Handelskammer Hamburg: Fachkräftemangel bleibt drängend

Stimmung in Hamburger Wirtschaft verbessert sich leicht. Größtes Geschäftsrisiko bleibt Fachkräftemangel, so das aktuelle Konjunkturbarometer
14. Juli 2023
Handelskammer

Eine weitestgehend positive aktuelle Geschäftslage und optimistische Exportaussichten, aber eher pessimistische Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate. Das zeigt das Konjunkturbarometer der Handelskammer Hamburg im Sommer 2023. Dementsprechend verhalten sind Personal- und Investitionsplanungen. Zugleich bleibt der Fachkräftemangel eines der größten Geschäftsrisiken. Rund 550 Hamburger Unternehmen wurden zum Ende des zweiten Quartals 2023 (22. Juni und 6. Juli) für die Erhebung befragt.   

Besonders günstige Geschäftslage in Finanzsektor, Verarbeitendem Gewerbe und Gastgewerbe 

„Die Hamburger Wirtschaft kämpft und stemmt sich gegen die negativen Einflussfaktoren. Eine flächendeckende Erholung oder gar ein Aufschwung ist aufgrund der immer stärker spürbaren strukturellen Herausforderungen für unseren Wirtschaftsstandort nicht in Sicht“, erklärt Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. 55 Prozent der befragten Hamburger Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als „befriedigend bzw. saisonüblich“, knapp ein Drittel als „gut“, 15 Prozent als „schlecht“. Gut die Hälfte rechnet laut Konjunkturbarometer der Handelskammer damit, dass ihr Geschäft in den kommenden Monaten gleich bleibt, 14 Prozent erwarten eine bessere Situation. Mehr als ein Drittel der Betriebe geht von einer eher ungünstigen Entwicklung aus. „Beim Handel drückt die anhaltend hohe Inflation auf die Umsatzerwartungen. Auch für den Medienstandort Hamburg gab es zuletzt mehrere herbe Rückschläge“, berichtet Heyne. Eher drückend ist das Geschäftsklima zum Ende des zweiten Quartals 2023 auch im Verkehrsgewerbe (aktueller Saldo: -32 Punkte), bei Public-Relations- und Unternehmensberatungen (-32), im Baugewerbe (-35), insbesondere im Einzelhandel (-45), im Groß- und Außenhandel (-47) sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen (-51). Firmen aus dem Finanzsektor, dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Gastgewerbe hingegen beurteilen ihre Lage als besonders günstig. Darüber hinaus zeigen sich unternehmens- und personenbezogene Dienstleister (aktueller Saldo: +6 Punkte) sowie die Gesundheitswirtschaft (+ 14) optimistisch.

Hamburger Wirtschaft optimistisch beim Export

Allerdings halten sich Hamburgs Firmen aufgrund insgesamt pessimistischer Geschäftserwartungen bei neuen Investitionen zurück. Etwa jedes zweite der befragten Unternehmen plant in den kommenden zwölf Monaten ungefähr gleichbleibende Ausgaben; rund 24 Prozent will mehr investieren, etwa gleich viel weniger. 15 Prozent der Betriebe plant darüber hinaus mit weniger Personal, 13 Prozent will aufstocken, 72 Prozent kalkuliert mit einer konstanten Beschäftigtenzahl. Heyne erklärt jedoch: „Trotz negativer Erwartungen sind viele Betriebe in Hamburg auf der Suche nach Verstärkung." Beschäftigte würden in Rente gehen oder den Arbeitgeber wechseln. „Diese Fluktuation sorgt dafür, dass Firmen händeringend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind, auch wenn sich das in unserer Umfrage nicht niederschlägt. Nicht umsonst nennen mit Abstand die meisten Unternehmen den Fachkräftemangel als eines der größten Geschäftsrisiken“, so Heyne. Zum Herbst gibt es laut Online-Lehrstellenbörse der Handelskammer noch rund 1.300 freie Ausbildungsplätze. Als weitere große Geschäftsrisiken für die wirtschaftliche Entwicklung nennt etwa jedes zweite befragte Unternehmen eine schwache Inlandsnachfrage, Energie- und Rohstoffpreise sowie hohe Arbeitskosten. Auch eine schwache Auslandsnachfrage, Finanzierungsschwierigkeiten sowie Wechselkursrisiken werden angegeben. Bei den Exportaussichten zeigt sich die Hamburger Wirtschaft jedoch optimistisch. Rund 29 Prozent der an der Handelskammer-Konjunkturbefragung teilnehmenden Unternehmen mit außenwirtschaftlichen Aktivitäten erwarten höhere, rund 17 Prozent geringere eigene Exporte in den folgenden zwölf Monaten.
mm/sb