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Animation des E-Busses - © IAV GmbH

HEAT: Startschuss für autonom fahrende E-Shuttles

Weltweit einzigartiges Forschungs- und Entwicklungsprojekt in der Hamburger HafenCity gestartet. Ziel ist eine nachhaltige Alternative zum eigenen Pkw

Als am 1. Juni das Projekt HEAT im Prototyp-Automuseum in der HafenCity vorgestellt wurde, war der Name Programm: Im Dachgeschoss herrschten siedende Temperaturen, als Verkehrssenator Frank Horch, Hochbahn-Chef Henrik Falk und die beteiligten Partner das Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit autonom fahrenden Kleinbussen präsentierten. Dabei steht HEAT für Hamburg Electric Autonomous Transportation. Das Besondere daran: Die fahrerlosen E-Shuttles sollen nicht isoliert getestet, sondern ab Anfang 2019 direkt in den quirligen Hamburger Stadtverkehr integriert werden. Ein erstes Testgebiet ist in der innovativen HafenCity geplant.

Stufenweise Projekt-Umsetzung von 2018 bis 2021

Im Rahmen des HEAT-Projekts soll die Integration autonom fahrender Shuttles in den realen Stadtverkehr untersucht, entwickelt, getestet und umgesetzt werden. Um kein Verkehrshindernis darzustellen, werden die Fahrzeuge schließlich mit bis zu 50 km/h unterwegs sein. Die erste Phase startet im Frühjahr 2019 auf einer festgelegten Strecke mit einem Testbetrieb ohne Fahrgäste und mit einem professionellen Fahrzeugbegleiter, der bei Bedarf unmittelbar eingreifen kann. In der nächsten Phase werden erstmals Fahrgäste mitgenommen, weiterhin wird ein Begleiter an Bord sein. Bis zum ITS-Weltkongress im Jahr 2021 soll dann ein komplett autonomer Betrieb erfolgen. Wichtigstes Projektziel ist der Nachweis, dass die autonom fahrenden Kleinbusse im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden können.

Sechs starke Partner entwickeln Alternative zur privaten Pkw-Nutzung

Die Hochbahn übernimmt die Projektleitung und arbeitet Hand in Hand mit sechs starken Partnern, u. a. der Behörde für Wissenschaft, Verkehr und Innovation, Siemens und IAV, einem führenden Engineering-Partner der Automobilindustrie, zusammen. Henrik Falk erläuterte auf der Pressekonferenz seine Vision: „Autonom fahrende Fahrzeuge werden die Mobilität von morgen prägen. Die Hochbahn will die Chancen dieser Technologie gezielt nutzen, um attraktive Angebote zu entwickeln, die die private Pkw-Nutzung zumindest in den Innenstädten komplett überflüssig machen. Gemeinsam mit unseren Partnern stoßen wir hier eine Tür zu innovativen Lösungen auf.” Besonders wichtig sei hierbei ein umweltschonendes und nachhaltiges Fahrzeugkonzept, ergänzte Udo Wehner, Bereichsleiter Vehicle Integrated Function bei IAV.

Drei Fahrzeuge mit Platz für je 16 Fahrgäste geplant

Der von IAV entwickelte Kleinbus ist etwa 5 Meter lang, 2 Meter breit, 2,6 Meter hoch und wiegt rund 4 Tonnen. Im Fahrzeug finden maximal sechzehn Fahrgäste Platz (10 Sitz- und sechs Stehplätze). Das Vehikel ist zudem barrierefrei. Das erste Fahrzeug soll voraussichtlich noch in diesem Jahr nach Hamburg kommen. Insgesamt sind für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt drei Fahrzeuge geplant. Die Aufladung der Batterien für den Elektroantrieb wird bei Vattenfall in der HafenCity erfolgen. Um das Fahrzeug mit maximal 50 km/h in den realen Straßenverkehr zu integrieren, sind drei Komponenten erforderlich: Ausstattung des Fahrzeugs mit Software, Kameras und Radar, Ausrüstung der Strecke mit Sensoren sowie eine Überwachung durch die Hochbahn-Leitstelle.

Innovatives Testgebiet in der HafenCity

Testgebiet "Ringlinie HafenCity"
Testgebiet "Ringlinie HafenCity"

Die Erprobungsstrecke für die emissionsfreien Elektrobusse wird in der Nähe zur Elbphilharmonie liegen, insgesamt 3,6 Kilometer lang sein und neun Haltestellen (sechs bestehende und neu eingerichtete) umfassen. Der Testbetrieb ist bewusst stufenweise angelegt, um in den einzelnen Phasen Erfahrungen zu sammeln und darauf aufbauend sukzessive die Strecke zu verlängern, den Automatisierungsgrad zu erhöhen und die Geschwindigkeit zu steigern. Das Angebot wird jedoch keine regulären Buslinien ersetzen.

Der Fahrgast im Fokus

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird autonomes Fahren vom geltenden Rechtsrahmen noch nicht erfasst. So zeigt sich der Vorstandvorsitzende der Hochbahn bei dahingehenden Nachfragen offen und ehrlich: „Wir betreten völlig neues Terrain.“ Auch dahingehend wird das HEAT-Projekt Pionierarbeit leisten, da es zeigen wird, wie ein autonomes Fahrzeug ordnungsgemäß und sicher zugelassen werden kann. Die rechtliche Begleitung des Projekts übernimmt das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM). Im Fokus des Programms steht jedoch nicht nur die Technik, sondern ebenso der Mensch. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) führt als Projektpartner die Begleitforschung durch, ermittelt die Nutzeranforderungen und leitet Hinweise für die Gestaltung der Fahrzeuge und des Verkehrsservices ab.

Nächster Schritt: Vorbereitungen für den Ausbau der Infrastruktur

Die Investitionen auf Hamburger Seite betragen insgesamt 5,2 Millionen Euro. Davon entfallen auf die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und Hamburg Verkehrsanlagen (HHVA) 2,7 Millionen Euro, die vom Bundesumweltministerium voll gefördert werden. Weitere Fördermittel in Höhe von 1 Million Euro erhält die Hochbahn als Projektleitung. Weitere 1,5 Millionen Euro trägt das städtische Unternehmen aus eigenen Budgetmitteln. In den kommenden Monaten sollen die ersten Vorbereitungen für den Ausbau der Infrastruktur starten. Die Fahrt mit dem Shuttle wird kostenfrei sein.

Hamburg als Modellstadt für moderne Mobilitätslösungen

Das HEAT-Projekt ist ein zentraler Baustein der Hamburger ITS-Strategie, die die Entwicklung moderner Mobilitätslösungen vorantreibt. Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Frank Horch: „2021 wird Hamburg Gastgeberstadt für den Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme sein. Bis dahin soll die Verknüpfung von Digitalisierung und Mobilität Schritt für Schritt im Hamburger Stadtbild sichtbar und erlebbar sein. Als Treiber dieser Entwicklung sollen die öffentlichen Verkehrsbetriebe agieren. Angebote wie HEAT setzen auf einen verbesserten Verkehrsfluss durch weniger, aber – im Gegensatz zum Privatwagen – besser ausgelastete Fahrzeuge. Zugleich sind sie lokal emissionsfrei unterwegs, was uns hilft, für eine bessere Luft und weniger Lärm zu sorgen.“ Zu den weiteren Hamburger Projekten im Vorfeld der ITS zählen mitunter der E-Shuttle-Service MOIA und autonomes Parken am Airport via App.
sb/kk

Quellen und weitere Informationen
www.hamburg.de/bwvi
www.hochbahn.de

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