Forschungsprojekt emoin: 1.325 km autonom durchs Villenviertel

Zukunftsweisendes Projekt: Erstmals komplettes Wohnviertel im autonomen On-Demand-Verkehr. Feldtest im Rahmen des Reallabor Hamburg
11. Januar 2022
Emoin shuttle in Bergedorf

Beim Mobilitätsfestival HEY/HAMBURG, initiiert im Juni 2021 von der Handelskammer Hamburg, waren sich die Experten einig: Autonomes Fahren wird Realität. Mehr als 1.000 Fahrgäste haben die Technik der Zukunft durch eine Fahrt mit den autonomen E-Shuttles emoin ausprobiert. Sechs Wochen lang, bis Ende Oktober, wurde im Rahmen des Reallabors Hamburg getestet, inwieweit ein On-Demand-Shuttleservice Lücken auf der „ersten und letzten Meile“ im ÖPNV schließen könne. Gerade die Kombination aus Autonomen Fahren und On-Demand-Service ist das Besondere an dem Forschungsprojekt. Fahrgäste konnten per Telefon oder über die emoin-App die Shuttles je nach Bedarf buchen. Weder gab es einen festen Fahrplan noch eine feste Linie. Die Teststrecke verlief durch das Bergedorfer Villenviertel, mehr als 50 Haltepunkte wurden bis zum Bergedorfer S-Bahnhof bedient und vor allem in den Zeiten zwischen 14 und 15 Uhr sowie 16 und 18 Uhr nachgefragt. Insgesamt waren drei emissionsfreie Fahrzeuge im Einsatz. Die Fahrgäste berichten übereinstimmend von einem angenehmen, sicheren und komfortablen Fahrgefühl.

Projekt weltweit einzigartig

Nach umfassender Auswertung aller Daten zeigt sich auch Patrick Fischer, Projektleiter und Leiter der Betriebshöfe Billbrook und Glinde der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH), sehr zufrieden mit dem Feldtest: „Soweit wir sagen können, ist unser Projekt weltweit das einzige dieser Art, bei dem nicht nur eine Buslinie, sondern ein komplettes Wohnviertel im On-Demand-Verkehr bedient wurde. Und das Angebot wurde von den Bergedorfern gut angenommen.“ So hätten sogar Stamm-Fahrgäste gewonnen werden können. „Darunter etwa ältere Fahrgäste, die dankbar waren, bequem von ihrem Wohnort zum Arzt oder zum Theater gebracht zu werden.“ Aber auch beim Fachpublikum kam der emoin gut an – schließlich war das Projekt als Versuchsbetrieb im realen Anwendungsfall für den ITS Weltkongress konzipiert worden. „Das hat uns erlaubt im Livebetrieb umzusetzen, was sonst bislang vor allem am Reißbrett erdacht wird und herauszufinden, was für den VHH-Betrieb sowie für unsere Partner ganz praktisch benötigt wird, um einen autonomen Shuttle-Service umzusetzen.“ VHH-Projekt-Partner waren die Continental AG, die EasyMile GmbH, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. sowie die DEKRA Automobil GmbH.

Patrick Fischer, Head of Emoin Project
© VHH
emoin-Projektleiter Patrick Fischer
Electric bus
© Yvonne Scheller
Elektrobus VHH

Falschparker, Lieferdienste und stürmisches Wetter

Eigens für das Projekt waren Halteverbote und Einbahnstraßen für das Bergedorfer Betriebsgebiet eingerichtet worden. Trotzdem blieb der Testbetrieb anspruchsvoll. Zu den Herausforderungen gehörten Steigungen, Falschparker und Lieferdienste – sowie das Wetter. „Tatsächlich mussten wir den Betrieb für zwei Tage aussetzen, da Winde mit einer Geschwindigkeit von über 50km/h angesagt waren“, erzählt Fischer. Die Sensorik – entwickelt und für die autonomen Shuttlebusse adaptiert von Continental – registriert Menschen, Tiere aber ebenso windgepeitschte Äste als potentielle Hindernisse, was je nach Analyse zu einer Notfallbremsung führen könnte. Oder zum Eingreifen des Fahrers. Da die Shuttles nach aktueller Gesetzgebung noch nicht komplett fahrerlos unterwegs sein dürfen, war stets eine Fahrzeugbegleitung der VHH an Bord. Doch die hatten nicht viel zu tun, sagt Fischer zufrieden. Bei insgesamt 1.325 gefahrenen Kilometern sei es zu keiner einzigen Notfallsituation gekommen.

Bereit für Folgeprojekt

So sind die VHH nach dem erfolgreichen Abschluss des emoin-Projekts bereit für Folgeprojekte. ‚emoin‘ steht für Mobility-on-Demand im Norden. Das e am Anfang wurde abgeleitet von der Marke elexity, unter der die VHH alle Aspekte der E-Mobilität im Unternehmen zusammenfasst. „Die VHH würde die Stadt Hamburg gern weiter bei der Erreichung ihrer Mobilitäts- und Klimaziele unterstützen.“ Konkret könnte sich Fischer etwa ein Folgeprojekt mit größeren Fahrzeugen und entsprechend mehr Fahrgästen vorstellen.
y
s/kk