Hamburg News: Hafen und Logistik - Shipping-Container-Schiff - © HMG www.mediaserver.de Christian Spahrbier
V.l.n.r. Noah Abrokwa, Wirtschaftssenior Reinhard Hahn, CTO Finn Malte Hinrichsen und Philip Patschan © Yvonne Scheller

Hamburger Wirtschaftssenioren: Den Kunden verstehen

Ehemalige Unternehmer oder Führungskräfte bringen ihre Erfahrung ein und beraten Startups oder kleinere Unternehmen. Hamburg News war bei einer Beratung dabei

Es ist das 2. Treffen zwischen Wirtschaftssenior Reinhard Hahn und den Gründern von Tunecity. Dieses Mal soll es in einem der WeWork-Konferenzräume am Axel-Springer-Platz um den Finanzplan gehen. Ein Thema, das von vielen angehenden Unternehmern als schwierig empfunden wird. Dabei ist gerade die Erstellung eines tragfähigen Finanzplans ein entscheidender Faktor in der Gründungsphase. An diesem 9. September aber erwartet Ratgeber Hahn eine Überraschung. „Ein Investor hat sich gemeldet“, verkündet Noah Abrokwa. Es handle sich um einen international agierenden Player der Branche, der in erheblichen Maße einsteigen wolle.

Förderung durch den Music WorX Accelerator 2019

„Aber wir wollen nicht“, schiebt Abrokwa schnell hinterher und holt sich mentalen Rückhalt bei seinem Mitgründer Philip Patschan und CTO Finn Malte Hinrichsen, die zustimmend nicken. Eine kleine Pause entsteht. Denn natürlich ist ein finanzkräftiger Partner eine große Chance für ein gerade frisch gegründetes Startup, das noch ganz am Anfang steht. Ende August wurde Tunecity in den Music WorX Accelerator 2019 aufgenommen. Die Sitzungen mit Reinhard Hahn, ehemals Mitglied der Geschäftsleitung Deutsche Bank AG und heute Vorstand des Vereins Wirtschafts-Senioren-Beraten, sind Teil des dreimonatigen Förderprogramms.

Die Unternehmensidee ist erst der Anfang

Doch die Gründer sind sich einig. „Wir sind noch nicht so weit“, erklärt Patschan. Zunächst soll sich ihre Geschäftsidee in der Praxis beweisen. Mit einer App wollen sie lokale Musiker mit Musikorten und Musikfans verbinden. Mittels Augmented Reality werden virtuelle Anreize platziert, die Gleichgesinnte zu einem realen Konzerterlebnis zusammenführen – gemäß dem Tunecity-Motto: ´Social – Music – Gaming`. Sich nun zu einem so frühen Zeitpunkt an einen Investor zu binden, der dann den Kurs des jungen Unternehmens maßgeblich mitentscheiden kann, behagt den Dreien nicht. Hahn gibt ihnen recht, das sei ein Risiko. Und er gibt zu bedenken: „In der Regel erwarten Investoren Anteile im Gegenzug für ihr Geld. Ein so junges Unternehmen, lässt sich allerdings nur schwer bewerten. Wobei es natürlich eine ganze Reihe verschiedener Spielarten für eine Partnerschaft gibt.“

Innovation ist entscheidend

Doch die Gründer möchten sich lieber für weitere öffentliche Förderungen qualifizieren. InnoRampUp und InnoFounder schweben ihnen vor. Was nötig sei, um einen erfolgversprechenden Antrag zu stellen, fragen sie Hahn. „Gefördert werden Startups, die sich durch eine echte Innovation auszeichnen“, antwortet der. „Es muss keine technische Innovation sein, aber der Vergabeausschuss möchte etwas ganz Neues sehen, das einen Mehrwert bietet.“ Womit sich die Diskussion zunehmend um die Details der App dreht, mit der Tunecity einen Markt erobern will, der so noch gar nicht existiert. Hahn bringt sie zurück zum zentralen Punkt: „Entscheidend ist, dass ihr den Kunden versteht, um ein Feature zu entwickeln, das Facebook und die Gamerszene noch nicht gesehen haben.“

Hypothesen zum User-Verhalten überprüfen

Abrokwa, Patschan und Hinrichsen stimmen zu. Sie planen Interviews, um ihre Vorstellungen zu überprüfen. „Wir haben verschiedene Hypothesen zum User-Verhalten. Durch die Interviews wollen wir herausfinden, welche am ehesten in der Praxis Bestand hat“, erklärt Hinrichsen. „Am besten entwickelt ihr dazu 10 bis 15 Standardfragen, die zum Kern eurer Geschäftsidee vordringen, um so aus den Antworten eine saubere Schnittmenge von Informationen zu erhalten“, rät Hahn.

Berater mit Erfahrungshintergrund aus allen Branchen

Schnell sind zwei Stunden um. Hat die Sitzung die Gründer vorangebracht? „Auf jeden Fall“, betont Abrokwa. „Die Mischung aus Fachwissen und dem Verständnis menschlicher Dynamik, die Reinhard Hahn mitbringt, ist für uns ungeheuer wertvoll. Neben ganz konkreten Ratschlägen und Informationen bieten uns die Gespräche wichtige Orientierung.“ In knapp 14.000 Fällen hat der Verein in den 35 Jahren seines Bestehens schon beraten. 25 bis 30 Berater stehen als Coach, Sparringspartner oder Mediator branchenübergreifend zur Verfügung. „In unserem Verein haben wir Juristen, Personaler oder Marketingexperten, aber auch Techniker oder Naturwissenschaftler, bis hin zu Bankern, wie ich einer war“, erklärt Hahn. Neben der fachlichen Expertise bringen die ehrenamtlichen Berater auch ihr Netzwerk und ihre persönliche Erfahrung mit ein, die sie als Führungskräfte oder Selbständige im Laufe ihres Berufslebens gesammelt haben.
ys/kk

Quelle: www.wirtschafts-senioren-beraten.de

Wirtschafts-Senioren-Beraten

Der Verein Wirtschafts-Senioren-Beraten e.V. bietet ein vielfältiges Beratungsangebot für Unternehmer, Existenzgründer, Start-Ups, gemeinnützige Organisationen und Vereine und berechnet pro Stunde eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro. Kostenlose Eingangsberatungen bietet der Verein bei seinen Sprechtagen in verschiedenen Stadtteilen an.

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