Mit Ideen durch die Krise fahren: Busverkehr neu denken

Reisebusse als rollende Labore für Corona-Schnelltests. Wie das Hamburger Startup Hanse Mondial durch die Pandemie navigieren will
08. März 2021
Bus outside the Elbphilharmonie

Gründer und CEO Julien Figur möchte mit seinem Hamburger Startup Hanse Mondial für europaweite Buslogistik so schnell wie möglich in das „neue Normal“ übergehen. „Reisebusse sind auch in Zeiten von Corona sicher“, betont der Startup-Unternehmer. „Die Luft im Reisebus wird sieben Mal schneller ausgetauscht als im ICE, und viereinhalb Mal schneller als in einem Flugzeug.“ Da Fahrgasttransporte zu Events, Festivals und Veranstaltungen derzeit nicht stattfinden, setzt Hanse Mondial gegenwärtig vor allem auf Shuttles für Mitarbeiter großer Firmen und Konzerne.

Einsatzbusse als Alternative zum Personentransport

Darüber hinaus hat sich Hanse Mondial dem Projekt „GoTestMe“ angeschlossen, bei dem Busse als mobile Testzentren in der Metropolregion Hamburg eingesetzt werden. Auf diese Weise können beispielsweise ganze Schulen, Unternehmen und Behörden getestet werden, um dort einen normalen Betrieb zu ermöglichen. „Wir haben bereits zwei umgebaute Luxusreisebusse, in denen wir Antigen-Schnelltests, PCR-Tests und am Ende sogar Impfungen durchführen können“, so Figur. Er ergänzt: „Pro Bus sind bis zu 200 Abstriche pro Tag möglich.“ In dem im Heck des Busses untergebrachten Labor könnten die PCR-Tests vor Ort ausgewertet werden, wodurch Wartezeiten und Fehlerquellen reduziert werden sollen. „Die medizinische Schirmherrschaft hat der Hamburger Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Prof. Dr. Kai Gutensohn, übernommen“, berichtet Figur.

Bedarfsgerechte Bustransporte wegen hoher Auslastung besonders nachhaltig

Auch mit den beiden Zukunftsthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung beschäftigt sich Figur. „Busfahrten sind nach einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes im Bezug auf den CO2-Ausstoß pro Person und Kilometer das nachhaltigste und umweltschonendste Verkehrsmittel, da die Auslastung am höchsten ist“, hebt der CEO hervor. Zudem möchte er die Brunche digitalisieren und sich künftig auf die Steuerung und Buchung von autonom fahrenden Fahrzeugen fokussieren. „Was wir heute in die Weiterentwicklung unserer IT-Infrastruktur investieren, ist das Grundgerüst für die Steuerung autonom fahrender Busse in etwa drei bis fünf Jahren.“ Dabei gehe es beispielsweise um die Automatisierung der Disposition von Fahrern und Fahrzeugen, die automatische Anzeige von Fahrtkombinationen sowie den Abgleich von Leerfahrten und Standzeiten mit der vorhandenen Nachfrage.

Mobilitätsplattform mit rund 1.000 Netzwerkpartnern

Die Idee von Figur, eine Full-Service Agentur für europaweite Buslogistik aufzubauen, kommt offenbar an. „Gleich im ersten Geschäftsjahr nach der Gründung konnten wir 2018 aus dem Kaltstart heraus einen Umsatz von über eine Millionen Euro einfahren“, berichtet der Chef von inzwischen 25 Mitarbeitern. „Auch 2019 hatten wir ein ziemlich gutes Jahr.“ Trotz Coronakrise habe der Umsatz 2020 des eigenfinanzierten Unternehmens im mittleren siebenstelligen Bereich gelegen.
cb/kk