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Wanja Johannes Weskott, Sebastian Bensmann und Christoph Laudon gründeten Hydrophil 2013 - © Hydrophil wasserneutral GmbH

Hydrophil: aus Liebe zum Wasser

Die Produkte des Hamburger Startups Hydrophil sind vegan, fair und wasserschonend hergestellt. Die Hamburg News haben einmal genauer nachgefragt

Das Wort “hydrophil” setzt sich aus den griechischen Wörtern hydor (Wasser) und philos (liebend) zusammen. So ist es alles andere als ein Zufall, dass Christoph Laudon, Wanja Johannes Weskott und Sebastian Bensmann ihrem neugegründeten Startup im Jahre 2013 genau diesen Namen gaben. Die drei Hamburger haben sich durch ihr Engagement bei Viva con Agua, einem gemeinnützigen Verein, der sich weltweit für einen uneingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt, kennengelernt.

Bei einer Fahrradtour entstand schließlich die Idee, dass man selbst Produkte produzieren könnte, die bei der Herstellung möglichst wenig Wasser verbrauchen. Gesagt, getan: das erste Artikel war ein selbst bedrucktes T-Shirt. Mittlerweile hat sich Hydrophil auf vegan, fair und wasserschonend hergestellte Hygiene- und Körperpflegeprodukte spezialisiert. Im Gespräch mit den Hamburg News verrät Christoph Laudon, einer der Hydrophil-Gründer, was der Begriff “wasserneutral” bedeutet, wie Bambus-Zahnbürsten Co2 einsparen können und warum Hamburg eine Herzensangelegenheit ist.

Hamburg News: Was wollt ihr mit Hydrophil erreichen?

Christoph: Wir handeln getreu unserem Motto “Jeden Tag ein bisschen besser machen” und möchten einen bewussten Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser leisten. Damit wollen wir die Menschen sensibilisieren, sorgsamer mit Wasser als Ressource umzugehen. Hierbei geht es vor allem um virtuelles Wasser, also das Wasser, das benötigt wird, um ein Produkt herzustellen. Diesen Wasserverbrauch wollen wir durch unsere wasserneutrale Herstellung minimieren.

Hamburg News: Was versteht ihr unter dem Begriff “wasserneutral”?

Christoph: Wasserneutral bedeutet für uns eine wasserschonende Herstellung der Produkte. So verwenden wir für unsere Produkte nur natürliche Inhaltsstoffe, wie z. B. Bambus, der ohne künstliche Bewässerung wächst. Dafür werden auch keine Pestizide verwendet, die das Grundwasser verunreinigen. Für unsere Seifen verzichten wir auf Chemikalien oder Mikroplastik, die bei der Nutzung in das Wasser gelangen können. Auch unsere Verpackungen sind biologisch abbaubar und schadstofffrei. Wir versuchen also beim Produktionsprozess so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Und wenn Wasser dabei verbraucht wird, dann soll dies ohne Verunreinigung zurück in den Kreislauf geführt werden können.

Nachhaltige Produktpalette von Hydropohil

Hamburg News: Wie sieht eure Produktpalette aus?

Christoph: Wir sind auf Artikel aus dem WASH-Segment (Water, Sanitation und Hygiene) spezialisiert. Neben unserer nachhaltigen Zahnbürste aus Bambus findet man in unserem Online-Shop, von Zahnputzbecher, Zahnbürsten-Etuis, einer Upcycling-Kulturtasche über Wattestäbchen, Seifen und Mundöl bis hin zu Seifensäckchen und Zahnbürstenhalter, zahlreiche Produkte aus dem Hygienebereich. Natürlich alles wasserneutral, vegan und fair hergestellt.

Hamburg News: Wie gestaltet sich die faire Produktion eurer Waren?

Christoph: Das kommt ganz auf das Produkt an. Wir arbeiten mit vielen kleineren Produzenten zusammen. Die Seifen, Zahnputzbecher und Zahnbürsten-Garderoben werden im Hamburger Umland produziert. Die Produkte aus Bambus werden in Lishui, China angebaut und nahe des Anbaugebietes weiterverarbeitet, um die Transportwege möglichst kurz zu halten. Für unsere Mitarbeiter vor Ort setzen wir uns für faire Arbeitsbedingungen ein. Dies finden wir insbesondere in einem Land, in dem die Einhaltung von Arbeitsrechten nicht selbstverständlich ist und selten faire Bedingungen herrschen, sehr wichtig. Bei jeglichen Produktionsstätten achten wir darauf, zusätzlich regelmäßig persönlich vor Ort zu sein.

Hamburg News: Euer bekanntestes Produkt ist eine Bambuszahnbürste. Was ist das Besondere daran?

Christoph: Die Stiele unserer Zahnbürsten bestehen aus Bambus, der sich aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften perfekt als Material für nachhaltige Hygieneprodukte eignet. Wir verwenden Moso-Bambus, der in unserer Anbauregion in China die idealen Wachstumsbedingungen hat und bis zu 20 Meter Höhe erreicht. In einer zweijährigen Wachstumsphase bindet die Pflanze 18 Tonnen Co2 und liefert uns Material für 100 Zahnbürsten. Die Stiele der Zahnbürsten werden mit lösemittelfreien Buntlacken der Firma Auro gefärbt. Die mehrfach zertifizierten Naturfarben, mit konsequent ökologischer Rohstoffauswahl, enthalten keine Mineralöle oder synthetischen Stoffe.

Hamburg News: Ihr produziert auch Zahnputzbecher aus dem Biowerkstoff Arboblend. Erzählst du uns mehr darüber?

Christoph: Arboblend wird auch als Flüssigholz bezeichnet und besteht aus natürlichen Rohstoffen. Anders als herkömmliche Zahnputzbecher aus Kunststoff, wird dieser Zahnputzbecher nicht auf der Basis von Erdöl hergestellt. So stellt er eine nachhaltige und plastikfreie Alternative dar – und ist zudem recyclebar.

Hamburg News: Was bedeutet Hamburg als Standort für euch als nachhaltiges Startup?

Christoph: Hamburg als Standort ist für uns einfach eine Herzensangelegenheit, persönlich gibt es da irgendwie keine Alternative. Fern von allen schönen Vorteilen, die wir privat sehr gern haben, wie z. B. der Hafen und der Elbstrand, ist für uns die Community gerade im nachhaltigen Unternehmertum sehr hilfreich. Der Zusammenhalt und die Hilfe untereinander sind hier besonders stark, und nicht so anonym und oberflächlich wie vielleicht in anderen Städten. Außerdem ist Hamburg natürlich wie gemacht für uns, mit dem Fokus auf dem Thema Wasser.

Hamburg News: Was sind eure Pläne für 2018?

Christoph: Wir sind immer auf der Suche nach neuen Produkten, die unseren hohen Ansprüchen in Bezug auf den schonenden Umgang mit Wasser und der Umwelt entsprechen. Außerdem wird es ein weiteres Upgrade der nachhaltigen Zahnbürste aus Bambus geben, was aber noch geheim ist. Darüber hinaus arbeiten wir an einem neuen Kinderzahnputzbecher.

Hamburg News: Danke für das Gespräch, lieber Christoph.

Das Interview führte Sarah Bischoff

Quellen und weitere Informationen
www.hydrophil.com

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