Logistik

Digital Hub Logistics: Hamburgs Fitnessstudio für Innovationen

28. September 2021
Wenn etablierte Player auf Startups treffen – für die Logistik von morgen. Ein Interview mit Johannes Berg, Managing Director des Innovationshubs

Im Herzen der historischen Speicherstadt verbindet der Digital Hub Logistics Hamburg Unternehmen, Investoren, Startups, Forschung und Bildung an einem Ort. Ein internationales Netzwerk an Akteuren aus der Logistikbranche, das mit Mut, Unternehmergeist und Innovationskraft an neuen Lösungen für das digitale Zeitalter arbeitet – für die Logistik von morgen. Im Gespräch mit den Hamburg News erklärt Johannes Berg, Managing Director des Digital Hub Logistics Hamburg, was der Hub mit einem Fitnessstudio gemeinsam hat, berichtet von aktuellen Herausforderungen der Logistikbranche und gibt einen Einblick in Zukunftspläne.

Hamburg News: Als Managing Director leiten Sie den Digital Hub Logistics in Hamburg. Was genau ist die Aufgabe des Hubs?

Johannes Berg: Die Aufgabe des Digital Hub Logistics ist es, Startups, Unternehmen, Investoren und Forschungseinrichtungen miteinander zu vernetzen, um gemeinsam digitale Innovationen für die Logistikbranche der Zukunft zu entwickeln. Oder genauer gesagt: Zusammen mit unseren Partnern aus Forschung und Wirtschaft testen, validieren und skalieren wir neue Prozess-, Produkt- und Geschäftsmodelle entlang der logistischen Wertschöpfungskette. Oder um es etwas anschaulicher zu machen, könnte man auch sagen: Der Hub ist das Fitnessstudio für digitale Innovationen in der Logistik.

Hamburg News: Und wie genau sieht dieses Fitnessstudio aus?

Berg: Bei dem Digital Hub Logistics handelt es sich in erster Linie um einen physischen Ort: Unser Büro in der Hamburger Speicherstadt. Hier bieten wir unseren Kooperationspartnern einen Arbeitsplatz, an dem sie fernab vom eigenen Büro oder Homeoffice miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam an der Entwicklung neuer Geschäftsideen arbeiten können. Das klingt zunächst relativ simpel, ist für den Entstehungsprozess von Innovationen aber sehr wichtig. Neben dem physischen Ort versuchen wir allerdings auch mit verschiedenen Veranstaltungs- und Workshop-Formaten den bunten Blumenstrauß an Menschen und Ideen in unserem Umfeld zu vernetzen.

Hamburg News: Wenn der Hub vor allem ein Treffpunkt ist, wie sind Sie dann durch die Pandemie gekommen?

Berg: So wie die meisten anderen Unternehmen auch: Mit Teams, Zoom, Webex und Co. So langsam füllt sich der Hub aber wieder und wir sind froh auch physisch wieder Veranstaltungen durchführen zu können. Bei allen Vorzügen der digitalen Kommunikation – eine Cola oder ein Bier von Angesicht zu Angesicht ist für den Austausch einfach besser als ein digitales Moodboard.

J. Berg

Hamburg News: Welche Startups und Unternehmen sind bisher an dem Hub beteiligt gewesen?

Berg: Unternehmenspartner der ersten Stunde sind unter anderem die Hamburger Hafen und Logistik AG, Ingenics, Dakosy und die Lufthansa Industry Solutions GmbH. In den letzten Jahren dazu gekommen sind beispielsweise die Nagel Group, die Gebrüder Heinemann, Krone, Tchibo, Auerbach Schifffahrt, NSB Schifffahrt, die Helm AG, die Firma Elokon und die Volkswagen Konzernlogistik. Aufseiten der Startups gibt es einige maritime Gründungen, die vor allem die Hamburger Herzen höherschlagen lassen dürften, wie Navisense, Searoutes, Closelink, Nautiluslog oder Boxxport. Aber auch Gründungen wie Kiezbringer, Angel oder Priojet sind Hamburger Eigengewächse. Darüber hinaus sind auch einige Startups in dem Netzwerk präsent, die nicht dauerhaft in Hamburg sitzen: Everstox aus München, Logistics Cloud aus Bayern oder Waves aus Luxemburg zum Beispiel.

Hamburg News: Was waren bisher Ihre größten Erfolge?

Berg: In einem Innovationsökosystem ist es immer schwierig von quantifizierbaren Erfolgen zu berichten. Doch die Tatsache, dass mittlerweile über 30 Pilotprojekte zwischen Unternehmen und Startups auf den Weg gebracht wurden, spricht für sich. Für mich persönlich liegt der Erfolg des Digital Hubs aber in erster Linie darin, dass ganz unterschiedliche Menschen gerne hierherkommen und es schaffen, ihre wilden Expansionspläne mal mehr mal weniger fix umzusetzen. Dabei feiern sie gemeinsame Erfolge und unterstützen sich bei Rückschlägen.

Hamburg News: Was sind derzeit die größten Herausforderungen in der Logistik?

Berg: Ganz klar Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Hier kann die Logistikbranche durch technologische Innovationen helfen, das Rückgrat verschiedenster Industrien zukunftstauglich zu gestalten – gerade mit digitalen Lösungen. Auch ist die Internationalität der Branche dafür ein wichtiger Hebel. Das zeigt sich auch in unserem Hub, der Startups unter anderem aus Estland, Luxembourg, Frankreich, Polen, Singapur, Schweden und der Niederlande zusammenbringt.

Hamburg News: Die Logistikbranche ist international, gibt es dennoch einen Grund, warum sich der Hub gerade in Hamburg befindet?

Berg: Hamburg ist bekanntlich das Tor zur Welt – das gilt auch für unser Ziel, digitale Innovationen in die Welt zu tragen. Zum Beispiel mit digitalen Schiffslogbüchern, die weltweit im Einsatz sind. Oder mit Software und digitalen Plattformen, die die Steuerung von Schleppern in Häfen auf der ganzen Welt optimieren.

Hamburg News: Werfen wir zum Abschluss einen Blick in die Zukunft: Was sind die nächsten Ziele des Hubs?

Berg: Wir wollen den Hub im Jahr 2022 noch weiter ausbauen und zu einem zentralen Anlaufpunkt für Innovationen in der Logistik im Hamburger Stadtzentrum machen. Dafür werden wir unter anderem die Fläche des Hubs auf über 3.000 Quadratmeter vergrößern.

Hamburg News: Vielen Dank für das Gespräch!

fa/sb/kk

Quellen und weitere Informationen

ITS Weltkongress Hamburg 2021

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Der ITS Weltkongress ist Teil der vom Hamburger Senat 2016 verabschiedeten und bis ins Jahr 2030 reichenden ITS-Strategie. Aus mehr als 170 ITS-Projekten hat die Stadt 42 Ankerprojekte definiert, die auf dem ITS Weltkongress präsentiert werden – vom autonomen E-Shuttle bis zur KI-Inspektionsdrohne.

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