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Als Banker auf der South by Southwest © Stephan Henning/Unsplash

Als Banker auf der South by Southwest 2019

Das Ende der Privatsphäre und Regulierung von Tech-Giganten: Finanz- und SXSW-Experte Hartmut Giesen von der Hamburger Sutor Bank zieht Bilanz

Was treibt einen Finanzmenschen nach Austin zur South by Southwest (SXSW)? Die SXSW gilt zwar als bedeutendste Digital-Konferenz weltweit, aber um Finanzthemen geht es tatsächlich eher am Rande. Die bestätigende Ausnahme bildet das Thema Blockchain und Crypto-Währungen, welches eine hohe Relevanz für die Finanzindustrie hat.

Trends außerhalb der Branchengrenzen erkennen

Um zu ergründen, was in der eigenen Branche künftig passiert, muss man gezielt jenseits deren Grenzen nach Trends suchen, die Einfluss auf seinen Home Turf haben könnten, erklärte die Futurologin Amy Webb. Sie hält mit ihrem 'Emerging Tech Trends Reports’ jedes Jahr einen der beliebtesten SXSW-Talks auf großer Bühne. Damit liefert sie die ultimative Begründung, warum man als Banker – und jeder andere, der an den Zukunftsstrategien von Unternehmen arbeitet – zur SXSW muss.

Zentrale Zukunftstrends

Was Webb sonst noch in ihrem Trendreport prognostizierte: Das Ende der Privatsphäre, weil immer mehr Daten über die persönliche Gen-Ausstattung, über physische Aktivitäten, über das Leben im automatisierten Zuhause und andere persönliche Datenquellen zur Verfügung stehen; zum Standard werdende Sprachsteuerung für alle Gerätschaften, mit denen wir umgehen und weiter wachsende Tech-Giganten, die sich jedoch auf mehr Regulierung einstellen müssen, um ihre wachsende Macht wieder zu begrenzen.

Fintech Forward Basiscamp für Finanzgründer

Am Folgetag sprach die Wissenschaftlerin in fast intimer Atmosphäre im Fintech Forward Basiscamp über die relevanten Trends für die Finanzbranche. Die Entfaltung von Social Payments und Open Banking beobachtet sie dort zum Beispiel. Angelegt zwischen Talks und Workshops, richtete es sich an jedem (!) Konferenzmorgen an Gründer von Startups, die sich auf finanziell benachteiligte Kundengruppen fokussieren. Ihnen wurden konkrete Handreichungen für Strategiefindung und -umsetzung von Experten verschiedener Disziplinen angeboten.

Bitcoin, das neue Gold?

Viel beachtet, nicht nur aus Fintech-Perspektive, war der Auftritt der Winklevoss-Zwillinge, die als Gegenspieler von Mark Zuckerberg bei der Gründung von Facebook prominent geworden sind. Mit den Millionen, die sie von Zuckerberg für ihren Anteil an der Facebook-Entwicklung erhielten, haben sie ein Crypto-Universum inklusive eine der wenigen regulierten Crypto-Börsen aufgebaut. Sie bewarben Bitcoin als neue Anlageklasse, die Gold „disrupten“ wird.

Zukunftsthemen kritisch hinterfragt

Fachlich hat man als Finanzmensch von der SXSW am meisten, wenn man nicht nach den wenigen Fintech-Veranstaltungen jagt, sondern sich durch die verschiedenen Tracks treiben lässt oder sich einfach einen Tag in den Ballroom D setzt und verfolgt, mit welchen Themen die SXSW-Macher die Hauptbühne bespielen. Dabei zog sich 2019 das Politische wie ein roter Faden durch das Programm. Ging es dort vor Jahren noch um die „Moonshot-Projekte“, mit denen die Tech-Giganten eine gloriose Zukunft bauen wollten, diskutierte man jetzt darüber, wie ihre Macht zu beschränken, ihr Umgang mit Daten zu begrenzen sei. Auch die Mega-Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) und Genmanipulation wurden vorwiegend mit Blick auf ihre potenziellen Gefahren diskutiert: Verstärken sie die Ungleichheit? Wer hat künftig noch Arbeit und was passiert mit denen, die keine mehr haben? Was darf KI, was Biotechnologie und vor allem was nicht?

Finding and Connecting the Dots

Steve Jobs sagte 2005 in seiner berühmten College-Rede, dass es um „Connecting the Dots“ gehe, wenn man bedeutende Dinge erreichen möchte, wie etwa die Entwicklung des ersten Macintosh-Computers. Und das funktioniert nirgendwo so effizient wie auf der South by. Eine die Punkte verbindende SXSW-Erkenntnis für das Banking der Zukunft besteht etwa darin, dass, obwohl Donald Trump Regulierung von Banken und anderen Branchen aktuell zurückfährt, die Staaten – nicht nur die USA – Technologie und damit auch Finanztechnologie wesentlich stärker im Sinne von Konsumenten und Bürgern regulieren werden. Darauf kann und muss man sich vorbereiten.
sb/kk

Ein Gastbeitrag von Hartmut Giesen, Business Development Manager bei der Sutor Bank.

Quelle und weitere Informationen
www.sxsw.com
www.sutorbank.de

South by Southwest

Die South by Southwest (SXSW) in der texanischen Hauptstadt Austin gilt als größtes Digital- und Kreativfestival der Welt. Vom 8. bis 17. März 2019 kamen hier Kreative, Startups und Medienakteure zusammen, um aktuelle und zukünftige Trends zu präsentieren, diskutieren – und zu setzen. Hamburg präsentierte sich auf dem international bedeutenden Branchentreffen als innovativer Wirtschaftsstandort und lebenswerte Metropole. Zudem bot Hamburg seinen mitreisenden Unternehmen eine Plattform, um sich darzustellen, neue Marktchancen zu erschließen und zum Netzwerken. Die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) setzte gemeinsam mit Hamburg Marketing, dem Reeperbahn Festival, Hamburg Startups und Hamburg Invest den Hamburg-Auftritt in Austin um. Die Hansestadt war dabei auch Partner des German Haus, dem zentralen Hotspot des deutschen Gemeinschaftsprogramms auf der SXSW.

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