Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Fintech-Experte Hartmut Giesen - © Kathrine Uldbæk Nielsen/Fintech Week Hamburg

Mächtige Tech Giants, etablierte Banken und innovative Fintechs

Finanz-Experte und FinForward-Speaker Hartmut Giesen über Bedrohungen, Chancen und Vorbilder

Die sogenannten Tech Giants Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) drängen immer weiter auf den etablierten Finanzmarkt vor. Diese Entwicklung ist vor allem im Payment-Bereich zu beobachten, z. B. mit Zahlungssystemen für mobile Geräte. Daneben gibt es immer mehr innovative Fintechs, die mithilfe von digitalen Lösungen das Bankengeschäft revolutionieren wollen. Dies eröffnet Fragen, wie: Wollen die sogenannten GAFAs die europäische Finanzindustrie erobern? Welche Rolle spielen Fintechs hierbei? Sind sie Bedrohung, Partner oder Vorbild für Banken?

Antworten hierauf will Hartmut Giesen, Business Development Manager bei der Hamburger Sutor Bank, während der FinForward am 18. Oktober geben. Die eintägige Fachkonferenz findet im Rahmen der Fintech Week in Hamburg statt und lässt etablierte Player, Fintechs und Cross-Industry-Speaker zu Wort kommen. Für die deutschlandweit größte Branchen-Veranstaltung ihrer Art erwarten die Veranstalter rund 1.500 Besucher. Die Hamburg News haben im Vorfeld mit dem Fintech-Spezialisten Hartmut Giesen gesprochen.

Hamburg News: Vom Germanistik- und Physik-Studium in die Fintech-Branche: Wie kam es dazu?

Giesen: In meinem 'Vor-Fintech-Leben’ habe ich Marketing und Kommunikation für IT- und Hightech-Unternehmen aus der Finanzbranche betrieben, u. a. auch Content Marketing. Über dieses Thema bin ich bei der Sutor Bank gelandet, die 2012 jemanden suchte, der Content Marketing sowohl inhaltlich als auch technisch umsetzen konnte. Über mehrere Entwicklungsstufen hat sich die digitale Marketingstrategie in eine digitale Geschäftsstrategie fortentwickelt, die schließlich im Aufbau der Banking-Plattform und in der strategischen Zusammenarbeit mit Fintechs mündete.

Hamburg News: Tech Giants wie Google oder Apple drängen auf den Finanzmarkt. Was erwartet das etablierte Bankwesen?

Giesen: Eher unwahrscheinlich ist, dass die Tech Giants einen Generalangriff starten und selbst Retail- oder Corporate-Banken an den Start bringen. Sehr wahrscheinlich werden sie aber Finanzdienstleistungen anbieten, die nahe an ihren Kern-Geschäftsmodellen liegen. Auf diesen Gebieten können sie dann eine sehr starke Konkurrenz für Banken werden – dies sind sie zum Teil bereits. Am weitesten ist diese Entwicklung bereits im Payment fortgeschritten. Hier sind nicht nur Google, Apple und Amazon aktiv, auch Technologie-Unternehmen wie Wirecard – die gerade die Commerzbank aus dem Dax geschmissen haben –, der Zahlungsdienstleister Ayden und natürlich Paypal spielen hier mit.

Hamburg News: Bedrohung, Partner oder Vorbild: Wie bewertest du den Einfluss von Fintechs auf Banken?

Giesen: Sie sind für die Bankenindustrie in jedem Fall ein sehr belebendes, vielleicht sogar überlebenswichtiges Element, was man in den Zeiten der Konfrontation vor zwei bis drei Jahren vielleicht nicht gedacht hätte. Zurzeit beobachten wir, dass sich die Entwicklung zur Plattform-Ökonomie mit der „Fintech-Bewegung“ kreuzt. Die gefürchteten Tech Giants arbeiten nahezu alle mit Plattform-Geschäftsmodellen, von denen sich Banken mehr herausgefordert fühlen als sie dies je von Fintech-Konkurrenten waren. Fintechs sind jetzt gefragte Partner, mit denen sich Banken fit für die Plattform-Ökonomie machen können.

Hamburg News: Was zeichnet das Hamburger Fintech-Ökosystem aus?

Giesen: Hamburg hat es interessanterweise geschafft, mit einer sicherlich kleineren Fintech-Basis als Berlin und Frankfurt einige der erfolgreichsten und am höchsten bewerteten Fintechs hervorzubringen, dazu gehören Deposit Solutions/Zinspilot, Kreditech, Figo oder Finanzcheck 24. Dies liegt vielleicht an dem Attribut, das die Startup-Szene in Hamburg auszeichnet: Hier gründen die ‚Erwachsenen‘ Unternehmen, die zugleich das Umsetzungs-Know-how besitzen, diese auch groß zu machen. Als Rückkopplung hat sich in den letzten Jahren eine sehr lebendige Fintech-Community gebildet, für die es regelmäßige Veranstaltungen zum Diskutieren und Vernetzen gibt.

Hamburg News: Wo siehst du die deutsche Fintech-Branche in fünf Jahren?

Giesen: Ich glaube, wir werden dann eine sehr diverse und bunte Fintech-Branche erleben. Sie wird mitunter aus etablierten Banken, denen es gelingt, sich in verschiedenen Rollen an die Plattform-Ökonomie anzupassen, bestehen. Aber auch aus neuen Banken und regulierten Unternehmen, die einst als Fintechs starteten und nun vollwertige, lizenzierte Player sind. Zudem wird es Fintechs ohne Lizenzen geben, die in den Ökosystemen der regulierten Unternehmen (über-)leben. Darüber hinaus werden weiterhin Alt-Geschäftsmodell-Banken aktiv sein, die sich als die jeweils besten ihrer Art mit traditionellen, stark digitalisierten Stärken halten konnten, z. B. Privatbanken für Kunden mit komplexen Vermögen oder Investment-Banken für komplizierte Finanztransaktionen. Daneben werden auch zahlreiche Nicht-Banken existieren, die mithilfe von Banking-as-a-Service-Plattformen Finanzprodukte und Services unter eigenem Namen anbieten. Dieser Trend ist heute unter den Begriffen Kontext- oder Vertical-Banking bekannt. Und ganz klar, die GAFA-Unternehmen werden als sehr mächtige Sondergruppe der Nicht-Banken Finanzdienstleistungen und -produkte anbieten, die nahe an ihren Basis-Geschäftsmodellen platziert sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Sarah Bischoff

Quelle und weitere Informationen
www.fintechweek.de/finforward
www.next-finance-blog.de
www.sutorbank.de

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