Hamburg News: Hafen und Logistik - Shipping-Container-Schiff - © HMG www.mediaserver.de Christian Spahrbier
E-Scooter: Bald auch in Hamburg unterwegs? © Floatility GmbH

Hamburger Unternehmen setzen auf den Mikro-Mobility-Trend

E-Scooter könnten bald das Stadtbild prägen. Hamburger Unternehmen stehen mit ihren Angeboten in den Startlöchern

Sie sind handlich, leise und umweltfreundlich. Und sie bewegen die Gemüter: E-Scooter. Die E-Fahrzeuge prägen in den USA das Stadtbild der Metropolen, auch in einigen europäischen Ländern sind die elektrisch angetriebenen City-Roller bereits zugelassen. Anfang April 2019 beschloss das Bundeskabinett eine entsprechende Verordnung, die auch die Nutzung auf deutschen Straßen erlauben soll. Dies bedarf noch der Zustimmung des Bundesrats, der voraussichtlich am Freitag (17. Mai) tagen wird. So könnten die Elektro-Tretroller hierzulande bereits im Frühjahr auf unseren Straßen unterwegs sein. Hierfür stehen bereits zwei Unternehmen in den Startlöchern: Hive und E-Floater. Sie wollen E-Scooter im Sharing-Modell anbieten. Zudem entwickeln und vertreiben Hamburger Unternehmen wie die Walberg Urban Electrics GmbH eigene E-Scooter.

Status quo: E-Scooter auf Privatgelände erlaubt

Der aktuelle Entwurf des Bundesverkehrsministeriums sieht vor, dass E-Scooter mit bis zu 12 km/h auf Gehwegen, Radwegen und in Fußgängerzonen fahren dürfen. Schnellere E-Fahrzeuge von mehr als 12 km/h sollen auf Radwegen bzw. Radfahrstreifen genutzt werden. Zudem soll es vorerst keine Helmpflicht geben. Kritiker, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e. V., sehen insbesondere auf den Fußwegen ein erhöhtes Unfallrisiko. In Deutschland sind die E-Kickscooter momentan nur auf Privat- bzw. Firmengeländen zugelassen.

Hive startet Pilotprojekt mit DESY

Am 16. April 2019, noch vor der landesweiten Zulassung, hat die Daimler-Tochter MyTaxi mit ihrer E-Scooter-Marke Hive ein Pilotprojekt in der Hansestadt gesstartet. In Kooperation mit dem DESY (Deutsches Elektronen-Synchroton) sollen 100 E-Roller für die Wissenschaftler und Mitarbeiter auf dem Campus in Hamburg-Bahrenfeld bereitgestellt werden. Die elektrisch angetriebenen City-Roller von Hive basieren auf der Technologie des Hamburger Software-Anbieters WunderCar Mobility.

Die Elektro-Tretroller lassen sich per App ausleihen, in dieser wird auch der Ladestatus angezeigt. „Wir kontrollieren über unser Backend des Ladestatus der Scooter und laden diese dann bei uns auf. Dafür wollen wir ausschließlich Öko-Strom verwenden“, erklärt Dennis Heinert, Head of Communication bei MyTaxi. Ende 2018 startete Hive die E-Roller im Pilotprojekt in Lissabon. Darüber hinaus ist Hive in Paris, Athen, Warschau und Breslau aktiv. Am 18. April soll Wien folgen. „Insgesamt wollen wir in diesem Jahr in 20 europäischen Metropolen starten“, so Heinert weiter. In Hamburg werden die E-Fahrzeuge voraussichtlich eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h erreichen – mit einer Reichweite von rund 50 Kilometern.

E-Floater-Gründer will Lösung für die letzte Meile bieten

Auch Oliver Risse von E-Floater (ehemals Floatility) hat bereits auf internationalen Märkten in Asien und Europa Erfahrungen gesammelt. In einem alten Schiffscontainer am Hafen, auf dem MLove-Campus gegenüber der HafenCity, tüftelt er an den selbst entwickelten, dreirädrigen Mikro-Scootern und der dazugehörigen App. Die Idee des sogenannten E-Floaters: Das glasfaserverstärkte Kunststoff-Gestell soll es dem Nutzer erlauben, durch entsprechende Verlagerungen des Körpergewichts zu ‚floaten‘, indem der Roller in fließenden, wellenförmigen Linien durch die Straßen gleitet. Dadurch soll ein ähnliches Gefühl wie beim Skifahren entstehen.

Mit dem E-Kickscooter will der Gründer das Problem der ‚letzten Meile‘ angehen und das Mobilitätsangebot in Hamburg ergänzen. So würden sich die Mini-Fahrzeuge vor allem für Kurzstrecken zur Arbeit bzw. wieder zurück eignen. „Im Stadtgebiet Hamburg werden wir free-Sharing anbieten, was bedeutet, dass die E-Kickscooter nach der Nutzung nicht an bestimmten Stationen abgegeben werden müssen“, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit. Die Akkus des E-Scooters sind austauschbar und sollen täglich ausgewechselt werden. Um diese Wartungsarbeiten durchzuführen, sollen E-Lastenräder zum Einsatz kommen.

Hamburger ruft Arbeitsgruppe in Brüssel ins Leben

Florian Walberg, Gründer von Walberg Urban Electrics, fing nach eigener Aussage bereits vor 20 Jahren an, sich mit E-Scootern zu beschäftigen. 2011 gründete er seine eigene Firma und entwickelt, produziert und vertreibt seitdem die faltbaren Elektro-Tretroller von der Speicherstadt aus nach ganz Europa. Zudem initiierte der Hamburger eine Brüsseler Arbeitsgruppe, um gemeinsam mit anderen Herstellern und Distributoren eine einheitliche Richtlinie für elektrisch angetriebene City-Roller zu entwerfen. Mittlerweile beschäftigt der Walberg 18 Mitarbeiter und hat bereits mehr als 50.000 Roller verkauft.

Mobilitätswende von Hamburg aus vorantreiben

E-Scooter können bei der Mobilitätswende eine entscheidende Rolle spielen. So ist der Bereich Mikromobilität auf der letzten Meile ein wichtiges Thema der Strategie für Intelligente Verkehrssysteme (ITS-Strategie) der Stadt Hamburg. 2021 findet der ITS-Weltkongress in der Hansestadt statt. So gehört insbesondere der Bereich ‚Mobilität als Service‘ zu einem der acht Handlungsfelder der Strategie. Zudem zahlt die emissionsarme E-Mobilität auf den Hamburger Klimaplan ein, der 2015 vom Hamburger Senat beschlossen wurde. Darin ist das Thema Elektromobilität als eines der Leitprojekte festgelegt.

Hamburg und andere deutsche Städte warten auf den Startschuss: In Hannover wird beispielsweise vom 2. bis 4. Mai 2019 erstmals die Micromobility Expo stattfinden, die sich rund um E-Tretroller, E-Fahrräder und Cargo-Bikes drehen wird.
sb/kk

Quelle und weitere Informationen
www.ridehive.com
www.e-floater.com
www.urban-electrics.com
www.its2021.hamburg
www.hamburg.de
www.bundesregierung.de

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.