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Moderatorin Stefanie Dreyer, Dr. Nora Cavara, Hammerbrooklyn und Uwe Jens Neumann, Hamburg@work © Yvonne Scheller

Große KI-Versprechen – realistisch?

Beim Future Summit “Disrupt Now! AI for Hamburg“ wurden die Chancen von KI auf ihre Wirklichkeitstauglichkeit untersucht

Die Verheißungen sind groß und vielfältig. Mit Hilfe digitaler Techniken werden wir Krankheiten besiegen, unsere Lebensdauer erheblich verlängern – der britische Altersforscher Aubrey de Grey hält eine Gesellschaft von 1000-Jährigen für möglich – und auf Straßen und Wasserwegen werden wir autonom fahrende Fahrzeuge erleben. Realistische Zukunftsvisionen? Beim Future Summit Disrupt Now! AI for Hamburg am 21. November berichtete Marvin Kastner vom Institut für Maritime Logistik der Technischen Universität Hamburg (TUHH) etwa von der norwegischen Yara Birkeland.

Das weltweit erste autonom und emissionsfrei fahrende Containerschiff könnte 2020 seinen Betrieb aufnehmen und jährlich 40.000 LKW-Fahrten ersetzen. „Es gibt noch regulatorische Hürden, etwa hinsichtlich der Übernahme der Verantwortung – bei einem Schiff ohne Kapitän und Mannschaft“, sagt Kastner. Doch die Entwicklung autonomer maritimer Systeme sei schon relativ weit entwickelt.

Möglichkeiten von KI

 Marvin Kastner, Institut für Maritime Logistik der TUHH

Die Teilnehmer der halbtägigen Konferenz, eine Veranstaltung der Initiative Hamburg@work in Kooperation mit dem neuen Digitalcampus Hammerbrooklyn, diskutierten die Möglichkeiten und Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI, engl. AI) auf wirtschaftliche Abläufe in den fünf Hamburger Wirtschaftsclustern Maritime Wirtschaft, Aviation, Life Science, erneuerbare Energien und Logistik.

KI im Gesundheitsumfeld

Besonders vielversprechend seien die Chancen von KI aktuell im Gesundheitsumfeld. „Hier sind die Versprechen enorm“, betont Roland Becker, CEO der Just Add AI GmbH. „Roboter-Chirurgen zittern nie die Hände und sie vergessen keine Tupfer im Patienten.“ Eine KI-gestützte Stimmanalyse kann Demenz oder Alzheimer erkennen und beim Notruf eingesetzt, beispielsweise einen Herzinfarkt identifizieren. „All das ermöglicht ein sehr schnelles Eingreifen, was wiederum bessere Heilungschancen erlaubt.“ Vor allem aber verspricht der KI-Einsatz in der Radiologie erhebliche Vorteile für Patienten und Mediziner, da Algorithmen gerade in der Mustererkennung Menschen deutlich überlegen sind. „Dank digitaler Unterstützung bleibt Ärzten dann mehr Zeit für ihre Patienten.“

Größeres Vertrauen in den Menschen

Roland Becker, CEO der Just Add AI GmbH

Beim Etablieren von KI im Gesundheitswesen sei jedoch wichtig, die Menschen mitzunehmen. Und die seien aktuell noch skeptisch. „Befragt, ob sich ein Computersystem oder ein Mensch ihre Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder ansehen soll, entscheidet sich der Großteil für den Menschen“, weiß Becker. Die Angst, die Maschine könnte einen Fehler machen, wiegt schwerer als mögliche menschliche Fehler. Becker verweist auf eine ähnliche Haltung im Bezug auf das autonome Fahren. „Autonome Autos müssten zehnmal besser fahren als Menschen, bevor sie akzeptiert werden. Wir lassen uns nun mal nicht gern von Maschinen überfahren.“

Daten als unverzichtbare Grundlage

Grundlage für den Fortschritt von KI ist eine ausreichend große und qualitativ gute Datenlage, sind sich die Experten beim Summit einig. Das gelte ungeachtet der Branche, ist jedoch in der Medizin besonders augenfällig. Denn hier liegen bereits sehr viele Daten vor, die jedoch nur genutzt werden können, wenn ihre Eigentümer, die Patienten, dem zustimmen. Etwa durch anonyme Datenspenden. Deshalb sei Aufklärung so wichtig, so die einhellige Meinung. Sara Mamel, Expertin Digitalisierung bei der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), plädiert gar für eine neue Datenökonomie. „KI ist der Sauerstoff für eine datengetriebene Energiewirtschaft.“ Und die biete großes Potential.

KI erlaubt klimafreundlichere Energieversorgung

Sara Mamel, Expertin Digitalisierung, dena

So belege die dena-Analyse Künstliche Intelligenz für die integrierte Energiewende, dass KI vielfältig in allen Sektoren der Energiewirtschaft einsetzbar sei und in Zukunft einen wesentlichen Beitrag für eine sichere, klimafreundliche und kosteneffiziente Energieversorgung leisten könne. „KI erlaubt eine Verbesserung der Prognosen zu Energieerzeugung und -verbrauch und kann dazu beitragen, erneuerbare Energien besser zu integrieren“, betont Mamel.

Luftfahrt: Plattformen zur Datenanalyse

Professor Daniel Böhnke, Fachhochschule Kiel

Wiederum branchenübergreifend sehen die Experten großes Potential in KI-unterstützten Prognosen. Das Stichwort Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung) fällt immer wieder und ist etwa in der Luftfahrt schon weitgehend Realität. So nennt Professor Daniel Böhnke vom Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel die Plattformen AVIATAR, Skywise, Predix und Prognos. In der Zukunft könne KI zudem bei der Entwicklung des optimalen Flugzeugs helfen. „Viel wird daran geforscht, wie die Flugzeuge der Zukunft aussehen könnten. KI kann bei der Entwicklung helfen, geschickte Abkürzungen zu finden.“

„Bleiben Sie auf dem Laufenden!“

Ob wir nun also dank KI in ferner Zukunft der Unsterblichkeit entgegensehen oder autonomes Fahren schon bald Realität sein wird, wir sollten die Chancen der digitalen Entwicklung nutzen, sind sich die Speaker einig. Zumal fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) in automatisierten Lagern längst Realität sind, betont Dr. Christian Becker-Asano von der Robert Bosch Start-up GmbH. Wer als Unternehmer die schöne neue Welt dennoch eher skeptisch betrachtet, dem rät er zur intensiven Beobachtung der Entwicklung: „Bleiben Sie auf dem Laufenden! Das ist ein unschätzbarer Vorteil, wenn es darum geht, wichtige Neuerungen einschätzen und für den Einsatz im eigenen Unternehmen bewerten zu können.“
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
Future Summit

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