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Metronus: In der virtuellen Welt gesund werden - © Metronus

Metronus: In der virtuellen Welt gesund werden

Indem Trainer und Patient zu Avataren werden, wird professionelle orthopädische Reha ortsunabhängig und zeitlich unbegrenzt möglich

Superkräfte wären bei langwierigen und mühseligen Rehabilitationsmaßnahmen ideal. Vielleicht ist das der Grund, warum Patienten, die mit dem Reha-Programm von Metronus im virtuellen Umfeld trainieren, so gern Supermann als Avatar wählen. Das 2017 gestartete Hamburger Startup setzt auf Virtual und Augmented Reality (VR: digital gestaltete Umgebung, AR: computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung), um nach orthopädischen Verletzungen professionell begleitete Reha-Maßnahmen ortsunabhängig und zeitlich unbegrenzt für Jedermann zu gewährleisten.

Reales Training unter virtueller Anleitung

Beispiel Kreuzbandriss: „Bis zur vollständigen Wiederherstellung dauert es im Durchschnitt 7,3 Monate, doch für so einen langen Zeitraum zahlen Krankenkassen nicht“, weiß Dr. Taher Pham, Arzt und Mitgründer von Metronus – und das aus eigener Erfahrung. Beim Triathlon-Training riss ihm das Kreuzband. Fünf Wochen übernahm seine Krankenkasse das Training mit Physiotherapeuten in der Reha-Phase. Danach war er auf sich allein gestellt. Als Mediziner wusste er, wie er eigenständig zu trainieren hatte. „Doch die Angst ohne professionelle Anleitung falsch zu trainieren und statt die Genesung voranzutreiben, alles zu verschlimmern, ist für viele Patienten ein echtes Problem“, erklärt Pham.

Bei der Wahl des Avatars sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt

Um nun ein Reha-Training in einem medizinisch sicheren Rahmen zu ermöglichen, entwickelte Pham zusammen mit PD Dr. Götz Welsch, Chefarzt Sportmedizin UKE und Mannschaftsarzt des HSV, ein attraktives virtuelles Umfeld, das durch spielerische Elemente – Stichwort Gamification – die Trainings-Motivation steigert. „Verschiedene 3D-Umgebungen stehen zur Auswahl, ob Dojo, Tennis- oder Fußballfeld, und der Patient kann dabei in jede gewünschte Rolle schlüpfen: Neymar, Angelique Kerber – oder eben Supermann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, betont Markus Käding, der im fünfköpfigen Metronus-Team für das operative Geschäft und Marketing zuständig ist.

Der Trainer-Avatar stellt, je nach Stand der Rekonvaleszenz, die passenden Aufgaben, per Kameratracking wird die richtige Ausführung überwacht und somit ein sicheres Training gewährleistet. Und: „Die Trainings-Fortschritte werden digital erfasst und anschaulich visuell präsentiert“, erklärt Käding. „So weiß der Patient, wo er steht und wozu er trainiert. Er weiß, wenn ich so weitermache, bin ich in vier Wochen an Punkt X.“

Lösung für den Fachkräftemangel

Metronus löst zudem ein strukturelles Problem. Durch den Fachkräftemangel fehlen vor allem in suburbanen Regionen häufig Physiotherapeuten, die demografische Situation verschärft diese Entwicklung. „Wir bieten eine nachhaltige Lösung“, sagt Pham, der auch die finanziellen Einsparmöglichkeiten betont. „Die medizinischen Reha-Kosten in Deutschland betragen aktuell 4 Milliarden Euro im Jahr, allein die Kosten für Kreuzbandrehabilitation werden mit 480 Millionen Euro im Jahr angesetzt.“ Metronus könne helfen, diese Kosten zu senken und die Versorgung zu verbessern, ist der Gründer überzeugt.

Metronus

Menschen helfen und Gutes tun

Der Prototyp des Metronus-Reha-Programms wird 2019 im Rahmen einer klinischen Studie – das Programm wird als Medizinprodukt zertifiziert – im UKE getestet. Neben Dr. Welsch konnte Metronus weitere namhafte Partner und Unterstützer gewinnen: Professor Frank Steinicke von der Uni Hamburg, Prof. Dr.-Ing. Boris Tolg von der HAW Hamburg, Peter Jaeger, früher Microsoft, heute Gründer von AIgility und Mit-Gründer von Ha²lo, sowie Oliver Rößling, CDO bei Absolute Software, wo das virtuelle Umfeld von Metronus programmiert wird. Durch das von Rößling initiierte Veranstaltungsformat 12min.me fanden zudem Pham und Käding zusammen. Sie eint der Wunsch „Menschen zu helfen und Gutes zu tun“, sagt Käding.

Weitere wertvolle Kontakte hofft Metronus im HIP (Health Innovation Port) auf dem Philips Campus in Hamburg-Fuhlsbüttel zu knüpfen. Das 2017 eröffnete „Collaboration Space“ bringt Startups aus dem Gesundheitsbereich und etablierte Akteure der Gesundheitswirtschaft zusammen. Aktuell bewirbt sich Metronus für ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und für nächstes Jahr plant das Startup eine erste Investorenrunde zur Seed-Finanzierung.
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.metronus.io

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