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Frank Oertel, Gesellschafter Deutsche Malaria GmbH - © Karolin Köcher

Deutsche Malaria: „So wollen wir die Krankheit bekämpfen“

Weltweit sterben jährlich etwa 400.000 Menschen an Malaria. Eine kleine Hamburger Firma ist angetreten, das zu ändern. Mit Erfolg

Die Übertragung einer kleinen Stechmücke kostet jedes Jahr weltweit Schätzungen zufolge bis zu 400.000 Menschen das Leben, rund 80 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren. Die meisten Fälle gibt es in Afrika, aber auch Reisende sind betroffen. Die Deutsche Malaria GmbH, eine deutsch-britische Allianz mit Sitz in Hamburg und Standorten in Hamburg und Westerham, setzt den synthetisch hergestellten Wirkstoff Fosmidomycin ein und hat damit in Kombination mit anderen Präparaten beachtliche Erfolge erzielt, wie Gesellschafter Frank Oertel im Interview mit den Hamburg News berichtet.

Hamburg News: Lieber Herr Oertel, wie ist die Idee entstanden, was treibt Sie an?

Frank Oertel: Die jährlichen Erkrankungszahlen sprechen eine eigene Sprache. 1934 wurde in Deutschland das letzte Mal ein Malaria-Mittel entwickelt. Seitdem nicht mehr, weil es sich für die großen Pharmafirmen finanziell offenbar nicht rechnet. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen resistent gegen gängige Malariapräparate. Eine brandgefährliche Entwicklung.

Hamburg News: Aber Sie sind Kaufmann, kein Mediziner.

Frank Oertel: Stimmt. Deshalb haben wir uns als Investoren auf die Suche gemacht – und fanden den Malaria-Experten schlechthin – in London. Seitdem arbeiten wir mit dem britischen Arzt und Wissenschaftler Dr. David Hutchinson zusammen, Geschäftsführer der DM GmbH. Sehr erfolgreich, wir haben laut bisheriger Studien eine Heilungsrate von 100 Prozent. Gleichzeitig haben wir weitere Kooperationspartner, wie zum Beispiel die Uni Tübingen und natürlich das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Unsere Zielgruppen sind neben den Erkrankten in den betroffenen Ländern auch Reisende und Soldaten.

Hamburg News: Kürzlich waren Sie auf dem Grand Challenges Annual Meeting der Bill & Melinda Gates Foundation, die Sie unterstützt und die auch persönlich vor Ort waren, ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Was haben Sie in Berlin erreicht?

Frank Oertel: Die Veranstaltung war für uns in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg. So hat die NASA überraschender Weise angeboten, uns Daten über Regionen zur Verfügung stellen, welche voraussichtlich demnächst besonders Malaria gefährdet sein werden. Zudem hat die Bill & Melinda Gates Foundation einen Preis für „Great Ideas“ ausgeschrieben, der zunächst mit 200.000 Dollar hinterlegt ist. Auch hier sehen wir große Chancen.

Hamburg News: Gibt es weitere Reaktionen?

Frank Oertel: Besonders freut uns auch, dass uns jetzt ein Startup beziehungsweise ein Team aus Studenten der Universität Hamburg und der TU Hamburg-Harburg angesprochen hat, das eine nachhaltige Moskitofalle entwickelt hat. Die Präventionsmethode basiert auf synthetischer Biologie (igem.org). Ein vielversprechendes und neuartiges Verfahren.

Hamburg News: Was sind Ihre nächsten Schritte?

Frank Oertel: Wir befinden uns auf direktem Weg zur Zulassung, sind aber noch nicht am Ende des Weges angekommen. Daher suchen wir dringend weitere Partner, um die nächsten Schritte des Studienprogramms zu beschleunigen, um möglichst bald relevante Anti-Malariatherapeutika auf den Markt zu bringen. Dann werden wir die Lizenz vermutlich an Hamburger Produzenten vergeben. So könnte das Medikament auch ein Erfolg für den Medizin- und Wissenschaftsstandort Hamburg werden.

Interview: Karolin Köcher

Weitere Informationen:
www.deutschemalaria.com

DMG Deutsche Malaria GmbH

Die DMG Deutsche Malaria GmbH engagiert sich in der Bekämpfung der Malaria. Die Gesellschaft setzt Fosmidomycin sowohl zur Wirksamkeitssteigerung bestehender Therapien als auch zur Entwicklung neuer alternativer Malariatherapien ein. Das privatwirtschaftliche Hamburger Unternehmen blickt auf eine intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit zurück, die zu der erfolgreichen Anwendung der Fosmidomycin-Piperaquin-Kombinationstherapie in klinischen Studien in Afrika geführt hat.
Die DMG Deutsche Malaria GmbH wird unterstützt von Medicines for Malaria Venture (MMV) – einer Non-Profit-Organisation, die von der Bill and Melinda Gates Foundation, dem EDCTP und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) finanziert wird.

Grand Challenges Annual Meeting

Ziel der Jahrestagung der Grand Challenges ist es, die Umsetzung von Innovationen zu beschleunigen, um die weltweit dringendsten Gesundheits- und Entwicklungsprobleme zu lösen. Das Treffen ist ein Forum für Forscher, um ihre Arbeit zu teilen, mehr über die neuesten Fortschritte in diesem Bereich zu erfahren und Kooperationen mit anderen Forschern und Organisationen aufzubauen. 2018 fand die Veranstaltung im Oktober parallel zum 10. Weltgesundheitsgipfel in Berlin statt.

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