Wärmewende: Bohrungen zur Förderung von Erdwärme gestartet

Energiegewinnung durch heißes Thermalwasser aus dem Untergrund. Teil des Reallabors IW3 in Hamburg-Wilhelmsburg
02. Februar 2022
Energiebunker Wilhelmsburg

Ein weiteres Hamburger Energiewende-Projekt nimmt Form an: In Hamburg-Wilhelmsburg haben Ende Januar die Bohrungen zur Förderung von grüner Erdwärme begonnen. Nach Abschluss der Bohrarbeiten soll im Süden der Hansestadt heißes Thermalwasser aus 3.500 Metern Tiefe an die Oberfläche gebracht werden können. Das Vorhaben ist der erste Schritt zur Errichtung einer Geothermie-Anlage, die im Rahmen des Energiewende-Reallabors IW3 bis 2024 umgesetzt werden soll. Nach Angaben der Stadt Hamburg könnten im Zuge des Realisierung künftig etwa 5.000 Haushalte in Wilhelmsburg mit grüner Wärme versorgt und so rund 7.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Use of geothermal energy
© Hamburg Energie, Hamburg Wasser
Mit Erdwärme zur Wärmewende

Förderung von Erdwärme soll Kohleausstieg beschleunigen

Die Tiefengeothermie biete „beachtliche Potenziale zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung“, sagte Staatsrat Michael Pollmann beim Auftakt der Bohrarbeiten. Das Pilotprojekt in Wilhelmsburg sei somit unter anderem ein wichtiger Schritt für den Hamburger Kohleausstieg. Zwar bliebe bei einer Tiefenbohrung „immer ein Restrisiko hinsichtlich der Fündigkeit“, doch man sei aufgrund der Anzeichen „zuversichtlich, dass das Vorhaben erfolgreich sein wird.“

Der Abschluss der Bohrungen sei demnach für den kommenden August angestrebt. Im Rahmen der geplanten Geothermie-Anlage soll dem Thermalwasser dann an der Oberfläche die Energie entzogen werden, bevor es zurück in die thermalwasserführende Schicht im Untergrund geleitet wird.

Wärmewende-Reallabor könnte als Blaupause dienen

Umgesetzt werden die Bohrarbeiten von den Energiewerken Hamburg und Hamburg Wasser. Michael Prinz, Geschäftsführer der Energiewerke, erklärt: „Ziel unseres Projekts ist es, zunächst in Wilhelmsburg zu einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Wärmeversorgung beizutragen und darüber hinaus als Blaupause zu dienen, die auch von weiteren Städten und Gemeinden in Norddeutschland für die eigene Wärmewende umgesetzt werden kann.“

Die Nutzung von Erdwärme soll künftig nach Angaben der Stadt Hamburg neben bereits vorhandenen Wärmeerzeugern wie Solarthermie die Basis des Wärmewende-Reallabors IW3 (Integrierte Wärmewende Wilhelmsburg) bilden. Im Zuge des Projekts wird eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren angestrebt. Das Vorhaben wird von der Bundesregierung mit 22,5 Millionen Euro gefördert. Insgesamt betragen die Investitionskosten rund 70 Millionen Euro.
tn/sb/kk