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For Seasons in der Elbphilharmonie Hamburg © HMG

Nicht länger weghören: Klimawandel in der Elbphilharmonie

„For Seasons“: Hamburger NDR Elbphilharmonie Orchester intoniert den Klimawandel. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf Basis eines Wetterdaten-Algorithmus'

“Was können wir gegen den Klimwandel schon tun, wir sind Musiker?”, fragte Alan Gilbert, Chefdirigent des Hamburger NDR Elbphilharmonie Orchesters – um dann eindrucksvoll zu demonstrieren, was für Künstler alles möglich ist. Die Musikerinnen und Musiker nutzten die Kraft der Musik, um mit ihren Mitteln auf die Auswirkungen des sich verändernden Klimas aufmerksam zu machen. Sie präsentierten Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ am Samstag (16.11.) auf der Bühne des Großen Saals der Elbphilharmonie Hamburg in einer bisher ungehörten Form: Ein Algorithmus, entwickelt auf der Grundlage historischer Wetterdaten, wurde automatisiert auf die Partitur angewendet.

Es veränderte eines der bekanntesten Werke der klassischen Musik unter dem Titel „For Seasons” hörbar und verstörend neu. „Mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen. ‚For Seasons‘ zeigen eindringlich die Folgen des Klimawandels und geben der aktuellen, brisanten Debatte eine emotionale Dimension. Man darf nicht mehr weghören“, so Alan Gilbert. Mojib Latif, international renommierter Klimaforscher: “Musik ist das perfekte Werkzeug, um den Klimawandel spürbar zu machen. Wir haben die Wetterbedingungen, wie sie Vivaldi in seinen Vier Jahreszeiten beschreibt, und können jetzt – durch die Musik – die sich verändernden Klimadaten während der letzten Jahrhunderte von Temperaturen über Niederschlagsmengen bis zur Entwicklung der Eisverhältnisse tatsächlich anschaulich darstellen.”

Frühling und Sommer mischen sich – Vögel verstummen

Der Algorithmus basiert auf wissenschaftlichen Daten von Forschungsinstituten, Umweltagenturen und Universitäten und wurde auf die Originalpartitur von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ übertragen. Die Entwicklung des Klimas – die steigende globale Temperatur, Häufigkeit von Wetter-Extremen – oder das Artensterben von Vögeln und Insekten nehmen somit Einfluss auf die Partitur. So zerfällt das harmonische Gefüge, Frühling und Sommer mischen sich, instrumentale Vogelstimmen verstummen. Das neue Abbild der „Vier Jahreszeiten”, die „For Seasons”, ist nicht bequem und fällt aus der ursprünglichen musikalischen Proportion und Balance. Kein Musikgenuss also, bei dem Besucher sich wohlig im Sessel zurücklehnen könnten.

Verstörend und unbequem

„Ich denke, das wird das Stück ganz automatisch schaffen: nämlich Menschen zu berühren“, kommentierte Yuri Christiansen, Solo-Cellistin des NDR Elbphilharmonie Orchesters die ehrenamtliche Initiative. „Fast jeder im Saal wird das Original kennen, aber schnell feststellen: Moment, das klingt jetzt ganz anders, irgendwie verstörend. ‚For Seasons‘ machen deutlich, dass nichts bleibt, wie es ist, wenn man nichts dafür tut.“
nr/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.forseasonsbydata.com
www.nacHHaltigbegeistert.de
www.hamburg-tourismus.de/musik

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