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Michael Otremba; Chef der HHT - © Hamburg Tourismus GmbH

Tourismuschef Otremba: „Die Branche befindet sich im Wandel“

HHT-Geschäftsführer Michael Otremba über Tourismus 4.0, neue Formate und einsame Spaziergänger

Wie gehen Hamburgs Unternehmenschefs die Digitalisierung an, wie bereiten Sie sich auf den Wandel, möglicherweise disruptive Veränderungen vor? Und vor allem: Wie nehmen Sie die Menschen dabei mit? Darüber sprachen die Hamburg News unter anderen mit den visionären Unternehmenslenkern von Philips, Hochbahn, Jungheinrich, NXP und der HPA. Einer, der hierbei nicht fehlen darf: Hamburgs Tourismuschef Michael Otremba.

Wir treffen ihn in seinem Büro in der Innenstadt im elften Stock mit – wie könnte es anders sein – Blick auf die Elbphilharmonie. Otremba konferiert gern im Stehen – sein Tisch lässt sich per Knopfdruck an die Wunschhöhe seines Gesprächspartners anpassen. Seit etwa einem Jahr ist er Chef der Hamburg Tourismus GmbH und der Hamburg Convention Bureau GmbH sowie gleichzeitig Mit-Geschäftsführer der Konzernmutter, der Hamburg Marketing GmbH.

Hamburg News: Vor fast genau einem Jahr sind Sie aus dem beschaulich anmutenden München ins bewegte Hamburg gezogen. Sind Sie gut angekommen?

Otremba: Auf jeden Fall. Bei einer Stadt wie Hamburg und den Hamburgern gar keine Frage…Ich will mir aber trotzdem auch meinen frischen Blick von außen bewahren, das heißt, neugierig bleiben, Dinge in Frage stellen und nicht alles als selbstverständlich nehmen.

Hamburg News: Statt nur auf immer neue Rekordzahlen zu schielen wollen Sie den Tourismus vor allem auch qualitativ voranbringen. Was meinen Sie damit, woran wollen Sie sich künftig messen lassen?

Otremba: Natürlich ist es weiterhin wichtig, dass die Zahlen stimmen. Das ist mein Auftrag, das wird so bleiben. Die Elbphilharmonie hat Hamburg große zusätzliche internationale Aufmerksamkeit verschafft. Daran wollen wir anknüpfen, Hamburg vor allem auch international bekannter zu machen.

Was verstärkt dazu kommt, sind die Hamburger selbst. Wir haben erfolgreich gearbeitet, wenn sie den Tourismus in der Stadt mittragen, die Begeisterung für ihre Stadt weitergeben. Bislang können wir insgesamt auf breite Unterstützung bauen. Es ist auch unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass das so bleibt.

Hamburg News: Wie wollen Sie potenzielle Gäste noch besser erreichen?

Otremba: Es gilt, Erlebnisse vor Ort individueller zu gestalten; Geschichten zu erzählen – und das auf eine zeitgemäße Art. Hamburg ist ein Ort der Kontraste – Tradition und Moderne, hier rau, dort schön. Unsere Messepräsentation auf der ITB spielte mit Wortpaaren wie “Harbourcity & Kiezgraffiti”, “Weltkultur & Kneipentour“. In diesem Spannungsfeld lassen sich viele Geschichten erzählen. Und das, um ein anderes Beispiel zu nennen, nicht in einem dicken Reisekatalog, sondern in einem modernen Magalog.

Hamburg News: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für die Branche?

Otremba: Der Tourismus befindet sich im Wandel. Nehmen wir die Digitalisierung. Sie bietet für die Branche unter anderem die Möglichkeit, in den Dialog mit jedem einzelnen Gast zu treten. Die Chance, theoretisch mit 92 Millionen Menschen in direkten Kontakt zu kommen, die Hamburg jährlich besuchen, ist so groß wie noch nie. Wir müssen mehr über den einzelnen Besucher wissen – woher kommt er, welches sind seine Interessen u.s.w., da wissen wir derzeit noch zu wenig. Denn das ist wiederum die Voraussetzung für individualisierte Angebote. Dadurch lässt sich die Aufenthaltsqualität der Besucher deutlich erhöhen – immer vorausgesetzt natürlich, der Gast möchte das auch.

Die Digitalisierung wird uns zudem fordern, Lösungen zu finden für Probleme, die wir heute noch gar nicht kennen. Daher brauchen wir eine offene Grundhaltung, sich mit neuen Wegen und den Chancen der digitalen Welt auseinanderzusetzen.

Hamburg News: Inwieweit ist der Tourismus von disruptiven Prozessen betroffen, also technischen Innovationen, die bisherige Geschäftsmodelle komplett infrage stellen? Mit Virtual Reality-Brillen kann man ja zum Beispiel heute schon reisen, ohne das heimische Sofa zu verlassen…

Otremba: Was alles möglich sein wird, können wir heute noch gar nicht wissen. Das Risiko einer technischen Innovation ist nur die Kehrseite ihrer Chancen. So ist es doch beispielsweise großartig, dass man sich mithilfe von Virtual Reality in der Elbphilharmonie umschauen kann. Das macht doch eher Lust auf die Reise.

Hamburg News: Lösungen entwickeln für Probleme, die sich heute noch nicht stellen, Antworten auf Fragen finden, die noch niemand stellt. Wie machen Sie das?

Otremba: Indem ich offen bin und neugierig bleibe. Ich bin 46 und kein Digital Native, daher habe ich zum Beispiel auch gar keine Probleme damit, mir von einer oder einem 20-Jährigen technisch etwas erklären zu lassen. In diese Richtung geht auch der Hackathon, den wir veranstaltet haben. Daraus haben sich spannende digitale Projekte entwickelt. Gerade sind wir von Brand eins und Statista als eines der 424 innovativsten Unternehmen ausgezeichnet worden. Das zeigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

Zeigt aber auch: Wir müssen vor allem schneller werden – und eine Fehlerkultur entwickeln. Die Digitalisierung lehrt uns, etwas anzufangen, ohne genau zu wissen, wie das Ende sein wird. Innovations have to be wrong in order to be right.

Hamburg News: Elbphilharmonie, Kreuzfahrt, neue digitale Projekte – wie halten Sie den Fokus bei diesen ganzen Themen?

Otremba: Das geht nur mit starken Partnern und einem sehr guten Team, das den Weg auch mitgeht. Führende brauchen Folgende. Sonst sind sie nur einsame Spaziergänger.

Interview: Karolin Köcher

Von München nach Hamburg: Michael Otremba

Seit dem 1. Mai 2016 ist Michael Otremba Chef der Hamburg Tourismus GmbH und seit dem 1. Oktober 2016 auch der Hamburg Convention Bureau GmbH sowie gleichzeitig Mit-Geschäftsführer der Konzernmutter, der Hamburg Marketing GmbH.
Zuvor war Otremba seit 2008 beim Flughafen München als Vice President für die Bereiche Werbung, Medien und Marketing verantwortlich. Davor war er rund zehn Jahre in leitenden Positionen in der Sportvermarktung tätig, unter anderem bei Sportfive in Hamburg sowie für Sportfive bei Borussia Dortmund. Geboren wurde Otremba in Stade.

Hamburg begeistert immer mehr Menschen

Insgesamt 6,6 Mio. Gäste sorgten im Jahr 2016 für 13,3 Mio. Übernachtungen in Hamburg. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dieses Ergebnis einem Zuwachs von 5,5 Prozent oder 692.000 Übernachtungen. Damit konnte das Vorjahresergebnis das 15. Mal in Folge übertroffen werden. Die Zimmerauslastung lag im Jahresdurchschnitt bei 79,6 Prozent. In der Hamburger Tourismuswirtschaft sind rund 100.000 Menschen beschäftigt, damit verbunden ist eine Wertschöpfung von etwa 6 Milliarden Euro.

Die Hamburg Tourismus GmbH

Die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) vermarktet die Reisedestination Hamburg im In- und Ausland. Ihre Aufgabe als zentraler Koordinator ist die Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur, der Angebote und Dienstleistungen. Reisenden bietet sie ein umfangreiches Angebot für den Hamburg-Aufenthalt. Gesellschafter der HHT sind die Hamburg Marketing GmbH (51 %), der Tourismusverband Hamburg e. V. (29 %), der DEHOGA Hamburg e. V. (10 %) und die Handelskammer Hamburg (10 %).

Weitere Informationen: www.marketing.hamburg.de/hmg-struktur

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