Wie in Bergedorf ein autonomer On-Demand-Verkehr erprobt wird

Selbstfahrende E-Shuttles sollen „erste und letzte“ Meile im ÖPNV schließen. Hamburger*innen können mitfahren. Teil des ITS-Weltkongresses
30. September 2021
E-Shuttle emoin

Im Südosten Hamburgs wird die Mobilität von morgen erprobt. Seit Mitte September sind in Bergedorf drei selbstfahrende E-Shuttles mit maximal 18 km/h unterwegs. Die vier Meter langen Kleinbusse sollen die Lücke auf der „ersten und letzten Meile“, also zwischen Wohnort und den nächstliegenden ÖPNV-Haltestellen, schließen. Bis zum 31. Oktober können Bürger*innen die Shuttles per App oder telefonisch on-demand (dt. bei Bedarf) buchen. Das Vorhaben „emoin“ ist eines von 10 Projekten, die im Zuge des Reallabor Hamburgs (RealLabHH) durchgeführt werden. Die Ergebnisse sollen auf dem ITS-Weltkongress (11. bis 14. Oktober 2021), der führenden Veranstaltung für intelligente Verkehrssysteme und Service, präsentiert werden.

Mobilitätswende in Randgebieten vorantreiben

Können durch fahrerlose On-Demand-Shuttles mehr Menschen dazu animiert werden, den ÖPNV zu nutzen? Dieser Frage wollen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH), Continental, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Prüfgesellschaft Dekra Automobil GmbH sowie das Technologieunternehmen EasyMile auf den Grund gehen. „Mit emoin kommen ein Leuchtturmprojekt der Digitalisierung sowie die Zukunft der On-Demand-Verkehre nach Bergedorf“, erklärte Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks vor Ort. Das E-Shuttle zeige, wie die Mobilitätswende erfolgreich in städtische Randgebiete gebracht werden könne. Einerseits könne der autonome Kleinbus rund 5.000 Menschen an das ÖPNV-Netz anbinden und biete mit mehr als 50 virtuellen Haltepunkten eine bequeme Anbindung an die S-Bahnstation. Andererseits sei der On-Demand-Verkehr eine Alternative zum eigenen Auto und könne damit für weniger Verkehr und eine gesteigerte Aufenthaltsqualität sorgen, so Tjarks weiter.

Radarsensoren können Hindernisse erkennen

Die Koordinierung der barrierefreien Kleinbusse übernimmt ein vom DLR entwickelter Algorithmus. Wird also ein Fahrzeug an einem der virtuellen Haltepunkte gerade nicht benötigt, wartet es am Bergedorfer ZOB. Dadurch sollen Leerfahrten vermieden und der Betrieb möglichst effizient gestaltet werden. Die elektrischen Shuttles von EasyMile sind mit Radarsensoren und sogenannten 3D-Flash-Lasersensoren ausgestattet, die ganze Verkehrsszenarien aufnehmen und damit das Fahrzeugumfeld genau erfassen können. In den vier Meter langen und etwa zwei Tonnen schweren Kleinbussen finden bis zu fünf Fahrgäste Platz. Da die Shuttles nach aktueller Gesetzgebung noch nicht fahrerlos unterwegs sein dürfen, ist stets ein Fahrzeugbegleiter der VHH an Bord, der zu jeder Zeit in das Verkehrsgeschehen eingreifen kann.

HafenCity bereits seit 2019 Testgebiet für autonome Fahrzeuge

Dies ist bereits das zweite selbstfahrende Fahrzeug, das in den Hamburger Straßenverkehr integriert wird, um das autonome Fahren in Echtzeit zu erproben. Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) ist seit 2019 ist ein autonomer Kleinbus in der HafenCity unterwegs – im Oktober vergangenen Jahres waren erstmals Fahrgäste an Bord. Derzeit befindet sich das das HEAT-Projekt, unter Federführung der Hochbahn Hamburg, auf den Zielgeraden. Noch bis zum ITS-Kongress Mitte Oktober können Interessierte auf dem 1,8 Kilometer langen Rundkurs mit fünf Haltestellen im Fahrzeug mitfahren.
sb/kk