Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
OWNR Vorher/nachher-Bild © OWNR

OWNR: Leasen statt Mieten

Hamburger Startup bringt Kaufobjekte in den Mietmarkt und etabliert dabei Leasing als Finanzierungsmodell

Als Nils T. Kohle vor gut viereinhalb Jahren nach Hamburg kam, hatte er seine Altbauwohnung in Bremen eigentlich recht gut verkauft. Trotzdem ließ sich mit dem so erzielten Geld nichts Vergleichbares auf dem Hamburger Immobilienmarkt erwerben. So stellte der LBS-Immobilienmarktatlas 2018 „Hamburg und Umland“ für den Zeitraum 2013 bis 2018 bei Ein- und Zweifamilienhäusern eine Preissteigerung von 28,2 % fest, bei Eigentumswohnungen waren es gar 41,5 %. Die Konsequenz: Je höher der Kaufpreis einer Immobilie, je höher die Mietforderung, wenn nicht für den Eigenbedarf gekauft wurde.

OWNR will Angebot steigern, um Preise zu senken

Kohle überlegte, wie sich die Situation ändern lasse. „Die Erklärung liegt natürlich in dem begrenzten Angebot, dem eine hohe Nachfrage gegenübersteht. Also lautet die Frage: Wie lässt sich das Angebot steigern? Und die Antwort: Indem wir Kaufobjekte in den Mietmarkt bringen.“ Dazu wiederum sei ein neues Finanzierungsmodell nötig, so der 42-Jährige. „Und damit sind wir beim Leasing.“

OWNR-Gründer Nils T. Kohle
Nils T. Kohle © Lesander Scharlaug

Drei Optionen nach Ende der Laufzeit: Auszug, Verlängerung oder Kauf

Und so funktioniert das OWNR-Modell: Das Unternehmen arbeitet eng mit verschiedenen Maklern, darunter Engel & Völkers, zusammen und präsentiert Leasing-Interessenten aktuell gut 3.000 Objekte. „Das sind im Grunde alle sich zurzeit im Verkauf befindenden Hamburger Immobilien – wir sind damit das umfangreichste Kauf-Immobilien-Portal der Region“, betont Kohle. Die Leasinglaufzeit beträgt 18 bis 48 Monate. Kommt es zum Vertragsabschluss, kauft OWNR das Objekt und lässt es, wenn nötig, komplett renovieren. Ein halbes Jahr vor Ende der Leasinglaufzeit entscheiden die Bewohner: Ausziehen, wie in einem Mietverhältnis weiter wohnen bleiben oder Kauf zu einem vorher vereinbarten Preis. „Das funktioniert im Grunde wie beim Autoleasing“, erklärt Kohle. „Der Vertrag ist jedoch zu 85 % ein Mietvertrag, schon aus rechtlichen Gründen. Denn wir können und wollen das herrschende Mietrecht nicht ignorieren.“

Automatisierte Objekt-Bewertung mittels KI

Stattdessen will Kohle, zusammen mit seinen Co-Gründern Roland Wenidoppler, David Raabe und Sandeep Agarwal, bis 2020 mit seinen Leasingraten 5 % unter dem durchschnittlichen Mietpreis liegen „und das mit vernünftig renovierten Objekten.“ Möglichmachen soll das eine größere Markttransparenz dank künstlicher Intelligenz. „Wir automatisieren unsere Objekt-Bewertung. Dabei analysiert unsere KI zum einen die durch den Verkäufer bereitgestellten Daten sowie allgemeine Marktdaten, dazu Lage, Alter und Größe des Objekts und den Renovierungsbedarf“, erläutert Kohle. Je transparenter der Markt, desto besser lässt sich verhandeln, so die Idee. Dazu kommt, dass OWNR als „Viel-Käufer“ eine Reduzierung der Courtage erreicht und in der Zusammenarbeit mit drei größeren Handwerksunternehmen auch bei der Renovierung günstigere Konditionen aushandeln konnte.

OWNR-Konzept: Von Hamburg nach Europa

Finanziert wird OWNR durch verschiedene Privatinvestoren und bald durch einen ganz klassischen Bankkredit in Höhe von etwa 500 Millionen Euro. „Wir planen den Kauf von 750 bis 1.000 Wohnungen für im Durchschnitt 500.000 Euro inklusive der Nebenkosten.“ Bei den Kreditverhandlungen helfe die Erfahrung von Sandeep Agarwal, „der zuletzt Chairman Debt Capital Markets EMEA der Credit Suisse in London war“, betont Kohle. Der Preisklasse entsprechend, finden sich die Objekte vorwiegend in Stadtteilen wie Barmbek, Lokstedt oder Rahlstedt, weniger in Winterhude oder Eppendorf.

Bei der Gründung von OWNR im August 2017 habe ein sozialer Impetus durchaus eine Rolle gespielt, erzählt Kohle. Geld verdienen will das Startup aber auch. „Das erreichen wir durch klassisches Skalieren“, erklärt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. „Wir sind in Hamburg gestartet, haben aber vor Kurzem auch in London ein Büro eröffnet. Ende März kommt eine weiteres in Berlin dazu.“ In Deutschland seien etwa 10 Städte für OWNR interessant, sagt Kohle. „Der europäische Markt ist natürlich entsprechend größer.“
ys/sb

Quelle und weitere Informationen:
www.ownr.eu

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