Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Wirtschaftssenator Frank Horch - © Florian Jaenicke

Senator Frank Horch: Das wollen wir in diesem Jahr bewegen

2018 wird spannend für die Hamburger Wirtschaft: Elbvertiefung, Zukunftshafen, neue Mobilität und Arbeit 4.0 – dazu der Wirtschaftssenator in den Hamburg News

Am Stehtisch in der Lobby seines Büros im 8. Stock der Wirtschaftsbehörde gibt Senator Frank Horch noch schnell ein paar Order, kleiner Scherz am Rande – und schon geht es zum Interview. Kurzer Blick zur Uhr, der nächste Termin drängt, doch er nimmt sich Zeit, die Themen sind ihm wichtig.

Hamburg News: Lieber Herr Horch, der Hafen ist nicht alles, aber ohne den Hafen ist alles nichts. Beginnen wir mit dem Thema Elbvertiefung. Wann rücken die Bagger an?

Frank Horch: Wir waren noch nie so weit wie heute. Die wichtigsten Schritte haben wir hinter uns. Wir rechnen damit, dass wir noch in diesem Jahr das Baurecht erhalten und mit den vorbereitenden Maßnahmen starten können. Natürlich geht es nicht nur um Bagger. Das ist ein hochkomplexer und aufwendiger Prozess mit vor allem auch ökologischen Aspekten. Aber ja, 2018 wollen wir starten.

Hamburg News: Im Ausland wird die Hamburger Wirtschaft vor allem mit dem Hafen assoziiert, der Strukturwandel erfordert aber mehr…

Frank Horch: Natürlich ist und bleibt der Hafen wichtig als die zentrale Drehscheibe für wirtschaftliche Abläufe. Wirtschaft ist vor allem Infrastrukturpolitik. Aber der Hafen befindet sich in starken Veränderungsprozessen, so wie er das in seiner über 800-jährigen Geschichte immer wieder getan hat. Heute kommen für die Hamburger Wirtschaft wichtige Zukunftsfelder dazu, wie beispielsweise der 3D-Druck, den wir gerade durch die Erweiterung der Fraunhofer-Aktivitäten für 3D-Druck und Nanotechnologie mit 30 Millionen Euro fördern.

Hamburg News: Welches sind denn neben der Elbvertiefung Ihre drei Schwerpunkte für 2018?

Frank Horch: Das Thema Innovation wird für die Hamburger Wirtschaft immer wichtiger und liegt mir persönlich besonders am Herzen. Hier wollen wir insbesondere die Zusammenarbeit und Vernetzung der Wissenschaft mit der Wirtschaft weiter vorantreiben. Wir fördern Ideen, die dann zu erfolgreichen Geschäftsmodellen und Produkten werden. Daher gehört auch das Thema Startups zu unseren Schwerpunkten für 2018. Den Beginn haben wir mit dem neuen Startup Hub als zentrale Anlaufstelle für alle Player der Branche bei der Hamburg Invest bereits gemacht. Zudem wollen wir mit einem 100-Millionen-Euro-Fonds ab Ende 2018 Innovation und Wachstum fördern. Zehn Millionen gibt die Stadt, 90 Millionen Euro sollen von Investoren kommen. Wichtig wird außerdem das Thema intelligente Mobilität sowie die Digitalisierung insgesamt.

Horch: „Wir brauchen ein neues Verständnis von Mobilität“

Hamburg News: Kritiker sehen Hamburg bereits vor einem Verkehrsinfarkt. Wie wollen Sie die Probleme denn mit intelligenter Mobilität lösen?

Frank Horch: Wir müssen vor allem ein neues Verständnis für Mobilität entwickeln. Es kann nicht sein, dass viele Menschen Verkehr vor allem mit Staus und Baustellen assoziieren. Ich möchte möglichst jedem ein Verständnis davon vermitteln, was ist Mobilität im 21. Jahrhundert? Es gibt nicht mehr das eine richtige Verkehrsmittel. Deshalb geht es heute um Vernetzung und die Nutzung neuer digitaler Angebote und Information. Seien es die Mobilitätsangebote von Bahn, Bus und diversen Sharing-Angeboten genauso wie der Radverkehr und natürlich auch das eigene Auto. In einer zwei-Millionen-Stadt, aber 5,3-Millionen-Metropole sollte man sich immer fragen, zu welcher Zeit man womit am besten an sein Ziel kommt.

Das Projekt HEAT bringt autonom fahrende und emissionsfreie Shuttlebusse auf die Straßen Hamburgs

Hamburg News: Mobilität spielt auch im Zusammenhang mit dem ITS-Weltkongress für intelligente Transportsysteme eine Rolle, der 2021 in Hamburg stattfindet. Erwartet werden rund 10.000 Experten aus den Bereichen Verkehr, Mobilität, IT, Telekommunikation und Logistik, Wissenschaft und Politik. Was hat denn der Hamburger Bürger von dem Kongress?

Frank Horch: Der Kongress 2021 ist das eine, es starten aber bereits jetzt im Vorfeld zahlreiche Projekte, wie zum Beispiel das Projekt HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) für autonom fahrende emissionsfreie Shuttlebusse in Hamburg, und viele weitere Projekte wie die intelligente Parkplatzsuche, vernetzte Ampeln oder das U-Bahn-Ticket auf dem Smartphone. Das werden auch die Hamburger positiv wahrnehmen. Wir wollen in diesem Bereich Modellstadt in Europa werden. Das Thema Mobilität ist sichtbarer und für jeden konkret im Alltag spürbarer Ausdruck der Digitalisierung, die wir in Hamburg vorantreiben wollen. Dazu gehört auch die Testphase für den neuen Mobilfunk-Standard 5G in Hamburg. Hier hat die EU unseren Hafen als europaweit einziges Testgebiet für 5G im gewerblichen Bereich ausgewählt. Das zeigt, welchen Stellenwert wir haben. Im privaten Bereich wird 5G in Turin getestet.

Hamburg News: Damit wären wir beim Jahres-Schwerpunkt-Thema Nummer drei, der Digitalisierung. Sie werden Ihr Büro ja demnächst mit Herrn Saxe von der HPA teilen.

Frank Horch: In der Tat unterstützt Dr. Sebastian Saxe, der Chief Digital Officer der Hamburg Port Authority, die Wirtschaftsbehörde mit 20 Prozent seiner Arbeitszeit als CDO und wird unsere Digitalisierungsvorhaben ganzheitlich vorantreiben. Da sind wir dann in großen Schritten sehr weit gekommen, was die Digitalisierung betrifft. Herr Dr. Saxe wird aber schon ein eigenes Büro haben.

Hamburg News: Viele sehen in der Digitalisierung eine gigantische Arbeitsplatzvernichtungsmaschine. Es gibt Untersuchungen, nach denen in Hamburg knapp jeder zehnte Job durch Automatisierung gefährdet ist.

Frank Horch: Davon kann nicht die Rede sein. Dennoch ist es mir ganz wichtig zu betonen, dass wir diesen Prozess der Digitalisierung aktiv begleiten werden, das regelt sich nicht von allein. Wir werden zur Industrie 4.0 auch genau so intensiv einen Prozess der Arbeit 4.0 aufsetzen. Arbeitnehmer, die in Bereichen arbeiten, die sich stark verändern, müssen wir aktiv mit Aus- und Weiterbildung begleiten, also der gesamte Bereich der Mitarbeiterqualifikation. Auch das Thema Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang wichtig. Wir müssen den digitalen Wandel also auch sozial und ökologisch gestalten, damit wir die Arbeitsplätze sichern und ausbauen und die hohe Lebensqualität Hamburgs als wichtigen Standortfaktor erhalten.

Hamburg News: Lieber Herr Horch, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Karolin Köcher

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