Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Sirplus – bald auch in Hamburg? © Sirplus GmbH

Food Outlet für abgelaufene Lebensmittel in Hamburg?

Social-Impact-Startup Sirplus will Lebensmittel retten und mit einem Franchise-Modell expandieren. Über 100 Interessenten aus Hamburg

In Deutschland landen jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Abfall. Davon wären rund 10 Millionen Tonnen vermeidbar, so eine Studie der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Dabei handelt es sich um genießbare Lebensmittel, die beispielsweise aufgrund optischer Mängel, Überproduktion oder wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums aussortiert werden. Sirplus-Gründer Raphael Fellmer gibt diesen Lebensmitteln eine zweite Chance. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne plant der gebürtige Berliner nun auch in Hamburg einen sogenannten Rettermarkt zu eröffnen.

Sirplus-Mitgründer Raphael Fellmer
Sirplus-Mitgründer Raphael Fellmer © Christian Klant

Wertschätzung von Lebensmitteln

Das Thema Lebensmittelverschwendung ist derzeit in aller Munde, doch Raphael Fellmer engagiert sich bereits seit rund 10 Jahren in diesem Bereich. Bevor er 2016 das Social-Impact-Startup Sirplus gründete, befand er sich nach eigener Angabe fünfeinhalb Jahre im Geldstreik, um auf die Ressourcenverschwendung aufmerksam zu machen. Er verdiente nichts und gab nichts aus. Zusammen mit seiner Familie lebte er von aussortierten Lebensmitteln; gebrauchte Kleidung erhielt er von Freunden und Verwandten. 2017 eröffnete Fellmer, zusammen mit Martin Schott, das erste Food Outlet in Berlin-Charlottenburg. Mittlerweile gibt es drei Rettermärkte in der Hauptstadt und das Team ist auf gut 85 Personen angewachsen.

Die Idee dahinter: Das Startup kauft abgelaufene und aussortierte Lebensmittel ein, vor allem bei Großhändlern, Produzenten und Landwirten. Durch den Verkauf in den Food Outlets sowie im Onlineshop werden die Nahrungsmittel wieder zurück in den Kreislauf gebracht. Dabei werden die Produkte bis zu 70 Prozent günstiger verkauft – von Bio-Lebensmitteln über Milchprodukte, Fleisch und Backwaren bis hin zu Obst, Gemüse sowie Kosmetik.

Mit Franchise in andere Städte expandieren – Hamburg im Gespräch

Damit gewann das Startup 2018 den Bundespreis ‚Zu gut für die Tonne’, vergeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Doch dies ist für den 36-Jährigen kein Grund, sich auszuruhen. Fellmer hat ambitionierte Ziele: „Unsere Vision ist es, dass alle Menschen auf der Erde genügend zu essen haben. Wir wollen, dass alle Lebensmittel, die produziert, auch gegessen werden.“ Anfang August 2019 schloss Sirplus eine Crowdfunding-Kampagne ab und konnte sich so mehr als 111.111 Euro sichern. Nun will das Startup mit einem Franchise-Modell expandieren. Für Hamburg hätten sich bereits mehr als 100 Interessenten gemeldet, erzählt Fellmer im Interview mit den Hamburg News. „Gegen Ende des Jahres werden wir erste Gespräche führen und uns nach einem geeigneten Immobilienstandort umsehen“, so der Sirplus-Gründer weiter.

Keine Konkurrenz zu gemeinnützigen Organisationen

Aus rechtlicher Perspektive ist es in Deutschland erlaubt, Lebensmittel zu verkaufen, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Bei dem angegebenen Datum handelt es sich laut Verbraucherzentrale vielmehr um eine Art Qualitätsgarantie des Herstellers. Fellmer betont, dass Sirplus nicht in Konkurrenz mit gemeinnützigen Organisationen, wie der Hamburger Tafel e. V., stehen will. „Die Tafeln haben immer Vorrang“, sagt der Gründer. So dürften einige Einrichtungen z. B. Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht annehmen oder würden schlichtweg nicht über die Kapazitäten verfügen, die Mengen an überschüssigen Lebensmitteln zurück in den Kreislauf zu führen. An dieser Stelle kommt Sirplus ins Spiel.

Mitte August 2019 kündigte die Hamburger Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks an, die Bundesregierung mit einer Initiative im Bundesrat dazu auffordern zu wollen, eine gesetzliche Regelung gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg zu bringen. Demnach solle der Handel gesetzlich verpflichtet werden, sogenannte sichere Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen zu spenden. Vorbild sei hierbei beispielsweise Frankreich. Dort greift seit 2016 ein dementsprechendes Gesetz.
sb/kk

Quelle und weitere Informationen
www.sirplus.de
www.startnext.com/sirplus
www.raphaelfellmer.de
www.verbraucherzentrale.de
www.zugutfuerdietonne.de

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