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Basler Hauptsitz - © Basler

Basler AG: Technik mit Intelligenz und Sehvermögen

Die Basler AG mit Sitz in Ahrensburg ist ein Unternehmen, das kaum jemand kennt, obwohl nahezu jeder mit seinen Produkten in Berührung kommt

Digitalisierung und Automation stehen im Mittelpunkt der Produktion von heute. Moderne Scanverfahren eröffnen neue Dimensionen in der Medizin. Intelligente Leitsysteme sorgen für flüssigen Verkehr. Neuartige Analyse-Verfahren unterstützen Sportler beim Training und erfassen Ballkontakte im Fußball. Hinter all dem steht ein Spezialist für Kamerasysteme in der Metropolregion Hamburg.

„Wir verleihen technischen Systemen die Fähigkeit, zu sehen,“ bringt es Anke Wübbelmann auf den Punkt, wenn man sie danach fragt, womit sich ihr Unternehmen eigentlich beschäftigt. Sie ist Director of Communications der Basler AG mit Sitz in Ahrensburg und beschreibt ein Unternehmen, das kaum jemand kennt, obwohl nahezu jeder mit seinen Produkten in Berührung kommt. Basler hat sich in den letzten Jahren durch ein außergewöhnlich starkes Wachstum ausgezeichnet. Für 2017 wurde ein Umsatz von 150 Millionen Euro berichtet, was 54 % über dem Vorjahr lag. Das Ergebnis lag bei 29,8 Millionen Euro und damit 161 % über dem Vorjahr.

Smart City der Zukunft

Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter und stellt Kameras für optische Systeme her, die Bilder erfassen können und die Daten liefern, die dann von einem digitalen System zur Bildverarbeitung interpretiert und weiterverarbeitet werden. Und solchen Systemen kommt in unserer Gesellschaft eine immer größere Bedeutung zu. Sie überwachen nicht nur den Verkehr auf der Stadtautobahn und steuern Ampeln und Geschwindigkeitsanzeigen, damit der Verkehr nicht ins Stocken kommt. Sie stecken auch in den Brücken für die LKW-Maut, erkennen freie Parkplätze und ermöglichen neuartige Mautsysteme, die nicht den Verkehr aufhalten.

„Wenn es um die Smart City der Zukunft geht, steht unsere Sensorik im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung,“ so Anke Wübbelmann: „In Singapur werden zum Beispiel Kamerasysteme eingesetzt, um im fließenden Verkehr das Nummernschild jedes einzelnen Autos zu erkennen und für die automatische Abbuchung der City-Maut zu nutzen.“

Visuelle Überprüfung sorgt für reibungslosen Ablauf

Doch auch wenn es um die Verkehrssicherheit geht, leistet die Technik aus Ahrensburg wertvolle Dienste. So werden damit zum Beispiel regelmäßig die Wände von Tunnelröhren gescannt, um entstehende Schäden schon frühzeitig erkennen zu können. Oder entsprechend ausgestattete Prüfscanner erfassen die Oberflächenstruktur von Schienen und erkennen selbst feinste Haarrisse, bevor es zu einem Bruch mit dramatischen Folgen kommen kann.

Den überwiegenden Teil des Umsatzes generiert Basler jedoch im Bereich der Fabrikautomation. Nahezu alle Produkte, die man heute im Laden findet, sind das Ergebnis eines automatischen Produktionsprozesses. Und damit der reibungslos laufen kann, muss jeder einzelne Schritt genau erfasst und überprüft werden.

Grünes Licht für Bier in der Flasche

In der Elektronik- und Halbleiter-Produktion durchläuft jede bestückte Platine eine visuelle Prüfung, um sicherzustellen, dass auch alle Bauelemente vorhanden sind. Sie wird dabei in rasender Geschwindigkeit „abfotografiert“ und die Aufnahme mit einem Referenzbild verglichen. Eine Elektronik erkennt dabei, ob es irgendwelche Abweichungen gibt und schaltet die Platine dann für den nächsten Arbeitsschritt frei oder eben nicht.

Getränkeflaschen werden gleich mehrmals überprüft, bevor sie mit Bier, Saft, Wasser oder was immer befüllt werden. Ist die Flasche absolut sauber? Sind Spülmittelreste vorhanden? Ist irgendwo Glas abgesplittert? Wurde sie bis zur exakten Füllhöhe befüllt? Ist der Verschluss korrekt aufgesetzt? Erst wenn jeder Sensor grünes Licht gibt, geht die Flasche in den Versand.

Qualität durch Sensorik

Kunststofffolien durchlaufen bei der Produktion mit hoher Geschwindigkeit einen Zeilensensor, der blitzschnell jede Unregelmäßigkeit erkennt und damit eine gleichmäßig hohe Qualität sichern hilft. Bei der Floatglas-Produktion erkennt ein Sensor eventuelle Lufteinschlüsse. Selbst Salatköpfe, Äpfel oder Kartoffeln durchlaufen einen Scanner, der Form und Größe erfasst, um eine normgerechte Qualität sicherzustellen. „Bei der Verpackung von Reis kann die Sensorik sogar jedes einzelne Reiskorn erfassen, innerhalb von Millisekunden auf seine Beschaffenheit überprüfen und gegebenenfalls aussortieren,“ erklärt Wübbelmann.

Ähnlich sieht es in der modernen Logistik aus. Hier werden zum Beispiel vermehrt Regalbediengeräte mit Kamera-Sensoren ausgestattet. Sie fahren automatisch das richtige Regalfach an und entnehmen dort zielgenau die gewünschte Produktmenge.

Auch sonst beruht der gesamte Logistikprozess heute auf Scanvorgängen zur Sortierung, Verteilung und Verfolgung des Transportwegs bis hin zum Empfänger. Diese Technik ist heute mit Intelligenz und Sehvermögen ausgestattet und Basler war eines der ersten Unternehmen, das diesen Trend erkannt hat.

Von der CD zu digitalen Kameras

Das Unternehmen begann in den 80er Jahren mit der Entwicklung von Scannern für die damals startende CD-Produktion. Die Geräte erlaubten es, die Oberflächengüte jeder einzelnen CD zu überprüfen, um zum Beispiel Kratzer und Einschlüsse zu erkennen. Basler wurde schnell zum weltweiten Marktführer in diesem Bereich.

Doch CD und DVD sind heute schon fast Medien von gestern und so suchte sich Basler neue Aufgabenfelder und wurde zum Spezialisten für digitale Kameras, die wiederum von anderen Unternehmen in komplexe optische Analysesysteme integriert wurden.

Diverse Anwendungen

Neben der Automatisierung entwickelte sich dabei auch die Medizintechnik zu einem lukrativen Schwerpunkt. Zum Beispiel zum Körperscanning bei Erkennung von Hautkrebs, zum Augenscanning in der Ophthalmologie oder zum Zahnscanning in 3D zur präzisen Fertigung von Prothesen.

„Wobei es auch exotische Anwendungen gibt,“ rundet Anke Wübbelmann das Bild ab: „Nach jedem Fußballspiel reden die Moderatoren unter anderem über die Anzahl der Ballkontakte eines bestimmten Spielers. Auch dahinter stecken intelligente Kamerasysteme, die das Spielgeschehen erfassen und genau auswerten.“

Auch beim Radsport, beim Schwimmtraining oder bei der Konstruktion von Laufschuhen liefert die moderne Bildverarbeitung wertvolle Erkenntnisse. Und nicht selten steckt eine digitale Kamera dahinter, die bei Basler entwickelt und gefertigt wurde. Eines der innovativen Unternehmen aus der Metropolregion Hamburg, das es in seinem Bereich zur Weltgeltung geschafft hat.
sw/kk

Weitere Informationen:
www.baslerweb.com

Optische Systeme aus der Metropolregion

Unternehmen: Basler AG
Hauptniederlassung: Ahrensburg
International: 3 Niederlassungen und 4 asiatische Vertriebsbüros
Mitarbeiter: 500 weltweit

1988 Gründung durch Norbert Basler und Stephan Berendsen
1999 Börsengang
2004 Innovationspreis des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
2010 Verdoppelung der Kameraproduktion
2011 IHK Ausbildungs-Award
2016 Erste 3D-Kamera
2018 30-jähriges Firmenjubiläum

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