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Digital statt analog: die NautilusLog-App - © NautilusLog GmbH

NautilusLog digitalisiert das Logbuch

Startup-Mitgründer Otto Klemke im Interview mit den Hamburg News

Bis heute sind handschriftlich geführte Logbücher aus der Schifffahrt nicht wegzudenken. In ihnen verewigt der Kapitän regelmäßig wichtige Daten, wie den aktuellen Kurs, die Fahrtgeschwindigkeit, Wetterveränderungen sowie tägliche Ereignisse. Nun hat es sich das Hamburger Startup NautilusLog zur Aufgabe gemacht, das Logbuch zu digitalisieren – mithilfe einer App. Diese sammelt u. a. über das GPS-System des eingesetzten Smartphones alle für das Logbuch relevanten Daten. Diese werden automatisch mit der NautilusLog-Cloud über das Bord- oder Mobilfunknetzwerk synchronisiert.

NautilusLog ist ein junges Familienunternehmen, das aus einem vierköpfigen Gründerteam besteht. Dazu gehören der Informatiker Otto Klemke, sein Bruder Moritz, seines Zeichens Schiffbauingenieur, ihr Vater und Physiker Ingo Klemke und der Informatiker Sven Hamer. Otto und Sven gründeten bereits 2012 das Unternehmen Securizon und entwickeln Apps für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. So stammt mitunter die Tinnitracks-App aus ihrer Software-Schmiede. Vor zweieinhalb Jahren tauschten sich Otto und Moritz über ihre Arbeit aus. Ein Gespräch, das alles verändern sollte. Hamburg News sprach mit NautilusLog-Mitgründer Otto Klemke über die bislang wenig digitalisierte Schifffahrt, den Showdown beim Startups@Reeperbahn Pitch und über Hamburg als Tor zur Welt.

Hamburg News: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, NautilusLog zu gründen?

Otto: Mein Bruder Moritz und ich haben uns vor ungefähr zweieinhalb Jahren über unsere Jobs ausgetauscht. Moritz hat damals als Besichtiger in Shanghai gearbeitet. Ich konnte gar nicht glauben, was er mir von seinem Job berichtet hat: Vieles passiert immer noch auf Papier und muss an Land umständlich per E-Mail und Excel übertragen werden. Sven und ich haben gemerkt, dass die Schifffahrt der Digitalisierung um Jahrzehnte hinterher hängt und beschlossen, unsere Kompetenzen zu bündeln, um gemeinsam mit Ingo eine App für die maritime Branche zu entwickeln.

Ursprünglich wollten wir nur eine Lösung für „Monitoring, Reporting and Verification“ umsetzen. Dabei geht es darum, Emissionen von Schiffen automatisch per Smartphone zu ermitteln. Dies haben wir Anfang 2017 erfolgreich am Bord getestet. Das damalige Feedback war sehr positiv und aus dem Markt heraus entstand der Wunsch nach einem digitalen Logbuch, dass wir nun als NautilusLog umsetzen.

Die NautilusLog-Gründer
Die NautilusLog-Gründer

Hamburg News: Was wollt ihr mit eurem Startup erreichen?

Otto: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Schifffahrt einfacher und sicherer zu machen. Dabei wollen wir das Schiff mit dem Land und seinen maritimen Partnern verbinden, damit Schiffe, Besatzung und Management smarter werden. Im Rahmen dessen möchten wir neue Regularien und Standards mitgestalten sowie definieren. Dabei sind uns auch Umweltthemen wichtig, die wir z. B. durch Anwendungen wie „Inventory of Hazardous Materials“ (IHM) unterstützen wollen.

Hamburg News: Ihr steht im Finale des Startups@Reeperbahn Pitch. Wie fühlt sich das an?

Otto: Das lässt sich gar nicht so richtig in Worte fassen. Wir freuen uns riesig darüber, dass wir dabei sein können! Als Hamburger Jungs mit einem maritimen Startup auf der Reeperbahn präsentieren zu dürfen ist ein großartiges Gefühl.

Hamburg News: Wenn ihr gewinnen solltet – Was erwartet ihr euch von der South by Southwest 2019?

Otto: Die Schifffahrt ist eine internationale Branche, zu der es überall Bezugspunkte gibt. Neben der Digitalisierung und technischen Innovationen reden wir auch über Emissionen und die Umwelt. Wir möchten gerne die führende Digitalkonferenz in Texas nutzen, um uns mit Gleichgesinnten auszutauschen und unser internationales Netzwerk zu vertiefen.

Hamburg News: Wie wichtig ist Hamburg als Heimathafen für euch?

Otto: Hamburg ist für uns ein großartiger maritimer Standort, der den Hafen im Herzen trägt. Er bringt uns einen direkten Zugang zu Reedern, Flaggenstaaten und vielen weiteren mit der Schifffahrt in Verbindung stehenden Dienstleistern. Die Wege zu unseren Kunden und Partnern sind damit fußläufig. Das macht einen Austausch sehr einfach und unkompliziert. Die Nähe zum Hafen bietet zudem einen direkten Zugang zu Schiffen. Dies ist wichtig, da wir das Schiff und seine Besatzung in den Mittelpunkt unserer App stellen. Wir denken, als “Tor zur Welt” kann Hamburg mit seinen maritimen Akteuren maßgeblich die Digitalisierung der Schifffahrt mitgestalten. Einrichtungen wie der Digital Hub Logistics Hamburg und das Maritime Cluster verbinden und bringen zusammen, was zusammengehört. Zudem schätzen wir sehr, dass wir von InnoRampUp, dem Förderprogramm der IFB Innovationsstarter GmbH und von der BWVI gefördert werden.

Hamburg News: Wo kommt eure App bereits zum Einsatz?

Otto: Bei verschiedenen Partnern und Kunden ist NautilusLog im Test, z. B. im Hafen und auf verschiedenen Containerschiffen in der Ostsee sowie im Mittelmeer. Wir entwickeln die Anwendung permanent weiter und probieren neue Sachen direkt während der Fahrt aus. Bei unserer neuesten Anwendung, der Gefahrenstoffinventur, verwenden externe Besichtiger unsere App. Dies passiert auch schon mal in Gibraltar und der Karibik.

Hamburg News: Was plant ihr für die Zukunft?

Otto: Wir möchten das digitale Logbuch weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, die Bücher, die mehrfach an Bord vorkommen, durch unsere App abzulösen. Wir wollen die maritime Branche digitalisieren und zwar gemeinsam mit seinen Akteuren. Deshalb werden wir die NautilusLog-App Schritt für Schritt weiterentwickeln und um neue Anwendungen ergänzen. Auch der Austausch mit Häfen, vorhandenen Systemen und Sensoren wird eine Rolle spielen.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Sarah Bischoff

Am 19. September 2018 präsentiert sich NautilusLog im Finale des Startups@Reeperbahn Pitch und wird gegen Cargonexx aus Hamburg, Coldplamatech (Greifswald), getINNOtized (München) sowie dem Berliner Startup Leapsome antreten, um sich ein 150.000 Euro Media-Budget der WELT sowie ein Ticket für das South by Southwest Festival in Texas zu sichern.

Quelle und weitere Informationen
www.nautiluslog.com
www.hamburg-startups.net

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