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DESY-Kooperationen: An der Spitze der Möglichkeiten - © DESY / Heiner Müller-Elsner

DESY-Kooperationen: Antworten auf Fragen von morgen

Industry Relations Managerin Dr. Sabine Jähmlich bringt Unternehmen und Forschungsexperten zusammen

DESY ist als Grundlagenforschungszentrum von internationalem Renommee bekannt und das in sehr speziellen Bereichen: Der Beschleunigerphysik, der Forschung mit Photonen und der Teilchenphysik. Weniger bekannt ist, dass das Deutsche Elektronen-Synchrotron, ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes nationales Forschungszentrum und Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, als Kooperationspartner für die Wirtschaft fungiert. Das Angebot reicht von einer umfassenden wissenschaftlichen Beratung bis zur Konzeptionierung und Durchführung von Untersuchungen an den verschiedenen DESY-Messplätzen. Eine eigene Stabsstelle für Innovations- und Technologietransfer vermittelt zwischen interessierten Unternehmen und den in Frage kommenden Forschungsexperten.

DESYs Industry Relations Manager agieren als „Face to the customer“

Dr. Sabine Jähmlich, Industry Relations Managerin bei DESY, nimmt dabei interessierte Unternehmen quasi an die Hand. „Wir kennen sowohl die Geräte als auch die Wissenschaftler und ihre Expertisen bis hin zu den verschiedenen Werkstätten zur Entwicklung von Geräten und Technologien, und fungieren damit als eine Art face to the customer.“ Diese Bindeglied-Funktion ist ausgesprochen sinnvoll, denn die Möglichkeiten, die sich der Industrie bei DESY bieten, sind vielfältig, unter anderem weil bei DESY zahlreiche maßgeschneiderte Techniken zum Einsatz kommen, die kein Standard sind.

Arbeiten in Bereichen des noch nicht Gedachten und noch nicht Erforschten

Dr. Sabine Jähmlich
Dr. Sabine Jähmlich

„Wir arbeiten als Grundlagenforschungszentrum stets über die Spitze des heute Machbaren hinaus“, betont Dr. Jähmlich und nennt als Beispiel PETRA III. Der Ringbeschleuniger für Elektronen bietet exzellente Experimentier- und Untersuchungsmöglichkeiten mit Röntgenstrahlung höchster Brillanz, mit der sich etwa Materialproben atomgenau durchleuchten lassen. PETRA III steht vor einem Upgrade. „Wir werden den Ring in die nächste Generation führen, mit Lasern, Magneten und Detektoren, die es so noch gar nicht gibt, was wiederum bedeutet, wir arbeiten an Antworten aus dem Bereich des noch nicht Gedachten und noch nicht Erforschten.“

Autokonzern Volkswagen nutzt die Beamline zu Materialforschung

Konkret hat etwa der Volkswagen-Konzern im Rahmen eines EU-Projektes an einer Beamline des Helmholz-Zentrums Geesthacht bei DESY Untersuchungen durchgeführt. „Dabei wurde ein Zylinderkopf komplett in den Röntgen-Strahl gestellt, um durch Eigenspannungsmessungen mögliche Schwachstellen tief im Material aufzuspüren und gegebenenfalls Details im Bau entsprechend zu ändern“, erläutert Dr. Jähmlich. Mögliche Schwachstellen im Material werden üblicherweise durch Langzeittests identifiziert, die Röntgenmethode liefert sehr schnell Ergebnisse und spart damit Zeit und Geld.

Mit Röntgenkristallographie dem Krebs auf der Spur

Auch die Pharmaindustrie nutzt diese Möglichkeiten. Zum Beispiel untersucht sie Proteine für die Entwicklung neuer Medikamente. „Proteine sind die Moleküle des Lebens. Wenn man ihre Struktur genau kennt, können sich beispielsweise Wirkstoffe maßschneidern lassen, die bestimmte Proteine gezielt blockieren und somit unerwünschte Funktionen behindern“, sagt Dr. Jähmlich. „Mit Hilfe der Röntgenkristallographie können Struktur und Wechselwirkungen von Proteinen atomgenau untersucht werden. Auf diesem Weg kann sich oft viel Zeit in der Arzneientwicklung sparen lassen.“ Die sogenannte Strukturbiologie entschlüsselt die genaue Funktionsweise von Biomolekülen über deren Struktur. Die Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen beispielsweise hinter der Entstehung von Infektionen, Bluthochdruck oder Krebs sind oft auch für eine Zusammenarbeit zwischen Forschung und Pharmaindustrie interessant. DESY bietet dafür optimale Rahmenbedingungen.

Entschlüsselung von Molekülen auf atomarer Ebene

So hat etwa das Berliner Pharma-Unternehmen NOXXON in einer Kooperation mit den Universitäten Hamburg und Aarhus (Dänemark) an der Beamline des Europäischen Molekularbiologie-Laboratoriums (EMBL) bei DESY erstmals die räumliche Struktur von zwei medizinisch vielversprechenden Molekülen aus der neuen Wirkstoffgruppe der Spiegelmere entschlüsselt. Spiegelmere beruhen auf Bausteinen der Nukleinsäuren (RNA oder DNA), die im Organismus verschiedene Aufgaben erfüllen, etwa die Speicherung und Übertragung von Erbinformationen oder die Regulierung von Genen. Sie können unter anderem in der Bekämpfung von Entzündungen im Körper eine wichtige Rolle spielen und sind schon erfolgreich im klinischen Einsatz getestet worden. Erst die Entschlüsselung auf atomarer Ebene ermöglicht ein tieferes Verständnis der Funktionsweise dieser Moleküle.
ys/kk

Quelle und weitere Informationen unter:
www.desy.de/industrie_service

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