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CIMON plaudert mit Astronaut Alexander Gerst © DLR

Leiter der IBM Watson Group: KI ist ein weltweiter Supertrend

Kognitive Systeme wie ‚Watson' von IBM entwickeln sich rasant weiter. Was der Leiter der KI-Abteilung von IBM in Hamburg derzeit plant. Teil 9 unserer KI-Serie

„Ich bin ganz entschieden begeistert von KI!“, erklärt Dr. Wolfgang Hildesheim auf einer Veranstaltung in der Evangelischen Akademie der Nordkirche in Hamburg zum Thema ‚Kollege Roboter’. Das von dem Leiter der KI-Abteilung von IBM zu hören, ist zwar nicht weiter überraschend. Doch der Elementarteilchenphysiker hat auch gute Argumente: Aktuell sind vor allem China und USA die Treiber der Zukunftstechnologie. Würde sich Deutschland an die Spitze der Entwicklung stellen – gemäß der KI-Strategie der Bundesregierung – „behalten wir die Kontrolle, schaffen gut bezahlte Arbeitsplätze, steigern unsere Effektivität und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit“, erläutert er. Hildesheim ist der Leiter der IBM Watson Group in Deutschland, Österreich und der Schweiz und arbeitet mit seinem Watson-Team vom Hamburg aus.

Ganz zu schweigen davon, dass KI das Zusammenleben der Menschen in quasi allen Bereichen deutlich verbessern könne. Das von IBM entwickelte kognitive System Watson biete dafür vielfältige Beispiele. Lesen Sie Teil 9 unserer SERIE über Künstliche Intelligenz.

Chatbots in Autos mit Augmented-Reality-Funktionen

So kann Watson etwa Text-, Bild- und Audioquellen in großer Geschwindigkeit analysieren und die Ergebnisse dem Menschen zur Verfügung stellen. „Wer liest schon gern Betriebsanleitungen von Autos?“, fragt Hildesheim. Ein gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelter Chatbot erlaubt zudem Augmented-Reality-Funktionen: Einfach das Smartphone auf den Tempomat richten, schon erläutert die KI die Funktionsweise. Auch Versicherungen und Banken nutzen gern die zunehmend professioneller werdenden Chatbots als virtuelle Agenten. Dazu wird mit Avataren experimentiert, sodass Kunden ihre Geldanlagestrategien Face-to-Face mit dem Bankdirektor diskutieren können. „Daraus wiederum ergeben sich zahlreiche neue Berufsbilder“, betont Hildesheim – vom Avatar- oder Augmented-Reality-Designer über den Deep Learning Specialisten bis zum Roboter-Engineer oder KI-Trainer.

Watson reist ins All

Tatsächlich sind der KI buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Auch das bewies Watson, als Cimon, der weltweit erste fliegende und autonom agierende Astronauten-Assistent, im Columbus-Modul der ISS in Betrieb genommen wurde. Auf die Aufforderung seiner KI-Väter hin schlug der medizinballgroße Technologie-Demonstrator am 15. November 2018 die Augen auf und sagte: „Hello! I’m your Space Companion. My mission is to support you.“ Cimon (Crew Interactive Mobile companiON) kann sehen, hören, verstehen und sprechen. Alles auf Basis des spezifischen Fachwissens, das nötig ist, um den Astronauten bei ihren wissenschaftlichen Experimenten zu assistieren. Cimon wurde im Auftrag der Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, von Airbus in Friedrichshafen und Bremen entwickelt und gebaut, und nutzt die Künstliche Intelligenz der IBM-Watson-Technologie.

Keine Super-KI in Sicht

Während Hildesheim von der rasanten technologischen Entwicklung begeistert ist, bedauert er die vielfach noch skeptische Haltung in der Bevölkerung: „Risiken werden aktuell überschätzt, Chancen unterschätzt.“ Die Angst vor einer Super-KI, die zum Weltbeherrscher aufsteigen könnte, hält er für unbegründet. „Was wir heute sehen, ist sogenannte ‘schwache KI’. Kognitive Systeme, die auf die Erfüllung klar definierter Aufgaben ausgerichtet sind. Nicht mehr und nicht weniger. Aber sie sind in der gesamten Bandbreite unserer Wirtschaft einsetzbar und können den Menschen maßgeblich unterstützen“, so der Experte auf der Veranstaltung im April. KI ist ein weltweiter Supertrend und das wird er auch bleiben, ist der Experte überzeugt. „Alle wichtigen Innovationen basieren auf KI oder nutzen sie. Also müssen wir in diesem Bereich mehr investieren.“ IBM mache das bereits. Rund ein Drittel der Forschungsaktivitäten des Digitalunternehmens konzentriert sich mittlerweile auf die Weiterentwicklung von Watson.

Gemeinsam AI@Hamburg etablieren

Hildesheim hofft, in Hamburg ein ‘KI-Ökosystem’ etablieren zu können. Erste Gespräche mit dem Senat habe es Anfang des Jahres gegeben. „Entscheidend dazu ist, dass wesentliche Organisationen der Stadt zusammenarbeiten“, erklärt er und meint damit einen ganz umfassenden Ansatz: Von Schulen und Universitäten über Politik und Verwaltung bis hin zur Wirtschaft, die sowohl die etablierten Unternehmen als auch die rege Startup-Szene mit ihren engagierten Young Digitals umfassen sollten. Solche gemeinsamen Anstrengungen ließen sich dann wunderbar bündeln – unter dem Motto: AI@Hamburg.
ys/sb/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.ibm.com/watson
www.dlr.de

Lesen Sie auch die übrigen Teile unserer KI-Serie:
Teil 1: Künstliche Intelligenz: Revolution oder Hype?
Teil 2: jung diagnostics: Algorithmen zur MRT-Bildanalyse
Teil 3: Kollege Roboter – bald schon beliebtes Teammitglied?
Teil 4: Künstliche Intelligenz: Der mit dem Auto spricht
Teil 5: Humanoide Robotik: Schritt für Schritt zur Normalität
Teil 6: Wann erobern Roboterautos Hamburgs Straßen?
Teil 7: Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz
Teil 8: Kräfte bündeln: AI Hub für Hamburg

Watson

Dr. Wolfgang Hildesheim ist der Leiter der IBM Watson Group in Deutschland, Österreich und der Schweiz und arbeitet mit seinem Watson-Team von Hamburg aus. Der Erfolg bei der amerikanischen Quizshow” Jeopardy 2011, als Watson seine beiden menschlichen Mitspieler um Längen schlug, hat das Verständnis und die Einordnung von KI grundsätzlich verändert. Kognitive Systeme wie Watson sind heute vielfältig einsetzbar und unterstützen Menschen in fast allen Branchen: Im Gesundheitswesen, in der Industrie, als Berater für die Energieoptimierung oder in der Abwehr von Cyberangriffen.

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