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Treffen der auswärtigen Repräsentanten in Hamburg

Was sind die Zukunftsthemen in der Hansestadt? Was bewegt in anderen Teilen der Welt? Erfahrungsaustausch mit Hamburgs Repräsentanten

Einmal im Jahr kommen Hamburgs auswärtige Repräsentanten in der Hansestadt zusammen, um sich über die wichtigsten Zukunftsthemen in der Metropolregion zu informieren. In diesem Jahr werden am 11. und 12. September die Themen Future Mobility mit dem ITS Kongress 2021 und Digitalisierung im Fokus stehen. Erwartet werden zehn hauptberufliche Repräsentanten aus Shanghai, Beijing, Hongkong, Mumbai, Dubai, Sankt Petersburg, Brüssel und San Francisco. „Das Ziel ist es, den Repräsentanzen im direkten Dialog ein zeitgemäßes Hamburg-Bild zu vermitteln, damit sie vor Ort die Interessen der Hansestadt optimal vertreten können“, sagt Dr. Rolf Strittmatter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Marketing GmbH.

Praktischer Einsatz von Zukunftstechnologien

Nach aktuellen Trends in ihren Einsatzländern befragt, nennen Pan Hua und Michael Wunderlich aus Shanghai vor allem Entwicklungen in Feldern wie künstlicher Intelligenz, intelligente Fabriken bzw. intelligente Produktion, Internet of Things und New Energy Vehicle (Elektromobilität), also Trends, wie sie aktuell auch global zu beobachten sind. Doch was in vielen Ländern noch Zukunftsmusik ist, wird in Shanghai bereits praktisch angewandt. So habe etwa ein privater Taxianbieter seine erste Flotte autonomer Taxis in Betrieb genommen und dank hoher staatlicher Investitionen konnten komplette Busflotten in Shanghai durch emissionsfreie E-Busse ersetzt werden. „Die so gesammelten Erfahrungen bedeuten für die chinesischen Hersteller einen signifikanten Marktvorteil im internationalen Vergleich“, berichtet Wunderlich.

China: Umweltschutzgedanke wird relevanter, Datenschutz weniger

Auch im Verkehrsmanagement setzt Shanghai auf Digitalisierung. „Der Verkehr in den Städten wird mit Unterstützung von Machine Learning geleitet, smarte Algorithmen sagen Besucheraufkommen voraus und empfehlen etwa die Verteilung von Taxiflotten“, erklärt Pan Hua. So würden Staus, ein wesentlicher Faktor von Luftverschmutzung, nach Möglichkeit vermieden. Denn Themen wie Umweltschutz oder Abfalltrennung nehmen in China an Bedeutung zu. Der Datenschutz hingegen werde zwar thematisiert, doch der mit Daten ´erkaufte` Komfort sei für die Bevölkerung oft von größerer Relevanz.

Herausforderungen erfordern persönliche Kontakte

Ma Lina aus Peking beobachtet zudem den Trend zu einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit, konkret hin zu mehr Multilateralismus und Freihandel. „Um diese positive Entwicklung zu stärken, ist es wichtig weitere Kooperationen aufzubauen und das gegenseitige Verständnis zu verstärken“, betont Ma Lina. Die Rolle der Repräsentanten als Vertreter Hamburgs in China sei also wichtiger denn je. Dem stimmen auch die Repräsentanten in Mumbai zu. „Der Ausbau der Infrastruktur, die Entwicklung der Häfen und die wachsende Bedeutung als internationaler Handelspartner macht Indien nicht nur zu einem attraktiven wirtschaftlichen Markt, sondern auch zu einem wichtigen strategischen Partner“, erklärt Lea Miram und Peter Deubet ergänzt: „Trotz vieler Fortschritte ist Indien immer noch mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die am besten durch persönliche Kontakte gemeistert werden.“

Indien: Innovative Startup-Kultur

Zumal der Fortschritt in Indien schnell voranschreite. „Indien erfindet sich neu. Neue Ideen sind gefragt und stellen den Nährboden für eine lebhafte, innovative Startup-Kultur dar, die auch im internationalen Vergleich an Bedeutung gewinnt“, so Deubet. Die Regierung unterstütze die Gründer und hat einen exklusiven TV-Sender angekündigt, der Startups eine zusätzliche Plattform bieten soll. Viele digitale Errungenschaften haben sich zudem längst etabliert: „Digitales Bezahlen ist gängige Praxis und Online-Bestellungen der Alltag. Medizin, Lebensmittel, selbst Dienstleistungen – alles wird in kurzer Zeit an die Türschwelle geliefert“, so Miram.

Dubai: Jung und tech-affin

Eine große Offenheit gegenüber neuen Technologien beobachtet auch Kirsten Staab, Repräsentantin in Dubai. Die ausgesprochen tech-affine und junge Bevölkerung – das Durchschnittsalter liegt bei 33,5 Jahren und mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist jünger als 25 – ebnen ebenso wie der gleichfalls junge Kronprinz Dubais den Weg für innovative Unternehmen und Startups. „Dubai wirbt international damit, als Testfeld für neue Technologien zur Verfügung zu stehen, die in etablierten und oftmals stark regulierten Märkten nicht zum Zuge kommen“, so Staab. Zudem habe sich Dubai zum Ziel gesetzt, die ´happiest city on earth` zu werden. „Auch dafür spielt beispielsweise die Sammlung und Auswertung von Daten eine erhebliche Rolle.“

Silicon Valley: Edge Computing auf dem Vormarsch

Und welche Technologie-Trends werden im amerikanischen Silicon Valley, gerade gehypt?
„Edge Computing. Also die dezentrale Erhebung und Verarbeitung von Daten am „Rande“ des Netzwerks“, antwortet Tim Ole Jöhnk, Direktor des Northern Germany Innovation Office (NGIO) in San Francisco. „Anstatt Daten von Sensoren erst an weit weg (zentral) gelegene Datenzentren zu senden, werden Daten oftmals gleich an Ort und Stelle verarbeitet.“ Das könne entweder direkt am Endgerät oder innerhalb der Fabrik passieren. „Der große Vorteil ist, dass man zwar noch in der Cloud ist, aber die einzelnen Geräte nicht ständig mit dem Netzwerk verbunden sein müssen“, führt er aus.

Mit Roboter-Steuer Grundeinkommen finanzieren?

Und die Szene beschäftige sich mit der Frage, wie wir uns in Zukunft finanzieren, wenn durch Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze und Kaufkraft wegfallen. „Ich höre immer häufiger die Diskussion um ein garantiertes und bedingungsloses Grundeinkommen. Personen wie etwa Mark Zuckerberg oder Elon Musk reden schon länger davon“, erzählt Jöhnk. Auch auf die Frage, wer das Grundeinkommen bezahlen solle, glaubt man im Valley eine Lösung gefunden zu haben. „Befürworter eines Grundeinkommens schlagen vor, Roboter zu besteuern und damit die Kosten einer solchen Leistung zu decken.“
ys/kk

Auswärtige Repräsentanten

Hamburg verfügt über zehn hauptamtliche Vertretungen in der Welt. Träger der Vertretungen sind – mal gemeinsam, mal allein – die Senatskanzlei, die Handelskammer Hamburg, die Hamburg Marketing GmbH, die Hamburg Invest, die Hamburg Tourismus GmbH, die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, die Hamburg Messe und Congress GmbH sowie der Hamburg Hafen Marketing e. V.
Weitere Informationen:
www.marketing.hamburg.de/internationale-netzwerke

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