Mobilitätswende in Hamburg kommt voran

Verkehrsbehörde präsentiert Umfrageergebnisse zum Mobilitätsverhalten. 68 Prozent aller Wege mit ÖPNV, Rad oder zu Fuß zurückgelegt
15. Mai 2023
Innenansicht der U-Bahn-Station Elbbrücken in Hamburg

Mehr ÖPNV, mehr Fahhrad, weniger Auto – Die Mobilitätswende in Hamburg nimmt weiter an Fahrt auf. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Hamburger Verkehrsbehörde. Demnach legten die Hamburger:innen im Jahr 2022 insgesamt 68 Prozent ihrer Wege im Umweltverbund (ÖPNV sowie Fahrrad- und Fußverkehr) zurück. Das entspricht einem Anstieg von vier Prozent im Vergleich zu 2017. Ziel des Hamburger Senats ist es, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent der Wege im Umweltverbund zu erreichen.

9 Millionen Personenkilometer weniger mit dem Auto

„Die Zahlen aus der repräsentativen Befragung zeigen, dass die Mobilitätswende in Hamburg deutlich vorankommt“, sagt Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende. Neben einem großen Zuwachs beim Radverkehr und einer stärkeren Nutzung des ÖPNV, falle die Abnahme des motorisierten Individualverkehrs vor allem in der absoluten Verkehrsleistung auf. Vergangenes Jahr seien neun Millionen Personenkilometer weniger mit dem Auto gefahren worden als 2017 – ein Rückgang von fast 30 Prozent. Das habe verschiedene Gründe: „Zum einen unterstützen die Veränderungen durch Corona und die Zunahme an Homeoffice den Trend zugunsten einer Mobilitätswende. Andererseits zeigen die verkehrlichen Maßnahmen der letzten Jahre Wirkung“, ergänzt Tjarks. Der Senat hat auch für die kommenden Jahre ambitionierte Ziele bei der Mobilitätswende. Bis 2030 sollen vier von fünf Wege im Umweltverbund zurückgelegt werden.

© Mediaserver Hamburg/Doublevision

Mobilität in Hamburg insgesamt zurückgegangen

Mehr ÖPNV (im Vergleich zu 2017 um zwei Prozent auf 24 Prozent gestiegen), mehr Fahrrad – Wurden 2017 noch 15 Prozent aller Wege mit der Pedale zurückgelegt, waren es 2022 schon 22 Prozent. Mögliche Ursachen dafür sind weniger Haushalte ohne Fahrräder, eine regelmäßigere Nutzung und ein inzwischen deutlich höherer Anteil an E-Bikes – jeder achte Haushalt besitzt inzwischen eines. Dementsprechend sank die Nutzung eines Autos auf Hamburgs Straßen von 36 (2017) auf 32 Prozent. Allerdings nahm auch der Anteil des Fußverkehrs ab: von 29 auf 22 Prozent. Ebenso verzeichnen die Umfrageergebnisse insgesamt einen Rückgang der Mobilität in Hamburg. Einerseits ist die Anzahl der täglich absolvierten Wege von 5,8 Millionen auf 5,3 Millionen in 2022 gesunken, andererseits hat die absolute Verkehrsleistung abgenommen. So ist die Anzahl der Personenkilometer um 14 Prozent zurückgegangen. Ein Grund dafür könnten gesellschaftliche Entwicklungen durch die Corona-Pandemie sein. Arbeiteten vor der Pandemie lediglich 15 Prozent der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice, waren es 2022 schon 40 Prozent.

36 neue Bahnhöfe sowie Ausbau und Sanierung von Radwegen 

Auffällig ist die Entwicklung im motorisierten Individualverkehr. In den Jahren 2008 bis 2017 war dieser noch um 17 Prozent gewachsen. Interessant ist der Trend weg vom Auto vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums. Seit 2008 ist die Hamburger Bevölkerung um 12 Prozent gewachsen. Um dem gerecht zu werden und das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent der Wege im Umweltverbund zu erreichen, will der Senat die Infrastruktur im Umweltverbund erweitern. In den kommenden 20 Jahren sollen 36 neue Bahnhöfe entstehen und die Radwege ausgebaut sowie saniert werden. Bei Letzterem soll auf eine bauliche Trennung zwischen Kfz- und Fußverkehr geachtet werden, denn: „Es ist unser Ziel, alle Menschen auf diesem Weg mitzunehmen“, erklärt Verkehrssenator Tjarks.
nj/mm

Die Umfrage „MobiHam 2022“

Für die Umfrage „MobiHam 2022“ wurden im Frühjahr und Herbst 2022 insgesamt 8.350 Hamburger:innen zu ihrem Mobilitätsverhalten repräsentativ befragt. Dabei wurde dieselbe Methodik angewendet wie in der vom Bundesverkehrsministerium beauftragten Verkehrsverhaltensbefragung „Mobilität in Deutschland“ im Jahr 2017. Somit konnten die darin erhobenen Daten als Referenzwert dienen. In Zukunft will die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende häufiger Umfragen zum Mobilitätsverhalten durchführen, um Entwicklungen in der Mobilitätswende genauer beobachten zu können. Die Ergebnisse der Befragung werden neben wichtigen Maßnahmen zur Förderung der Mobilitätswende auch Teil einer Ausstellung im Rathaus sein. Ab 17. Mai können sich interessierte Besucher:innen im Foyer über die Entwicklung der Mobilitätswende in Hamburg informieren.