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Die VcA-Gründer Benjamin Adrion (l.) und Michael Fritz (r.) - © Buenning/Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.

Viva con Agua - die All-Profit-Organisation

Die Hamburg News sprachen mit Michael Fritz, einem der Gründungsmitglieder, über das VcA-Lebensgefühl, Kernkompetenzen und Social Business Modelle

Die Zahlen sind alarmierend: laut Weltgesundheitsorganisation haben mehr als 2,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer Sanitärversorgung – weltweit. Über 800 Millionen Menschen mangelt es einer sicheren Trinkwasserversorgung. Aus diesem Grund hat es sich die Non-Profit-Organisation Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. (VcA) zum Ziel gesetzt, hierzulande auf die globalen WASH-Themen (Water, Sanitation und Hygiene) aufmerksam zu machen und zugleich Spenden für Projekte von Partnern, wie der Welthungerhilfe, in Uganda, Äthiopien, Kenia, Nepal und Ruanda zu sammeln. Zusammen mit mehr als 10.000 ehrenamtlichen Supportern verfolgt der gemeinnützige Verein ein Credo: Alle für Wasser! Wasser für alle! Die Hamburg News sprachen mit Michael Fritz, einem der Gründungsmitglieder, über das VcA-Lebensgefühl, Kernkompetenzen und Social Business Modelle.

Mehr als 10.000 ehrenamtliche Supporter in über 50 deutschen Städten

“Im Kern sind wir ein Family Business, und nicht nur irgendein Verein. Wir Gründer kennen uns seit über 20 Jahren”, erzählt Michael Fritz. Die Idee entstand 2005, als Benjamin Adrion, ehemaliger Mittelfeldspieler des FC St. Pauli und VcA-Initiator, mit seinem Fußballverein als erste westliche Profimannschaft nach Kuba reiste und dort das Trainingslager aufschlug. Als Adrion in die Hansestadt zurückkehrte, hatte er sich folgende Idee in den Kopf gesetzt: 50.000 € für Wasserprojekte in Kuba sammeln. Mit kleinen Aktionen und engagierten Fans gelang es tatsächlich, das Spendenziel zu erreichen und das Geld wurde an die Welthungerhilfe, der einzigen auf Kuba aktiven deutschen NGO, überwiesen.

Dies war der Startschuss für den Verein Viva con Agua – und die Kooperation mit der Welthungerhilfe vor Ort. Heute setzen sich über 10.000 ehrenamtliche Supporter in über 50 Städten in Deutschland für sauberes Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung in Uganda, Äthiopien, Kenia, Nepal und Ruanda ein. Darüber hinaus gibt es internationale Netzwerke in der Schweiz, in Österreich, in den Niederlanden und seit 2015 in Uganda.

Organigramm

All-Profit-Organisation trifft dezentrales Netzwerk lokaler Crews

Dabei ist VcA weitaus mehr als eine Wasserinitiative für den guten Zweck. Mit vielfältigen und kreativen Aktionen ist der Verein Kult und Lebensgefühl zugleich. Denn im Mittelpunkt steht vor allem eines: der Spaß an der Sache. So bezeichnet sich Viva con Agua als “erste All-Profit-Organisation der Welt”. Der 34-jährige Michael Fritz führt aus: “Jeder, der bei Viva con Agua mitmacht, soll davon profitieren. Einerseits natürlich die Menschen in unseren Projektgebieten, die den Zugang zu sauberem Trinkwasser und einer menschenwürdigen sanitären Versorgung bekommen. Und andererseits die Menschen in Deutschland und in unseren internationalen Netzwerken, die sich engagieren, dabei Spaß haben sollen, etwas Neues lernen dürfen und ihre Talente entfalten können.” Dabei kommt dem Standort des VcA-Headquarters eine besondere Rolle zu: “Ohne St. Pauli ist kein Viva con Agua denkbar. Die spezielle Verbindung aus Kultur, Musik, Kunst, Sport, Politik und sozialem Engagement habe ich so nur in diesem Stadtteil und in diesem Verein erlebt”, erläutert Fritz, der selbst auf St. Pauli lebt.

Universelle Sprachen und starker Partner

Bei allem Engagement ist die Welthungerhilfe stets ein wichtiger Kooperationspartner. So unterstützt das deutsche VcA-Netzwerk die Wasser- und Sanitärprojekte der NGO in den Projektländern und aktiviert die Zivilgesellschaft, insbesondere junge Menschen, für soziales Engagement. Zusammen mit der Welthungerhilfe wird entschieden, wohin die Spenden fließen und wie die Projekte aussehen sollen. Dabei ist es für Viva con Agua wichtig, sich auf seine Kernkompetenz zu besinnen. Der Bau von Brunnen oder die Errichtung sanitärer Anlagen wird von der Welthungerhilfe mit Experten, die in dem jeweiligen Land geboren und geschult sind, professionell umgesetzt. Mitgründer Fritz ergänzt: “Vor Ort nutzen wir universelle Sprachen, wie Kunst, Musik und Sport, um Menschen für die WASH-Thematik zu sensibilisieren. Darüber hinaus finden viele Workshops rund um die Themen statt. Die Sensibilisierung ist eine Art Kulturprozess, der noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.”

Drei Social Business Modelle

Zusammen mit der Viva con Agua Stiftung betreibt der gemeinnützige Verein verschiedene Social Business Modelle, um die Vision zu verbreiten:

Viva con Agua Mineralwasser (Viva con Agua Wasser GmbH)
Ob laut (Sprudel), kleinlaut (medium) oder leise (ohne Kohlensäure): Das VcA Mineralwasser ist aus der Hamburger Gastro-Szene und dem hanseatischen Einzelhandel kaum noch wegzudenken, mittlerweile wird es sogar deutschlandweit vertrieben. Allein 2017 wurden über 18 Millionen Flaschen verkauft. Die liquiden Flyer, die auf das Anliegen von Viva con Agua aufmerksam machen, werden von wichtigen Partnern unterstützt, so findet man die Getränke z. B. im Rathaus oder am Hamburger Flughafen. 60 % der Gewinne aus dem Wasserverkauf fließen wiederum in soziale Wasser- und Sanitärprojekte des Vereins sowie in die internationalen Aktivitäten der VcA Stiftung. www.vivaconagua.org/mineralwasser

Millerntor Gallery (Viva con Agua Arts gGmbH)
Fünf Tage im Jahr verwandelt sich das Millerntor-Stadion auf St. Pauli in ein großes Festival. So wird die Geburtsstätte von Viva con Agua zu einem Ort für kreatives Engagement mit den universellen Sprachen Kunst, Musik und Kultur. Die Gewinne des Kunstverkaufs kommen entweder dem Künstler (30 %) und Viva con Agua e. V. (70 %) zugute – oder fließen komplett zu 100 % in die gemeinnützige Arbeit von VcA. Die Entscheidung bleibt dem Künstler überlassen. www.millerntorgallery.org

Goldeimer Komposttoiletten und Toilettenpapier (Goldeimer gGmbH)
Die Goldeimer gGmbH ist seit 2013 Anbieter mobiler Kompost-Örtchen, die sich vor allem auf Festivals und anderen Großevents, wie auf dem Kirchentag, bewährt haben. Seit Frühjahr 2016 gehört sogar das weltweit erste “soziale Klopapier” zum Social Business Modell. Das Recycling-Papier mit maritimen Motiven des Hamburger Künstlers Rebelzer soll die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass weltweit 2,3 Milliarden Menschen noch keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben. Aktuell fließen 20 Cent pro verkaufter Packung in den Bau öffentlicher Toiletten in Äthiopien. www.goldeimer.de

In gelassener St.Pauli-Manier wirft Michael Fritz einen Ausblick auf 2018: “Wir wollen uns gesund und smooth von Tag zu Tag, Schritt für Schritt, weiterentwickeln. Dabei fokussieren wir uns auf das Potenzial und versuchen immer im Flow zu bleiben.”
sb/kk

Quellen und weitere Informationen
www.vivaconagua.org
www.welthungerhilfe.de
www.rebelzer.com

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