Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Olaf Rotax dgroup Accenture - © Olaf Rotax dgroup Accenture

Das sind die derzeit wichtigsten Trends in China

Hamburg könnte digitale Brücke und Importbrücke für Innovationen sein, meint Accenture-Digital-Experte Olaf Rotax in den Hamburg News

Hamburg war Gastgeber des achten China-Gipfels in der Handelskammer. Mit mehr als 550 chinesischen Firmen ist Hamburg der führende Standort in Deutschland. Olaf Rotax, Managing Director bei der dgroup in Hamburg, einer der führenden Beratungen für digitale Transformation in Europa und Teil des globalen Accenture-Netzwerkes, hält insbesondere die Startup-Kultur in Asien für besonders innovationsfördernd. Gründern rät er: “Schaut nicht ins Valley, sondern nach China.”

Hamburg News: Lieber Herr Rotax, auf dem Hamburg Summit leiteten Sie das Panel “Chinas digitale Verbraucher – die Präferenzen chinesischer Online-Käufer verstehen” – wie anders konsumieren denn die Chinesen, inwieweit ist das für uns zu berücksichtigen?

Olaf Rotax: Die chinesischen Nutzer sind „uns“ in Europa in ihrem Nutzungsverhalten deutlich voraus – sie haben einen Entwicklungszyklus übersprungen und können in vielen Punkten als Entwicklungsprognose für uns gelten. Die Nutzung ist fast ausschließlich mobil, das Payment fast lückenlos digital und die Applikationen in wenigen „Super-Apps“ gebündelt. Darüber hinaus besteht eine deutlich höhere Akzeptanz von Transparenz bei der Nutzung persönlicher Daten, wenn diese für individuelle und allgemeine Mehrwerte verwendet werden.

Hamburg News: Worauf ist die hohe Innovations-Geschwindigkeit der Chinesen zurückzuführen?

Olaf Rotax: China hat u.a. erkannt, dass die angestrebte – auch wirtschaftliche – Führungsrolle nicht durch Kopie des bestehenden, meist noch westlich dominierten Wirtschaftssystems zu erreichen ist, sondern setzt darauf in den Schlüsselindustrien der Zukunft durch systematische Investitionen vorne zu liegen. Ziel ist ein „Überholen ohne Einzuholen“. Gleichzeitig bietet der chinesische Markt aufgrund seiner Größe von jetzt über 1 Mrd. Online-Nutzern dem erwarteten Wachstum neuer Mittelschichten von mehreren 100 Mio. Bürgern und der Offenheit der Menschen und Regierung zum Testen von Neuem – insbesondere mit dem Rohstoff der Zukunft Daten – einen idealen „Nährboden“* für schnell wachsende und investitionsstarke Startups. In China finden aktuell die klassische weitere Industrialisierung und zukünftige Digitalisierung gleichzeitig statt und beide Entwicklungen verstärken sich.

Hamburg News: Welches sind derzeit die wichtigsten Trends aus Asien (China)?

Olaf Rotax: Die aktuell zu beobachten stark wachsenden chinesischen Digitalen Ecosysteme um Alibaba, Tencent und Baidu sind nur die Vorstufe eines ganzheitlichen digitalen neuen Wirtschaftssystems. In China entsteht derzeit eine erstmalige echte Konkurrenz zur bei uns nach wie vor dominierenden „sozialen Marktwirtschaft“ – eine „Digital Sharing Economy Ecosystem“, die nicht unserem Verständnis der westlichen Demokratie folgt, sondern einen eigenen Weg geht.

Die zukünftigen Schlüsselindustrien wie Future Moblility, Future Banking, Future Energy, Future Retail und Future Health entstehen zur Zeit in China und nicht in Europa. China hat die Entwickungsstufe des „Copy & Paste“ fast überwunden und wird zu einem und vielleicht sogar dem wichtigsten Innovationsmotor werden.

Die realistisch wichtigsten Schlüsseltechnologien rund um Künstliche Intelligenz, Blockchain und Quantum Computing werden in China auf Augenhöhe mit den USA erwartet. China wird das Rohöl und die Ölindustrie der Zukunft prägen, in dem es auf Daten, Künstliche Intelligenz und Quantum Computing setzt.

Hamburg News: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen/Risiken für die Wirtschaft Europas/Deutschlands?

Olaf Rotax: In Europa und Deutschland können wir nach wie vor stolz auf die Errungenschaften der klassischen Industrialisierung setzen und sind auch nach wie vor auf Gebieten wie Industrie 4.0 führend – gleichzeitig spielt Europa in der Plattform-und Ecosystemökonomie der Zukunft heute keine Rolle. Ohne einen stärkeren kollaborativen Ansatz werden die notwendigen Ressourcen von mehreren hundert Milliarden Euro sowie die Notwendigkeit das beste Talent zu poolen durch keine einzelne Regierung oder kein einzelnes Unternehmen zusammengefügt werden können – aktuell ist unklar, ob wir neben den USA und China ein drittes digitales Ecosystem der Zukunft haben werden.

Wir brauchen eine deutlich realistischere Sicht auf unsere Zukunft, in der das „weiter so“ nicht erfolgreich sein wird und das sehr freien Kräften überlassene Optimieren von wirtschaftlichen Partikularinteressen nicht mehr das alleinig führende System darstellt. Wir brauchen nicht weniger Europa, sondern mehr Europa – wir brauchen vielleicht Ideen wie eine „Daten-Union“ und eine „Schlüsseltechnologie-Union“.

Hamburg News: Hamburg ist für China das wichtigste Handelszentrum in Deutschland. Wie können wir diese Stellung halten?

Olaf Rotax: Hamburg wird durch seine Funktion als einer der wichtigsten globalen Häfen auch in Zukunft eine wichtige Position im Handel mit China einnehmen und stellt einen wichtigen – wenn auch nicht exklusiven – Pfeiler der Deutsch-Chinesischen Brücke dar. Gleichzeitig ist es jetzt an der Zeit, die teilweise noch zu häufig als analoge Einbahnstraße für Güter-Export gesehene Brücke auch zu einer Digitalen Brücke sowie zu einer Importbrücke für Innovation auszubauen. Wir haben gute Beziehungen zwischen Politik und Unternehmen und der aktuelle Hamburg Summit ist eine tolle Chance diese gute Ausgangsposition für die Weiterentwicklung zu nutzen.

Am Ende sollten wir weiter hanseatisch vorgehen – weniger Schein und lautes Gerede und mehr verlässliche Taten und langfristig orientierte Zusammenarbeit vor allem in den Schlüsselindustrien der Zukunft, zu denen auch New Retail gehört.

Hamburg News: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Karolin Köcher

Weitere Informationen:
www.d-group.com
www.hamburg-summit.com

Enge Verbindungen

Hamburg ist ein bedeutender End- und Knotenpunkt der chinesischen „Belt and Road-Initiative“ (BRI). Der Hamburger Hafen ist für China das wichtigste Eintrittstor nach Europa. Außerdem ist Hamburg der bedeutendste europäische Eisenbahn-Hub. Jede Woche verkehren bis zu 30 Züge zwischen Hamburg und 27 chinesischen Städten. Hamburg ist die einzige Stadt, die sowohl Teil der maritimen als auch der landgestützten Seidenstraße ist. Der Austausch mit China erfolgt nicht nur auf der wirtschaftlichen, sondern auch auf der kulturellen Ebene durch eine Vielzahl an Kooperationen und Netzwerken im Bereich von Kunst und Kultur sowie Bildung und Wissenschaft. Heute hat sich Hamburg als führendes China-Zentrum Europas etabliert.
(Quelle: Senatskanzlei)

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