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Hoteldirektorin Madeleine Marx The Westin - © The Westin

Lifestyle-Hotel mitten im Wahrzeichen der Stadt

Über Hamburg als Hotelstandort sowie Neuerungen im The Westin sprach Hamburg News mit Hoteldirektorin Madeleine Marx

Hamburgs Bedeutung als Tourismusstandort nimmt weiter zu. Im Dezember meldete das Statistikamt Nord einen Gästezuwachs von 5,8 Prozent auf mehr als 6 Millionen Gäste für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2018. Die Zahl der Übernachtungen stieg dabei auf über 12 Millionen und damit um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Als ein Touristenmagnet wirkt immer noch die Elbphilharmonie – und in dem von den Architekten Herzog & De Meuron entworfene Gebäude befindet sich auch das Hotel The Westin.

Hoteldirektorin Madeleine Marx hat Ende Dezember die 100-Tage-Marke als neue Chefin im The Westin überschritten. Ihre Eingewöhnungsphase hat sie genutzt, um sich ein Bild davon zu machen, wie sie das Hotel in der Elbphilharmonie auf Erfolgskurs steuern kann, denn bisher lief es für das 2016 gestartete Haus noch nicht ganz rund. Doch Herausforderungen schrecken die gestandene Hoteldirektorin nicht, die 30 Jahre Berufserfahrung u. a. als General Managerin des Scandic, Marriott und Renaissance mitbringt und somit die Branche bestens kennt.

Hamburg News: Liebe Frau Marx, The Westin wurde im November 2016 mit dem Ziel eröffnet, „Wohlfühlort am Tor zur Welt“ zu werden – wie steht es mit den Wohlfühl-Qualitäten des Hauses aktuell?

Madeleine Marx: Wir sind ein Lifestyle-Hotel mitten im Wahrzeichen der Stadt. Und der fantastische Blick, sowohl über die Elbe als auch in die Stadt, ist schon mal ganz großes Kino. Darüber hinaus verfolgt The Westin das Konzept der sechs Säulen des Wellbeings: Sleep Well, Eat Well, Move Well, Feel Well, Work Well und Play Well, die durch besondere Programme und Aktivitäten für den Gast erlebbar werden. Zum Beispiel durch unseren Running Concierge, der Laufstrecken zwischen 5 und 8 Kilometern für Hamburger und Gäste anbietet. Wer keine Sportkleidung im Gepäck hat, dem stellen wir alles Nötige zur Verfügung. Move Well steht also nichts im Wege. Und die Kategorie Feel Well wollen wir durch unsere Umbaupläne 2019 weiter stärken.

Hamburg News: Was haben Sie da im Sinn?

Madeleine Marx: Wir werden die gesamte 8. Etage umgestalten und dabei den Empfang verlegen, um die Lobby zu beleben. Außerdem werden wir unsere Bar noch mehr in Szene setzen. Wir sind hier 37 Meter hoch und damit auf Augenhöhe mit den Kommandobrücken aller großen Schiffe – darum ja Bridge Bar. Insgesamt streben wir ein wärmeres, gemütlicheres Ambiente an. Das aktuelle Design von Tassilo Bost zeichnet sich durch eine große Klarheit und Nüchternheit aus. Das ist perfekt für die Zimmer, denn da ist die Aussicht der Star. Aber die öffentlichen Bereiche können jetzt ruhig einen neuen Look erhalten – immerhin waren die Planungen ja auch auf die ursprünglich für das Jahr 2010 geplante Eröffnung ausgerichtet. Jetzt ist es Zeit, neu zu denken.

Hamburg News: Sie nennen Ihr Haus ein Lifestyle-Hotel – die meisten verorten The Westin als 5-Sterne-Luxushotel …

Madeleine Marx: Wir haben uns bewusst gegen die starre Sterne-Klassifizierung entschieden. Wenn da ein bestimmter Aspekt nicht erfüllt ist, führt das gleich zum Sterne-Abzug. So haben wir beispielsweise keinen Butler, aber ich denke, wir bieten dennoch eine Menge Luxus mit Eigner Suite, Maisonette Suiten, Private Spa oder unseren drei Concierges, die schon viele Gäste glücklich gemacht haben – eine Karte für ein ausverkauftes Konzert in der Elbphilharmonie zu besorgen, ist da noch eine ihrer leichteren Übungen.

Suite im The Westin
Suite im The Westin

Hamburg News: In Kürze wird es in Hamburg ein rundes Dutzend Fünf-Sterne-Hotels geben. Welche Bedeutung haben die Häuser für den Standort?

Madeleine Marx: Die Elbphilharmonie hat Hamburg auf die Weltkarte gesetzt, internationale Luxushotels sind jetzt interessierter als zuvor. Schöne neue Häuser bereichern den Standort und durch den Zuzug von internationalen Ketten interessieren sich deren Stammgäste für Hamburg als Destination. Aber große Häuser haben ein Markenversprechen zu halten, das heißt, sie müssen ein gewisses Preisniveau erreichen, um wirtschaftlich agieren zu können. Wenn es aber eng wird und sich die Luxushäuser preislich bekämpfen, bringt sie das in wirtschaftliche Schwierigkeiten und die anderen gleich mit: Der Preiskampf greift dann auf die anderen Kategorien über, das ist wie ein Dominoeffekt.

Hamburg News: In welcher Range liegen denn die Zimmerpreise im The Westin?

Madeleine Marx: Wir verkaufen keine Zimmer, wir verkaufen Übernachtungen. Und das ist eine sehr verderbliche Ware, die kann man nicht ins Lager legen und später verkaufen. Der Preis hängt also auch von der Nachfrage ab. Im Durchschnitt reden wir von 200 bis 300 Euro für ein Zimmer und 350 bis 3.500 Euro für eine Suite. Und damit liegen wir im internationalen Vergleich wirklich niedrig. Für ein Zimmer in vergleichbarer Größe würden Sie in London 400 Pfund zahlen – aber Sie hätten garantiert keine vergleichbare Lage.

Hamburg News: Auch Hotels in bester Lage haben Schwierigkeiten ihre Restaurants und Bars allein mit auswärtigen Gästen zu füllen. Wie sieht das im Saffron und der Bridge Bar im The Westin aus?

Madeleine Marx: Das ist in der Tat eine Herausforderung, mit der ganz viele Hotels zu kämpfen haben, besonders an Sonntagabenden. Mein Ziel ist es nun, The Westin zu einem attraktiven Hotspot auch und gerade für die Hamburger zu machen. Statt sich also in einem der vielen Coffeeshops zu treffen, warum sich nicht mal etwas gönnen: Einen Hamburger High Tea unter anderen mit hanseatischen Spezialitäten wie Matjessalat mit Rote Bete und Hamburger Rote Grütze zum Beispiel, oder ein Glas Champagner zum Sonnenuntergang. Auch unser After-Work-Event einmal im Monat zielt auf die Hamburger ab. Mein Ziel ist es, dass die Hamburger unser Haus in ihr Herz schließen. Das schaffen wir natürlich nur, indem wir exzellente Gastgeber sind.

Hamburg News: Das aber gelingt nur mit engagierten Mitarbeitern und die sind angesichts des gerade in Hotellerie und Gastronomie weit verbreiteten Fachkräftemangels, schwierig zu gewinnen.

Madeleine Marx: Das ist richtig. Aber es liegt an uns, die Vorteile unseres Berufs noch besser zu transportieren. Wir bieten exzellente Karrieremöglichkeiten auch ohne Studium. Vom Azubi zum Hoteldirektor – dafür gibt es viele Beispiele. Und gerade für Frauen stehen die Chancen sehr gut – ich bin der lebende Beweis. Im kommenden Jahr planen wir als Branche einen hamburgweiten Tag, der die Vielzahl der verschiedenen Berufe, die ein Hotel neben Empfang und Restaurant zu bieten hat, erlebbar machen wird. Unter dem Motto 'Von Herzen Gastgeber’ – so der aktuelle Arbeitstitel – möchten wir den Hamburgern Gelegenheit geben, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und dabei gleich etwaige Hemmschwellen abzubauen. Bei uns ist jeder willkommen, das weiß nur noch nicht jeder.

Das Interview führte Yvonne Scheller.

Quelle und weitere Informationen:
www.marriott.com/hotels/travel/hamwi-the-westin-hamburg

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