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E-Scooter prägen bald auch Hamburgs Stadtbild © Floatility GmbH

Grünes Licht: E-Scooter bald auch in Hamburg unterwegs

Bundesrat beschließt Zulassung von elektronischen Tretrollern in deutschen Städten. Hansestadt testet E-Scooter bereits im Pilotprojekt. Unternehmen startklar

Handlich, leise und umweltfreundlich. Die elektrisch angetriebenen City-Roller sind aus amerikanischen Städten kaum noch wegzudenken, und auch in einigen europäischen Ländern sind die kleinen Flitzer bereits zugelassen. Nun ist es auch in Deutschland offiziell: Am Freitag (17. Mai 2019) stimmte der Bundesrat einer Verordnung des Bundesverkehrsministeriums zu. Demnach sind E-Scooter künftig auch in der Bundesrepublik erlaubt. Die Verordnung tritt voraussichtlich im Juni in Kraft. In Hamburg-Bahrenfeld haben die E-Kickscooter bereits Fahrt aufgenommen. Darüber hinaus stehen einige Hamburger Unternehmen mit ihren Mikro-Mobility-Angeboten bereits in den Startlöchern.

E-Scooter ab 14 Jahren und auf Radwegen erlaubt

Dazu erklärt Bundesminister Andreas Scheuer: „Wir wollen neue Wege moderner, umweltfreundlicher und sauberer Mobilität in unseren Städten.“ Die Mikromobilität habe ein enormes Zukunftspotenzial. Zusammen mit dem ÖPNV sei sie eine echte zusätzliche Alternative zum Auto, ideal etwa für die letzte Meile von der U-, S-Bahn oder Bushaltestelle nach Hause oder zur Arbeit, so Scheuer weiter. Bevor die Verordnung in Kraft tritt, sieht sich die Bundesregierung in der Pflicht, die Änderungswünsche des Bundesrats umsetzen. Anders als ursprünglich vorgesehen, sollen die E-Scooter nicht auf Gehwegen fahren dürfen, sondern nur auf Radwegen. Darüber hinaus sollen die elektrischen Fahrzeuge erst ab 14 Jahren erlaubt sein. Die Verordnung sah zunächst eine Nutzung ab einem Alter von 12 Jahren vor. Weiterhin soll es keine keine Helmpflicht geben, auch ein Führerschein wird nicht benötigt. Doch die E-Tretroller müssen versichert sein. In Deutschland sind die Mikro-Fahrzeuge momentan nur auf Privat- bzw. Firmengeländen zugelassen.

Elektroroller im Testbetrieb auf dem DESY-Campus

Mitte April 2019, noch vor der landesweiten Zulassung, hat die Daimler-Tochter MyTaxi mit ihrer E-Scooter-Marke Hive ein Pilotprojekt in der Hansestadt gestartet. In Kooperation mit dem DESY (Deutsches Elektronen-Synchroton) stehen für die Wissenschaftler und Mitarbeiter auf dem Campus in Hamburg-Bahrenfeld rund 100 E-Roller bereit. Die elektrisch angetriebenen City-Roller von Hive basieren auf der Technologie des Hamburger Software-Anbieters WunderCar Mobility.

Die Elektro-Tretroller lassen sich per App ausleihen, in dieser wird auch der Ladestatus angezeigt. „Wir kontrollieren über unser Backend des Ladestatus der Scooter und laden diese dann bei uns auf. Dafür wollen wir ausschließlich Öko-Strom verwenden“, erklärt Dennis Heinert, Head of Communication bei MyTaxi. Ende 2018 startete Hive die E-Roller im Pilotprojekt in Lissabon. Darüber hinaus ist Hive in Paris, Athen, Warschau, Breslau und seit April auch in Wien aktiv. „Insgesamt wollen wir in diesem Jahr in 20 europäischen Metropolen starten“, so Heinert weiter. In Hamburg werden die E-Fahrzeuge voraussichtlich eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h erreichen – mit einer Reichweite von rund 50 Kilometern.

Dreirädrige Mikro-Scooter für die letzte Meile

Auch Oliver Risse von E-Floater (ehemals Floatility) hat bereits auf internationalen Märkten in Asien und Europa Erfahrungen gesammelt. In einem alten Schiffscontainer am Hafen, auf dem MLove-Campus gegenüber der HafenCity, tüftelt er an den selbst entwickelten, dreirädrigen Mikro-Scootern und der dazugehörigen App. Die Idee des sogenannten E-Floaters: Das glasfaserverstärkte Kunststoff-Gestell soll es dem Nutzer erlauben, durch entsprechende Verlagerungen des Körpergewichts zu ‚floaten‘, indem der Roller in fließenden, wellenförmigen Linien durch die Straßen gleitet. Dadurch soll ein ähnliches Gefühl wie beim Skifahren entstehen.

Mit dem E-Kickscooter will der Gründer das Problem der ‚letzten Meile‘ angehen und das Mobilitätsangebot in Hamburg ergänzen. So würden sich die Mini-Fahrzeuge vor allem für Kurzstrecken zur Arbeit bzw. wieder zurück eignen. „Im Stadtgebiet Hamburg werden wir free-Sharing anbieten, was bedeutet, dass die E-Kickscooter nach der Nutzung nicht an bestimmten Stationen abgegeben werden müssen“, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit. Die Akkus des E-Scooters sind austauschbar und sollen täglich ausgewechselt werden. Um diese Wartungsarbeiten durchzuführen, sollen E-Lastenräder zum Einsatz kommen.

Florian Walberg ruft Arbeitsgruppe in Brüssel ins Leben

Florian Walberg, Gründer von Walberg Urban Electrics, fing nach eigener Aussage bereits vor 20 Jahren an, sich mit E-Scootern zu beschäftigen. 2011 gründete er seine eigene Firma und entwickelt, produziert und vertreibt seitdem die faltbaren Elektro-Tretroller von der Speicherstadt aus nach ganz Europa. Zudem initiierte der Hamburger eine Brüsseler Arbeitsgruppe, um gemeinsam mit anderen Herstellern und Distributoren eine einheitliche Richtlinie für elektrisch angetriebene City-Roller zu entwerfen. Mittlerweile beschäftigt der Walberg 18 Mitarbeiter und hat bereits mehr als 50.000 Roller verkauft.

Mobilitätswende von Hamburg aus

E-Scooter können bei der Mobilitätswende eine entscheidende Rolle spielen. So ist der Bereich Mikromobilität auf der letzten Meile ein wichtiges Thema der Strategie für Intelligente Verkehrssysteme (ITS-Strategie) der Stadt Hamburg. 2021 findet der ITS-Weltkongress in der Hansestadt statt. So gehört insbesondere der Bereich ‚Mobilität als Service‘ zu einem der acht Handlungsfelder der Strategie. Zudem zahlt die emissionsarme E-Mobilität auf den Hamburger Klimaplan ein, der 2015 vom Hamburger Senat beschlossen wurde. Darin ist das Thema Elektromobilität als eines der Leitprojekte festgelegt.
sb/kk

Quelle und weitere Informationen
www.bmvi.de
www.ridehive.com
www.desy.de
www.e-floater.com
www.urban-electrics.com
www.its2021.hamburg

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