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Drohne von Beagle Systems © Ole Freier

Geschäfte mit Drohnen – steht jetzt der Höhenflug bevor?

Von Shanghai nach Quickborn - das Startup Beagle Systems treibt die Drohnenentwicklung voran. Der Markt für diese Technologie boomt

Irgendwie filmreif: Die Geschichte des Hamburger Drohnen-Startups Beagle Systems beginnt in einem kleinen Schweinestall in Quickborn. Ohne Heizung, Wasser und WC bauen Oliver Gregor Zoeller, Jerry Tang und Mitja Wittersheim an ihrem Prototypen einer autonomen, senkrechtstartenden Langstreckendrohne und beweisen damit echten Gründergeist und Hartnäckigkeit. Eine erste Verbesserung bietet sich in Form eines weiteren Stalls, nun immerhin mit Zugang zu Wärme und sanitären Anlagen. Schließlich ermöglicht ihnen das Förderprogramm Exist des BMWi und die Förderung InnoRampUp der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) den Umzug in ein Büro ins zentral gelegene Wandsbek im Hamburger Osten.

Inspektionen und Transport

Die Idee zu dem Startup entstand in Shanghai, wo Zoeller während eines Auslandssemesters auf den chinesischen Robotik-Experten Jerry Tang traf. Jetzt wollen die Gründer voll durchstarten. Zu den möglichen Geschäftsmodellen zählen Inspektionen, etwa von Stromleitungen oder Bahnstrecken, oder Transporte von kleineren Ladungen mit einem Maximalgewicht von 5kg. Schließlich wiegt der Prototyp auch nur 25 kg. Das leuchtend rote Modell verfügt über eine Flügelspannweite von 1.40 m und ist auf eine Maximaldistanz von 100 km ausgerichtet. Zoeller spricht allerdings lieber von einem unbemanntem Flugzeug als von einer Drohne, und tatsächlich hat das Gerät optisch durchaus Ähnlichkeit mit einem Flugzeug. „Im Grunde ist es auch einfach ein Flugzeug, das schlicht keinen Piloten an Bord mehr benötigt“, erklärt Zoeller.

Testflug Prototyp Beagle Systems

Testflug Prototyp Beagle Systems

© Ole Freier

Sicherheit entscheidet

Die Abwesenheit eines Piloten ist jedoch mit erheblichen rechtlichen Hürden verbunden. „Bisher erlauben die Bestimmungen nur Flüge ‚auf Sicht’. Der heilige Gral ist das Fliegen ohne Sicht, erst dadurch ergeben sich Geschäftsmodelle“, so Zoeller. Für eine entsprechende Erlaubnis muss Beagle Systems nachweisen, dass ihr System absolut sicher ist. „Darauf richten wir alles aus. Alle relevanten Systeme sind dreifach an Bord: Sensoren, Kameras, GPS-Antennen, Kompass, Barometer“. Falle ein System aus, greife ein anderes. Erfüllt Beagle Systems alle Anforderungen der aktuellen Durchführungsverordnung der EU für unbemannte Luftfahrzeugsysteme (unmanned aircraft systems, UAS), ist der Weg frei für den gewerblichen Betrieb. Aktuell ist das Feld Urban Air Mobility für ganz unterschiedliche Player interessant: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet die Technologie ebenso wie die Hamburger Hafen und Logistik AG.

Transport von Gewebeproben

„Unser Ziel ist es, 2020 als erstes Unternehmen die Lizenz für ein Operationskonzept zu erhalten. Das heißt, wir bekämen die Erlaubnis, immer wieder mit dem gleichen Fluggerät die gleiche Strecke ohne Sichtkontakt abzufliegen“, erläutert Zoeller. Ein mögliches Geschäftsmodell wäre dabei der Transport von Gewebeproben. „Wir haben bereits Anfragen von deutschen Kliniken, die nicht über eine eigene Pathologie verfügen, aber Gewebeproben während einer laufenden Operation geprüft haben müssen.“ Bisher finden solche Transporte ins nächstgelegene Institut per Auto statt. Ein UAS wäre da viel schneller – mit deutlichen Vorteilen für Patienten und Ärzte.

Deutscher Drohnenmarkt: Bis 2030 Wachstum auf drei Milliarden Euro?

Team Beagle Systems mit Prototyp

Team Beagle Systems mit Prototyp

© Ole Freier

Tatsächlich bescheinigt eine aktuelle Marktstudie des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e. V. dem deutschen Drohnenmarkt großes Potenzial. In Deutschland gibt es knapp 400 ‚reine’ Drohnenunternehmen mit im Schnitt zwölf Mitarbeitern. Insgesamt aber beschäftigen sich in Deutschland rund 10.000 Menschen beruflich mit Drohnen. Die Studie geht von rund 850.000 einsatzbereiten Drohnen bis 2030 aus – und von einem deutlichen wirtschaftlichem Wachstum: „Der deutsche Drohnenmarkt wird bis 2030 von 574 Millionen Euro auf fast 3 Milliarden Euro anwachsen, was einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 14 Prozent entspricht. Das Wachstum wird vor allem durch den kommerziellen Markt getrieben.“

Von Shanghai nach Hamburg

Dass Beagle Systems sich für Deutschland als Standort entschieden hat, war zunächst gar nicht sicher. Denn die Idee zu dem Startup entstand in Shanghai, wo Zoeller während eines Auslandssemesters auf Jerry Tang traf. Der chinesische Ingenieur mit Spezialisierung auf Robotik und Automatisierung war auf der Suche nach Gleichgesinnten mit wirtschaftlichem und technischem Knowhow. Für die Gründung holten sie den Wirtschaftsingenieur Mitja Wittersheim mit ins Boot und gewannen den Rechtsanwalt Dr. Amos Münch als strategischen Partner. Gemeinsam wurden die Vor- und Nachteile von China, USA, Australien, Skandinavien und Deutschland erwogen – und Hamburg konnte punkten.

Deutscher Standortvorteil

„Gegen China sprach die rechtliche Unsicherheit, Silicon Valley wird immer teurer, und Australien ist zwar toll zur Entwicklung – viel freies Land für Flugversuche – ist aber ein enger Markt. Blieben noch Skandinavien und Deutschland“, erzählt Zoeller. Schließlich entschieden sich die Gründer für Hamburg, weil sich Zoeller und Wittersheim hier gut auskennen, über Fluglizenzen verfügen und durch die Mitgliedschaft in Verbänden – Zoeller ist stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband für unbemannte Systeme e. V. – gut vernetzt sind. Auch die umfangreichen Fördermöglichkeiten sprachen für die Hansestadt. So qualifizierte sich Beagle Systems neben dem Exist Gründerstipendium des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) auch für die Förderung InnoRampUp der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg), die Startups mit Zuschüssen von bis zu 150.000 Euro in der Startphase unterstützt. „Das ist ausgesprochen wichtig für ein Hardware-Startup wie unseres. Die Materialien für unsere anspruchsvollen Konstruktionsteile – sie müssen leicht, robust und somit sicher sein – verschlingen viel Geld“, betont Zoeller.

„Unsere Drohnen werden niemals zu Killerdrohnen“

Bleibt die Frage, warum haben sie ihr Unternehmen nach einer britischen Hunderasse benannt haben. Abgesehen von der offensichtlichen Vorliebe für diese Hunde – ein noch junges Exemplar tollt ausgelassen durch die Räumlichkeiten. „Das ist Douglas, unser Feel Good Manager“, lacht Zoeller. „Beagles sind sehr zielstrebige und dabei friedfertige Hunde. Das passt zu uns, unsere Drohnen werden niemals zu Killerdrohnen.“
ys/kk/sb

Quelle und weitere Informationen unter:
www.beaglesystems.com

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