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Das Myprintoo-Team aus Hamburg mit Gründer und Geschäftsführer Kevin Neugebauer (vorne rechts) © Myprintoo GmbH

Myprintoo: 3D-Druck made in Hamburg

Das Hamburger Startup von Kevin Neugebauer versteht sich als Systemanbieter für additive Fertigung. Im Interview spricht er über sein Geschäftsmodell

Bereits jedes vierte Industrie-Unternehmen setzt auf additive Verfahren und Technologien, so eine deutschlandweite Bitkom-Studie. Der Branche wird sogar ein jährliches Wachstum zwischen 13 bis 23 Prozent vorausgesagt. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem große Unternehmen aus der Luftfahrt oder der Automobilbranche. Doch auch Unternehmen aus dem Mittelstand entdecken zunehmend das Thema 3D-Druck für sich. Für diese Zielgruppe sind häufig noch gewisse Herausforderungen zu bewältigen, wie die Identifizierung von geeigneten Anwendungsfällen, der Aufbau von Fachwissen bis zum Umdenken bei der Bauteilkonstruktion.

Das 2015 gegründete Hamburger Startup Myprintoo hat diese Lücke erkannt und daraus ein Geschäftsmodell entwickelt: Es versteht sich als Systemanbieter und Wegbereiter für junge Startups – im Bereich der 3D-Drucktechnologie. Wir sprachen mit dem Gründer und Geschäftsführer Kevin Neugebauer über innovative Trends im 3D-Druck, spannende Projekte und Zukunftspläne.

Hamburg News: Wie bist du zum Thema 3D-Druck gekommen?

Kevin Neugebauer: Bevor wir die Myprintoo GmbH ins Leben riefen, habe ich im Innovationsmanagement gearbeitet. 2015 startete ich mit Daniela Naumann, Mitgründerin und Architektin, Myprintoo mit der Ausrichtung als lokaler Dienstleister und Ansprechpartner für 3D-Druckdienstleistungen. Zu unseren ersten Kunden gehörten lokale Architekturbüros, die Hamburger Bücherhallen, der Mercedes Me Store und regionale KMUs. 2016 launchten wir dann unseren Onlineshop, das 3D-Druckkaufhaus und bieten seitdem 3D-Drucktechnologie und Zubehör an. Mittlerweile sind exklusive Vertriebsverträge für 3D-Drucker für mehrere Länder hinzugekommen, sodass sich die Myprintoo immer weiter zum Systemanbieter wandelt.

Hamburg News: Worin besteht eurer Geschäftsmodell?

Kevin: Wir sind kein klassischer Onlinehändler, sondern bieten unseren Kunden einen umfangreichen Mehrwert an. Dafür beraten und betreuen wir sie entlang der kompletten Prozesskette. Dies bedeutet, dass wir für potenzielle Kunden prüfen, wie ihre Anwendung mit der passenden 3D-Drucklösung umsetzbar wird. Dabei fertigen wir Musterteile für Interessenten, diskutieren Produktänderungen bei Bedarf und liefern passende Technologielösungen. Im Anschluss bieten wir neben dem Verkauf und der Installation auch weitere Leistungen wie Wartungen und die Versorgung mit Ersatzteilen an. Aktuell unterstützen uns bei Myprintoo bis zu sieben interne bzw. externe Mitarbeiter.

Hamburg News: Aus welchen Bereichen kommen eure Kunden?

Kevin: Ob Aerospace, Automotive, Zughersteller, Gesundheitswesen, Universitäten oder Institute, wir sind thematisch aufgestellt und arbeiten je nach Produkt in den Benelux-Ländern und in der DACH-Region. Natürlich zählen auch Hamburger Kunden dazu. So gab es schon gemeinsame Projekte mit dem Intralogistikkonzern Jungheinrich oder DESY (Deutsches-Elektronen-Synchrotron). Aber auch mit Kunden wie Hermes, der Hamburger Schiffbau-Versuchsanstalt, der HafenCity Universität (HCU) oder dem Deutschen Wetterdienst haben wir bereits Projekte durchgeführt.

Hamburg News: Kannst du uns ein besonders spannendes 3D-Druck-Projekt nennen?

Kevin: Vor einiger Zeit haben wir sehr eng mit der HafenCity Universität (HCU) zusammengearbeitet, die sich den Studienbereichen Architektur, Städtebau, Visualisierung und Urban Design verschrieben hat. Besonders beeindruckte mich dort der Werkstattleiter, der versucht, den Studenten das Thema 3D-Druck mit viel Energie und Euphorie näherzubringen. An der HCU gibt es mittlerweile ein großes Lab, das sich der additiven Fertigung widmet. Auch Auftragnehmer aus dem Gesundheitswesen sind immer wieder spannend. So lassen sich heutzutage bereits Gewebestrukturen oder OP-Modelle drucken, um an einem haptischen Modell den operativen Eingriff besser zu planen.

Hamburg News: Wohin geht der Trend bei der 3D-Drucktechnologie?

Kevin: Jedes 3D-Druckverfahren hat das Potenzial konventionelle Lösungen sehr gut zu ergänzen. Dieses Potenzial sehen wir vor allem in den Bereichen 3D-Metalldruck oder auch dem 3D-Druck mit Compositmaterialien wie Carbonfaser. Außerdem sehen wir einen starken Trend bei der Vernetzung von konventionellen und neuen Technologien in der Automatisierung, wie die Verwendung von 3D-Druck-Robotern zur Herstellung von Produkten mit verbesserten Eigenschaften oder die Überlegungen, automatisierte Fertigungsanlagen zu installieren, die eine schnellere Bauteilverfügbarkeit versprechen. Dabei bringen die neuen Ansätze auch große Veränderungen für die Betriebsabläufe mit sich, da viele Freigabe- und Beurteilungsprozesse von den konventionellen Verfahren abgeleitet werden – dies gilt vom Arbeitsschutz bis hin zur speziellen Bauteilkonstruktion für den 3D-Druck.

Hamburg News: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Kevin: An der Basis für unsere Zukunft arbeiten wir schon seit Sommer 2018. Wir haben junge, vielversprechende Unternehmen, wie Xact Metal aus der USA und Anisoprint aus Russland, ins Programm genommen und unterstützen sie beim Markteintritt und der Markenentwicklung in Europa. Das gibt uns ein Alleinstellungsmerkmal und unsere Partner profitieren von unserem Netzwerk. Neben unserem Kerngeschäft wollen wir unsere Aktivitäten in der Marktrecherche und den Ausbau möglicher Partnerschaften vorantreiben. Ein weiteres Thema wird die Entwicklung einer kompletten Produkt- und Dienstleistungsprozesskette sein – gewissermaßen von der richtigen Technologielösung über die richtige Schulung bis zum Arbeitsraum mit allen Arbeitsstätten- und Sicherheitsrichtlinien. Um das zu bewältigen, planen wir unser Team in den nächsten 24 Monaten deutlich auszubauen.

Das Gespräch führte Sarah Bischoff.

Quelle und weitere Informationen
www.myprintoo.com
www.3druckkaufhaus.de
www.3d-druckhamburg.de

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