinburg zum Wacken Open Air (W:O:A). Auch in diesem Jahr wird das 2.000-Einwohner-Dorf Wacken in der Metropolregion vom 1. bis zum 3. August wieder Gastgeber für rund 100.000 Menschen, die bei dem Festival feiern und arbeiten.

Event mit internationaler Sogwirkung

Die Zeichen für den Beginn des Festivals sind kaum zu übersehen. Am Hamburger Flughafen gibt es eine eigene Airport-Lounge für Besucher des W:O:A. Für die Anreise in das Örtchen ist der Hamburger Flughafen eine wichtige Verkehrsverbindung. Von den Besuchern kommen nach Angaben von Hamburg Airport jährlich etwa 19.000 aus dem Ausland, zum Beispiel aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Finnland, Schweden, England, Frankreich, Spanien, Australien, Norwegen, Mexiko, den USA, Peru und Israel.

Ein spezieller Sonderzug, der „Metal-Train“ fährt über Nacht von München nach Itzehoe, um 750 Gäste aus dem Süden nach Wacken zu bringen. „Die Sogwirkung ist enorm“ sagt Leander Schlicht, Sprecher des Festivals.

Einwohner identifizieren sich mit dem Festival

Das Wacken Open Air hat eine kaum vergleichbare Entwicklung hinter sich. Zu der ersten Veranstaltung im Jahr 1990 kamen nur einige hundert Besucher, seitdem ist die Teilnehmerzahl geradezu explodiert. Die Akzeptanz dafür, dass sich nun Jahr für Jahr scheinbar unendliche Autoschlangen durch ihr ruhiges Dorf ziehen, war nicht bei allen Bewohnern sofort gegeben. „Wir mussten schon einige Gespräche führen“, räumt Schlicht ein. Inzwischen gebe es aber keine Beschwerden mehr. „Das macht die große Erfolgsgeschichte aus: Im Ort hat sich etwas entwickelt, mit dem sich alle identifizieren.“

Holger Huebner und Thomas Jensen

Das Wacken Open Air ist aber nicht nur eine Spaß-Veranstaltung, es ist auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Norden geworden. Es handelt sich Schlicht zufolge um die erklärte Strategie des Organisators Holger Hübner, regionale Partner einzubinden. Dazu gehörten Hotels und Jugendherbergen in der Umgebung, die Gäste aufnehmen. Die Sogwirkung mache sich aber auch in Hamburg deutlich bemerkbar, sagt Schlicht. Die meisten der auftretenden Musiker seien in Hotels in der Hansestadt untergebracht. Einige Dinge müssten zwar ob der technischen Komplexität erfahrene, internationale Firmen übernehmen, wie etwa die Betreuung der größten der neun Bühnen. „Mit dem Bau der kleineren Bühnen sind aber Unternehmer aus der Region beauftragt.“

Veranstaltung mit sozialem Anspruch

Darüber hinaus arbeiten die Organisatoren auch mit der Brunsbütteler Stiftung Mensch zusammen, die sich für Inklusion einsetzt. Beim Festival sind von der Stiftung vermittelte Menschen mit Handicap unter anderem in der Logistik tätig.

Der soziale Anspruch der Veranstalter zeigt sich auch an anderer Stelle: Seit 2014 kooperiert das W:O:A mit der DKMS, der gemeinnützigen GmbH, die Stammzellenspender und Blutkrebspatienten zusammenbringt. Aufgrund ihrer Präsenz auf dem Festival konnte die DKMS seitdem 7.300 potentielle Neuspender in ihre Datei aufnehmen. 32 Metalheads haben nach Angaben der Organisation auch tatsächlich schon Stammzellen gespendet. Für dieses Jahr hat sich die DKMS ein Doppeljubiläum als Ziel gesetzt: Beim 30. Wacken Open Air soll sich der 10.000 mögliche Spender registrieren lassen.

Dass sich die Wackener mit dem Festival identifizieren, scheint nicht nur so daher gesagt zu sein. Gemeinsam mit den Festival-Organisatoren bietet die Gemeinde Besuchern Wackens an, sich eine eigene E-Mail-Adresse mit der Endung @wacken.de einrichten zu lassen – für die „einzigartige Möglichkeit, sich mit Wacken und dem W:O:A zu identifizieren“.
at/mb/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.wacken.com
www.airport-hamburg.com

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