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Plastikmüll © colourbox.de

Aus Plastikmüll Neues schaffen

Precious Plastic Hamburg will für die Vorteile der Kreislaufwirtschaft sensibilisieren. Produkt-Produktion aus eigener Recycling-Anlage

Gut einen Zentner Plastikmüll verursacht jeder Deutsche im Jahr – und das ist nur der Privatverbrauch. Insgesamt fielen laut einem Bericht des Umweltbundesamtes in Deutschland 2017 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von gut 225 Kilo entspricht. Das Anfang 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz soll dem entgegenwirken und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern. Kunststoffverpackungen müssen nun zu mindestens 58,5 Prozent der werkstofflichen Weiterverwertung zugeführt werden. Ab 2022 steigt die Quote auf 63 Prozent.

Dave Hakkens: globale Gemeinschaft von Recycelnden aufbauen

Neben der Müllvermeidung geht es also vor allem um Recycling. Und dem widmet sich seit Anfang 2019 Precious Plastic Hamburg, eine Bürgerinitiative und studentische Arbeitsgemeinschaft der Technischen Universität Hamburg (TUHH), die sich eine eigene Recycling-Anlage gebaut hat. Idee und Pläne stammen von dem niederländischen Designer Dave Hakkens, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine globale Gemeinschaft von Recycelnden aufzubauen. Die von ihm entwickelte Anlage ist einfach zu bauen und zu bedienen und passt in einen einzigen Container. So könne jeder auf der ganzen Welt Plastik recyceln, neue Produkte herstellen und damit sein eigenes, kleines Business aufbauen.

Precious Plastic-Anlage besteht aus drei Maschinen

Precious Plastic Schredder

Seit März steht nun also eine Precious Plastic-Anlage in Hamburg Harburg, bestehend aus drei Maschinen: Einem Shredder, der Kunststoffabfälle zu kleinen Flakes verarbeitet und zwei weitere Maschinen, die aus den Flakes Neues formen können – von Buchstützen über Eimer oder Schalen bis zu Untersetzern. Seit der ersten Stunde dabei ist Florian Lehmkuhl. Der 29-jährige Masterstudent Produktentwicklung, Werkstoffe und Produktion an der TUHH möchte sein Wissen über Recycling-Vorgänge vertiefen. „Precious Plastic Hamburg allein wird nicht die Welt retten können. Aber wenn wir das Wissen nach unserem Abschluss in die großen Unternehmen tragen, können wir von innen heraus etwas ändern.“

Unternehmen, Schulen und Privatleute ins Boot holen

Precious Plastic-Team bei der Arbeit

Auch deshalb steht bei Precious Plastic Hamburg, neben dem Aufbau einer kleinen Produkt-Produktion, vor allem die Wissensvermittlung im Fokus. „Wir bieten Workshops an und richten uns damit sowohl an Unternehmen als auch an Schulen und Privatleute, die wir für die Vorteile der Kreislaufwirtschaft sensibilisieren möchten“, erklärt Lehmkuhl. So gibt es schon Kooperationen mit dem Rauhen Haus, einem lokalen Seifenhersteller und im Rahmen von Hamburg räumt auf, einer Aktion der Stadtreinigung Hamburg, war das Precious Plastic-Team in der Schule Grumbrechtstraße, um die Grundschüler in die Geheimnisse des Kunststoffrecyclings einzuführen.

Schwarzes Plastik unbedingt vermeiden

Precious Plastic-Team beim Sortieren

Denn das Thema ist durchaus komplex, weiß Lehmkuhl. Plastik ist nicht gleich Plastik. „Es gibt viele verschiedene Sorten mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, die beim Recycling nicht vermischt werden dürfen.“ Das bedeutet aufwändiges Sortieren nach Sorte und Farbe, bevor es mit der Wiederverwertung losgehen kann. „Die im Plastik enthaltenen Farbpigmente sind nur sehr schwer lösbar und verschiedene Farben gemixt ergeben – grau“, so Lehmkuhl. Eine ganz schlechte Recycling-Chance hat übrigens schwarzes Plastik, erzählt er. Denn das werde von den Sensoren in den großen Recycling-Anlagen schlicht nicht erkannt und landet in der Müllverbrennung. Wer also beim nächsten Einkauf vor der Wahl des einen oder anderen Produktes steht, darf gern nach Farbe entscheiden – und trägt damit auf ganz einfache Weise dazu bei, die Recycling-Quote voranzutreiben.
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.precious-plastic-hamburg.de

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