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Good-School-Gründerin Simone Ashoff - © Julia Grudda

Simone Ashoff: Unternehmen brauchen keinen CDO

Man braucht nur eine "Bande relevanter Player", meint die Leiterin der Hamburger Digitalisierungsschmiede Good School

Viel beschworener Hoffnungsträger im Kontext der Digitalisierung ist der Chief Digital Officer (CDO). Fast jeder sucht ihn, kaum einer findet ihn. „Dabei braucht es gar keinen CDO“, sagt die Good-School-Gründerin Simone Ashoff.

Hamburg News: Liebe Simone, du rätst Unternehmen, nicht extern mit teuren Headhuntern nach teuren CDOs zu suchen, sondern intern in die digitale Bildung der eigenen Mitarbeiter zu investieren. Wieso bist du der Meinung, CDO’s sind überflüssig?

Simone Ashoff: Ein CDO und überhaupt eine einzelne Person kann ein Unternehmen nicht transformieren. Es braucht eine richtige Führungs-Bande – vom CEO bis zum HR-, IT- und Marketingchef –, die die Digitalisierung des Unternehmens vorantreibt. Klar, kann da noch jemand bei sein, der das Ganze koordiniert, Abstimmungsprozesse organisiert etc. Das ist aber eher ein “DTF”, ein “Digital Transformation Facilitator”.

Was ich damit sagen will: es gibt viele Wege, die digitale Transformation voranzutreiben. Einen CDO einzusetzen ist nur einer davon. Das Budget für Hiring, Onboarding und Gehalt beläuft sich im ersten Jahr sicher auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Was hat man davon? Jemanden, der sich digital in höchstem Maße engagiert, und einen Rest, der Business-as-usual macht, weil da ja nun jemand ist, der sich um die Transformation kümmert. Zwei Kulturen, die sich gegenseitig mehr er- als vertragen. Von denen die eine (neue, digitale) die andere (alte, tradierte) jetzt “mitnehmen” muss, aber natürlich gar nicht ohne weiteres kann.

Hamburg News: Wie sieht die Lösung deiner Meinung nach aus?

Simone Ashoff: Wir glauben, es gibt einen besseren Weg zu transformieren. Keinen schnelleren, keinen günstigeren, aber einen deutlich effektiveren. Nämlich den, die eigene Führungsmannschaft zu befähigen, digital zu denken und zu handeln.

Hamburg News: Und wie bekommen Unternehmen das am besten hin?

Simone Ashoff: Indem sie aus ihren Unternehmen lernende Organisationen machen. In dem sie die Arbeitsumgebung neu als Lernumgebung denken. Lernprogramme entwickeln, die Hand in Hand mit Arbeitsprojekten gehen. Ein externes und internes Netzwerk von Experten fürs Schulen und Mitarbeiten aufbauen. Indem sie Strukturen aufbauen, die das Lernen verstetigen und nicht seminar- oder konferenzartig zum außerordentlichen Event machen. Indem sie lernen zu lernen.

Hamburg News: Es gibt aber auch schon diverse Werkstätten, Labs und andere mehrmonatige Formate, wo Führungskräfte in einem Digital-Biotop mit hochbezahlten Referenten und Transformations-Experten in trendigen Open Spaces zusammengesteckt werden. Ist das denn die Lösung?

Simone Ashoff: Finde ich nicht schlecht. Ist aber nur ein Teil der Lösung. Das Problem an jedem Lernformat ist, dass es, wenn es eine Insellösung ist, ein Inselerlebnis bleibt und kaum was ändert. Wenn das, was da im fancy Digital-Labor ausprobiert und gelernt wurde, auch gedeihen und fruchten soll, muss Strukturarbeit im Unternehmen gemacht werden. Dabei ist aus meiner Sicht wichtig, dass die Arbeitsumgebung der Führungskraft “umformatiert” wird zu einer hochproduktiven Lernumgebung. Corporate Learning muss zum Business-Alltag werden.

Hamburg News: Aber ein CDO kann das doch gut vorantreiben

Simone Ashoff: Man sollte seine Rolle klar definieren. Mit einem CDO werden sehr viele Aufgaben assoziiert: Learning, Kultur, Business Innovation, New Work, Digitalisierung der Geschäftsprozesse, Koordination aller Digitalisierungsprojekte, Corporate Venturing, mit neuesten Technologien experimentieren und bestimmt noch x weitere. Wir haben den Eindruck, dass mit der CDO-Rolle gerade eine Allheilmittel für die digitale Transformation erfunden wurde, die den Rest der Führgsmannschaft inklusive CEO aus der Verantwortung nimmt.

Hamburg News: An der Good School bietet Ihr im Rahmen des Digital Transformation Club ein Lernmodul an, das sich „New Tech“ nennt: Mit welchen technologischen Disruptionen muss ich als Nächstes rechnen? Wie geht IT-Transformation? Da braucht es doch technisches Knowhow und also doch wieder einen CDO?

Simone Ashoff: Genau andersherum. Da braucht es nicht das technische Know-how, da bekommt man das technische Know-how, das alle Führungskräfte im Unternehmen brauchen, die die digitale Transformation verantworten. Und das sind die HR-, Strategie-, Marketing- und IT-Chefs. Die müssen das machen. Das nimmt ihnen keiner ab.

Hamburg News: Liebe Simone, vielen Dank für das spannende Gespräch
kk

Interview: Karolin Köcher

Weitere Informationen:
http://www.good-school.de

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