UKE-Studie: Wie sich Corona auf Kinder und Jugendliche auswirkt

Lebensqualität und psychische Gesundheit von Kindern haben sich laut COPSY-Studie des UKE weiter verschlechtert
16. Februar 2021
University Hospital Hamburg-Eppendorf

Ein knappes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie leidet fast jedes dritte Kind in Deutschland unter psychischen Auffälligkeiten, darunter Niedergeschlagenheit oder Bauchschmerzen. Betroffen seien vor allem Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Im Zuge dessen wurden von Dezember 2020 bis Januar 2021 über 1.000 Kinder und Jugendliche sowie mehr als 1.600 Eltern online befragt. Die Ergebnisse wurden mit denen der ersten Befragungsrunde im Juni 2020 verglichen. Die Studie sei die bundesweit erste und international eine der wenigen Längsschnittstudien ihrer Art, so das UKE. Das sind die weiteren Ergebnisse.

Verlässliche Konzepte gefragt, vor allem für Kinder aus Risikofamilien

Wer vor der Pandemie gut dastand, Strukturen erlernt hat und sich in seiner Familie wohl und gut aufgehoben fühlt, werde auch gut durch die Pandemie kommen, ist Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Forschungsdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE, überzeugt. Deshalb seien vor allem verlässliche Konzepte gefragt, um Kinder aus Risikofamilien unterstützen und ihre seelische Gesundheit zu stärken. 

Graph of COPSY Survey
© UKE
Subjektive Belastung nimmt zu

Ängste und Sorgen haben bei Kindern weiter zugenommen

Laut Studie fühlen sich vier von fünf der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie belastet. Auch ihre Lebensqualität habe sich im Verlauf der Pandemie weiter verschlechtert: Sieben von zehn Kindern geben eine geminderte Lebensqualität an. Vor der Corona-Krise waren es lediglich drei von zehn Befragten. Dabei bleibt das Risiko für psychische Auffälligkeiten hoch. Ängste und Sorgen haben bei den Kindern im Vergleich zur ersten Befragung noch einmal deutlich zugenommen. Sie zeigen häufiger depressive Symptome oder psychosomatische Beschwerden.

Mehr Bildschirm-Zeit, weniger Sport

Auch das Gesundheitsverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich laut Studie noch weiter verschlechtert. Demnach verbringen die Kinder noch mehr Zeit vor dem Bildschirm (Smartphone, Tablet, Spielkonsole) und machen deutlich weniger bis überhaupt keinen Sport mehr. Diese Entwicklung sei besonders bedenklich, so die Leiterin der COPSY-Studie: „Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Niederlagen umzugehen.“

Homeschooling und Arbeit: Eltern stoßen an ihre Grenzen

Zudem berichten die Kinder und Jugendlichen über mehr Streit in den Familien, vermehrte schulische Probleme und ein schlechteres Verhältnis zu ihren Freunden. Doch auch viele Eltern fühlen sich mittlerweile durch die anhaltende Pandemie belastet und zeigen vermehrt depressive Symptome: „Die Eltern scheinen sich auf die Anforderungen durch das Homeschooling und die Doppelbelastung mit ihrer Arbeit eingestellt zu haben und versuchen, diese bestmöglich zu managen. Sie kommen dabei aber zunehmend an ihre Grenzen“, erklärt Ravens-Sieberer.

Graph of COPSY Survey Schools
© UKE
Schulische Situation bleibt angespannt

Kindeswohlgefährdungen: Dunkelziffer vermutlich gestiegen

Dies gehe mit einer vermutlich höheren Dunkelziffer an Kindeswohlgefährdungen einher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsnetzwerks Medizinischer Kinderschutz am UKE. Demnach seien die Fälle von Kindeswohlgefährdungen in deutschen Kinderkliniken und Kinderschutzambulanzen im ersten Lockdown (März/April 2020), im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Die Mitarbeitenden des Forschungsnetzwerks vermuten daher, dass die Dunkelziffer von Misshandlung und Vernachlässigung betroffener Kinder weiter gestiegen sein könnte.
sb/kk

COPSY-Studie

Für die COPSY-Studie untersuchen die UKE-Forschenden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Nach einer ersten Befragung im Mai/Juni 2020, wurden nun in einem zweiten Durchgang (Dezember 2020/Januar 2021) mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche sowie über 1.600 Eltern online befragt. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Familien mit Kindern im Alter von 7 bis 17 Jahren.

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