UKE behandelt Krebspatienten mit neuer Zelltherapie

Bei der neuen Behandlung werden Patienten mit gentechnisch veränderten Immunzellen behandelt
17. Februar 2020

Seit Mitte Mai 2019 werden im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf schwerkranke Krebspatienten mit der sogenannten CAR-T-Zelltherapie behandelt. Bei der Therapie wird mit gentechnisch veränderten Immunzellen gearbeitet, die den Tumor angreifen. Die Zelltherapie ist für die Behandlung von schwerkranken Patienten mit bestimmten Formen von Blut- und Lymphdrüsenkrebs zugelassen, bei denen die bisherigen Therapieverfahren nicht zum Erfolg geführt haben.

Gute Ergebnisse

Bislang wurden 20 Patienten mit der komplexen Therapie behandelt – und das nach UKE-Angaben mit großem Erfolg: “Die Tumore haben sich entweder zurückgebildet oder sind vollständig verschwunden.” In Kürze soll eine klinische Studie mit einem weiteren gentechnischen Verfahren ‚CRISPR/Cas9-Genschere‘ beginnen, mit dem Lymphompatientinnen behandelt werden sollen. Das UKE ist bei dieser internationalen, multizentrischen Studie die einzige teilnehmende Klinik aus Deutschland.

CAR-T-Zelltherapie basiert auf gesunden Zellen

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden dem Patienten zunächst gesunde Immunzellen, sogenannte T-Zellen, entnommen und im Labor gentechnisch manipuliert. Mit Hilfe eines Virus wird in die T-Zellen ein Molekül, der chimäre Antigenrezeptor (CAR), geschleust. Nach Rückgabe der Zellen erkenne das Molekül, das sich auf der Oberfläche der Immunzellen befindet, die Tumorzellen des Erkrankten und zerstört diese. Diese Art der Therapie sei sehr komplex und deswegen nur für einen kleinen Patientenkreis zugänglich.

„Für Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittenen Lymphomen oder akuten lymphatischen Leukämien kann die Zelltherapie lebensrettend sein. Zwar warnen wir vor zu großen und vorschnellen Erwartungen, doch liegen inzwischen Ergebnisse mit Zwei-Jahres-Überlebensraten von bis zu 66 Prozent vor, was für Patienten, die bislang keine Aussicht mehr auf eine erfolgreiche Therapie hatten, einen großen Fortschritt bedeutet.“, erklärt Prof. Dr. Nicolaus Kröger, Direktor der Interdisziplinären Klinik für Stammzelltransplantation des UKE.

Weitere Studien in Planung

In Zukunft werde mit weiteren Fortschritten durch ständige Optimierung dieser neuen Form der Zelltherapie gerechnet. Erstmals sollen demnach die individualisierte und die zielgerichtete Therapie miteinander kombiniert werden. An der internationalen klinischen Studie zu der CRISPR/Cas9-Genschere ist das UKE als einziges deutsches Zentrum beteiligt. In Zusammenarbeit mit Kliniken in Australien und den USA werden Patienten mit fortgeschrittener Lymphomerkrankung behandelt in der Hoffnung, künftig mehr Patienten mit anderen Krebserkrankungen mit den neuen Verfahren helfen zu können.
js/kk

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