Bracenet befreit die Meere von Geisternetzen

Das Hamburger Startup setzt auf Upcycling und fertigt aus dem Material alter Fischernetze Accessoires
05. August 2019
Bracenet-Gründer Madeleine von Hohenthal und Benjamin Wenke

Geisternetze: Verlorene oder absichtlich im Meer versenkte Fischernetze „geistern“ millionenfach durch die Meere und werden für Tier und Mensch zur Gefahr. „Zum einen verfangen sich Meeresbewohner aller Art in den Netzen und verenden“, erklärt Madeleine von Hohenthal und ihr Co-Gründer Benjamin Wenke ergänzt: „Zum anderen vermüllen sie die Ozeane: Es dauert 600 bis 800 Jahre bis sie sich zersetzen – und dann zu gefährlichem Mikroplastik werden.“ Allein das Pacific Garbage Patch, der große Müllstrudel im Nordpazifik, besteht zu 46% aus Geisternetzen, wissen die Gründer der Bracenet GmbH.

Bracenet-Taucher
© Bracenet

Internationale Partner

Seit sie 2015 beim Tauchurlaub in Sanisbar ihren ersten Geisternetzen begegneten, wollen von Hohenthal und Wenke die Weltmeere von Geisternetzen befreien. Starke Partner fanden sie in der Meeresschutzorganisation Healthy Seas, einheimischen Taucherteams, den Ghostfishern, sowie dem norwegischen Unternehmen Nofir, das die Netze reinigt und für die Wiederverwertung aufbereitet. Das hochwertige Nylongarn wird so zur Grundlage von Bademoden oder Teppichen. Bracenet fertigt aus dem Rohmaterial Armbänder – der Name ist ein Wortspiel aus dem englischen ´Bracelet` für Armband und ´Net` für Netz. Mehr als vier Tonnen wurden auf diese Weise schon zu Accessoires verarbeitet – vom Team selbst und von verschiedenen Behindertenwerkstätten in Hamburg, Neumünster und Duisburg.

Bracenet-Armband
© Bracenet

Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien

Aktuell arbeitet Bracenet an der Erweiterung ihrer Produktpalette. Neben bereits erhältlichen Schlüsselanhängern sollen noch in diesem Jahr Hundeleinen auf den Markt kommen. „Aber erst nach einer intensiven Qualitätsprüfung und die übernimmt für uns Hundeflüsterer Martin Rütter“, erzählt von Hohenthal. Der Upcycling-Ansatz trifft den Nerv der Zeit. Immer mehr Unternehmen entwickeln interne Nachhaltigkeitsstrategien – und lassen sich dabei auch von Bracenet beraten. So wie Werder Bremen. „Neben der Einführung von ´Nachhaltigkeits-Spieltagen` haben wir uns gemeinsam die Merchandising-Produkte angesehen und überlegt, wie sich der Plastikanteil reduzieren lässt“, erzählt Wenke.

Bracenet Bergungsfahrt Team
© Bracenet
Bracenet Bergungsfahrt Team

Award: Bugsierer 2019

Die Idee des Startups macht also Schule – und wurde in diesem Jahr mit dem Bugsierer 2019 in der Kategorie Hamburger Zukunftspreis belohnt. Der erstmals vom Freundes- und Förderkreis „Hamburg schnackt!“ verliehene Award, zeichnet kraftvolle, engagierte Hamburger Unternehmer aus und lobt besonders die ungewöhnliche Umweltschutz-Idee von Bracenet.
ys/kk