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Hamburger Handel will nachhaltiger werden

App-assistiertes Einkaufen, Klimaschutz und innovative Startups. Der Handel ist im Aufbruch

Nachhaltigkeit ist im Handel aktuell ein großes Thema und erstreckt sich über viele Bereiche. Von Bestrebungen zur Verpackungsreduktion, über die kluge Gestaltung der sogenannten Letzten Meile, bis hin zu E-Ladesäulen. „Der Handel richtet sich darauf ein, auf den Parkplätzen Flächen für E-Ladesäulen zur Verfügung zu stellen“, erklärt Brigitte Nolte, Leiterin der Geschäftsstelle Hamburg beim Handelsverband Nord.

Umsatzwachstum im Einzelhandel vor allem onlinegetrieben

Hamburger Speicherstadt

Weitere Elektro-Tankstellen könnten die Attraktivität des stationären Handels steigern – und der könnte einen Attraktivitätsschub durchaus gebrauchen. Denn obwohl das Statistikamt Nord auch für 2018 im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzwachstum im Einzelhandel um nominal 3,2 Prozent – und unter Ausschaltung der Preisentwicklung real um 2 Prozent – feststellte, sind die Zuwachsraten vor allem im Versand- und Internethandel zu verzeichnen. „In der für Hamburg wichtigen Branche Versand- und Internethandel stieg der Umsatz mit nominal plus 7,4 Prozent und real plus 6,9 Prozent besonders deutlich“, heißt es in der Meldung des Statistikamts. Der stationäre Handel hingegen wies ein deutlich niedrigeres Wachstum aus: Nominal 2,4 Prozent, real 0,3 Prozent. Und im Bereich Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen war die Entwicklung gar rückläufig: Nominal minus 3,2 Prozent und real minus 3,6 Prozent.

„fashion connect“ – ein experimentelles Shopping Lab

Entsprechend wurden denn auch im August beim 1. Hamburger Handelskongress in der Handelskammer Strategien, Konzepte und Praxisideen diskutiert und die Teilnehmer gingen der Frage nach: Wie sieht der Handel von morgen aus? Ein Ergebnis: Der Online-Handel entdeckt das Ladengeschäft. So hat etwa Anfang des Jahres bonprix, ein Unternehmen der Otto Group, einen Pilot Store in der Hamburger Innenstadt eröffnet und experimentiert hier mit der Kombination aus On- und Offline. Unter dem Motto fashion connect wird ein App-assistiertes Einkaufserlebnis erprobt. Mit der bonprix App scannt der Kunde im Trend Floor, in dem jedes Kleidungsstück und Accessoire jeweils nur einmal in inspirierenden Themenwelten dargeboten wird, die gewünschten Artikel. Die ausgewählten Kleidungsstücke werden direkt im Fitting Room bereitgestellt.

Brückenschlag zwischen Online- und Offline-Handel

Und mit der jüngst gestarteten Online-Plattform Stocksquare verfolgt Otto das Ziel, die Vernetzung von Internet-Shopping und stationärem Handel voranzubringen. Seit dem 7. August zeigt Otto im Onlineshop an, wenn ein gewünschter Artikel in einem nahegelegenen Geschäft verfügbar ist, etwa in einem ECE Shopping-Center. Denn für die neue Plattform kooperiert der Hamburger Onlinehändler mit ECE, einem der führenden Akteure im Bereich der Shopping-Center.

Strukturwandel sorgt für angespannte Stimmung

Brigitte Nolte, Leiterin der Geschäftsstelle Hamburg beim Handelsverband Nord
Brigitte Nolte © Brigitte Nolte

Hamburg erwartet in diesem Jahr einen weiteren Rekord der Übernachtungszahlen, die Marke von 15 Millionen könnte überschritten werden. Sorgt die anhaltend wachsende Zahl von Touristen für gute Stimmung im stationären Handel? „Leider nicht in ausreichendem Maße“, erwidert Nolte. Die Touristen seien kein Ausgleich für den Strukturwandel, der es dem stationären Handel nach wie vor schwer mache. „Natürlich sorgen Touristen für eine erhöhte Kundenfrequenz und Umsatzimpulse, doch sie können die Abwanderung in den Online-Handel nicht ausgleichen“, sagt Nolte. Hingegen könnten kluge Verkehrslösungen dem stationären Handel das Leben erleichtern. „Die Wirtschaftsbehörde erarbeitet gute Konzepte und es bleibt zu hoffen, dass sie auch umgesetzt werden, möglichst bis 2021, wenn in Hamburg der ITS Weltkongress stattfindet.“

Innovative Startup-Ideen

Kreative Lösungen beobachtet Nolte zudem in der Startup-Szene. „In unseren Gründerseminaren werden immer wieder wirklich innovative und vielversprechende Ideen für Nischenprodukte vorgestellt“, lobt sie. Und die seien wiederum oftmals geprägt von einem nachhaltigen Gedanken. So wie die nachhaltigen Taschen und Accessoires, die Nadine Hartmann und Yannick Hausherr seit 2016 unter ihrem Label NOY anbieten. Das Startup setzt sich für familiäre Unternehmen, faire Arbeitsbedingungen und traditionelles Handwerk ein und unterstützt artgerechte Tierhaltung sowie eine umweltbewusste Produktion, die giftige Chemikalien während des Gerbprozesses ausschließt. Dem Schutz der Ressource Wasser widmen sich seit 2013 Christoph Laudon, Wanja Johannes Weskott und Sebastian Bensmann, ihr Startup Hydrophil hat wasserneutral, vegan und fair hergestellte Hygieneprodukte im Sortiment. Und mit einer Plattform für Altplastik will das Hamburger Startup Cirplus seit April den Handel mit recyceltem Plastik voranbringen, indem sie Materialanfragen und Angebote zusammenbringt. Das ambitionierte Ziel der Gründer Christian Schiller und Volkan Bilici: Den Plastikkreislauf zu 100% zu schließen.
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.hvnord.de

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