Titel Tourismus neu
MS Europa - © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Kreuzfahrtstandort Hamburg auf Rekordkurs

Zum Hafengeburtstag werden neun Luxusliner für die Branche werben. Hamburg Cruise Center Geschäftsführer Matthias Rieger über aktuelle Zahlen und Trends

2016 steuert die Hansestadt im dritten Jahr in Folge Rekordzahlen im Kreuzfahrttourismus an. Hamburg News sprach anlässlich des 827. Hafengeburtstags vom 5. bis 8. Mai mit Matthias Rieger, Geschäftsführer Hamburg Cruise Center e.V., über aktuelle Zahlen, Umweltaspekte und Trends in der Kreuzfahrtindustrie.

Hamburg News: Der Kreuzfahrtstandort Hamburg hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt – wie ist der aktuelle Stand?

Rieger: Das lässt sich am besten anhand einiger Zahlen beantworten: 2009 kamen 126.000 Passagiere bei 80 Schiffsanläufen in die Hansestadt. In diesem Jahr erwarten wir 640.000 Passagiere bei 168 Anläufen.

Hamburg News: Also ein erneutes Rekordjahr?

Rieger: In Bezug auf die Passagierzahlen trifft das zu, nicht jedoch in Bezug auf die Anläufe. Da hatten wir beispielsweise 2014 stolze 189 Anläufe. Doch da die Schiffe immer größer werden, steigt die Zahl der Passagiere kontinuierlich. Und viele Schiffe kommen mehrmals nach Hamburg. In diesem Jahr verzeichnen wir 34 Doppelanläufe, 3 dreifach-, einen vierfach und einen sechsfach-Anlauf! Die Reedereien lieben Hamburg. Die Cunard Line kommt 10 Mal, MSC Kreuzfahrten kommt auf 16 Anläufe und AIDA Cruises mit sechs Schiffen 77 Mal! Für die AIDAprima werden wir quasi zum Heimathafen. Das gesamte Jahr hindurch startet sie wöchentlich nach Rotterdem, Le Havre/Paris, Southampton/London, Zeebrügge/Brüssel und fährt dann zurück nach Hamburg.

Hamburg News: Wo steht Hamburg im Vergleich zu anderen Kreuzfahrtstandorten?

Rieger: In Deutschland belegen wir, bezogen auf das Passagiervolumen, Platz eins, gefolgt von Rostock und Kiel. Im nordeuropäischen Vergleich liegen wir auf einem guten 3. Platz hinter Southampton und Kopenhagen. Und noch ein Spitzenwert: Deutschland ist der größte „Quellenmarkt“ hinter den USA. Das heißt, abgesehen von den Amerikanern, kommen die meisten Kreuzfahrtreisenden aus Deutschland.

Hamburg News: Was macht Hamburg so attraktiv für Kreuzfahrer?

Rieger: Hamburg ist eine touristisch attraktive Stadt im Aufwind. Viele Kreuzfahrttouristen kommen gern schon ein, zwei Tage früher und genießen das vielfältige Kulturleben, die internationale Gastronomieszene und natürlich das immense Shopping-Angebot. Denken Sie allein an das Geschäfts- und Erlebnisviertel, das der französische Immobilienkonzern Unibail-Rodamco nun in der Hafencity realisieren wird und das eine Fläche von mehr als 80.000 Quadratmetern Größe umfasst. Zudem wird da ein weiteres Kreuzfahrtterminal entstehen und gerade dank unserer bereits bestehenden drei Kreuzfahrtterminals ist Hamburg ja auch logistisch in der Lage, die Vielzahl an Schiffen Willkommen zu heißen. Dazu kommt, dass Hamburg verkehrstechnisch ausgezeichnet zu erreichen ist.

Hamburg News: Welche Bedeutung hat die Kreuzfahrtindustrie als Wirtschaftsfaktor für Hamburg?

Rieger: Aktuell ist eine neue Wertschöpfungsanalyse in Arbeit, die uns Ende des Jahres neueste Zahlen liefern wird. 2014 arbeiteten 4.000 Menschen im Umfeld der Kreuzfahrtindustrie, die Bruttowertschöpfung betrug 411 Millionen Euro. Darin enthalten sind etwa Leistungen der Logistik, der Hafen-Agenten, Proviantierung oder auch Reparatur-Arbeiten bei Blohm + Voss. Die neue Analyse beinhaltet auch eine Passagierbefragung, so dass wir dann auf aktuelle Zahlen zugreifen können, wie viel Geld Touristen in Hamburg ausgeben.

Hamburg News: Der Kreuzfahrtmarkt boomt. Immer mehr und immer größere Schiffe drängen auf den Markt. Zeichnet sich da ein bestimmter Trend ab mit dem Reedereien versuchen, der Konkurrenz zu begegnen?

Rieger: Durchaus. Zum einen geschieht die Unterscheidung über den Preis oder die Größe des Schiffes. Darüber hinaus aber beobachten wir einen wachsenden Trend hin zu Themenkreuzfahrten. Da kann das Motto ´Heavy Metal` lauten oder Udo Lindenberg ist an Bord und bietet eine exklusive Show oder es handelt sich um eine Kulinarische Kreuzfahrt – gesucht werden Themen, die eine gezielte Vermarktung erlauben.

Hamburg News: Kommen wir zum Thema Umwelt – nicht nur der NABU verlangt eine Reduktion des Schadstoffausstoßes bei Kreuzfahrtschiffen. Was gibt es da für Ansätze?

Rieger: Tatsächlich haben die Stadt Hamburg und die Reedereien bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen und Millionen investiert, um die Umwelt zu schonen. Wurde früher Schweröl mit einem extrem hohen Schadstoffausstoß verbrannt, haben inzwischen die meisten Schiffe auf Dieselöl umgerüstet. In den letzten zwei Jahren wird nun spätestens im Hafen zunehmend auf Flüssiggas, das sogenannte „liquefied natural gas“ LNG, umgestellt. Im Hamburger Hafen haben wir deshalb am 30. Mai 2015 die LNG Hybrid Barge, das weltweit erste schwimmende Kraftwerk zur umweltfreundlichen Stromversorgung, in Betrieb genommen.

Hamburg News: Wie weit ist der Bau der neuen Landstromanlage?

Rieger: Die neue Landstromanlage in Altona sollte im Frühsommer einsatzfähig sein. Damit lassen sich Kreuzfahrtschiffe während ihrer Liegezeit am Terminal mit Energie aus dem Stromnetz der Stadt versorgen. Und mit der Größenordnung dieser Anlage nimmt der Hamburger Hafen in Europa eine Vorreiterrolle ein. Allerdings müssen auch die Schiffe entsprechend umgerüstet werden.

Hamburg News: Unter den Kreuzfahrtschiffen wird aktuell die AIDAprima als ökologische Vorreiterin gefeiert…

Rieger: Dieses Schiff hat tatsächlich einiges zu bieten: Als weltweit erstes Passagierschiff hat die AIDAprima einen Dual-Fuel-Motor, so dass es im Hafen mit Flüssiggas betrieben werden kann. Dank der sogenannten MALS-Technologie gleitet sie auf einem Luftblasenteppich, das spart viel Treibstoff, sie verfügt über einen Emissionsfilter und schließlich wird Abwasser an Bord aufbereitet bis es nahezu Trinkwasserqualität hat.

Hamburg News: Die AIDAprima wird während des Hafengeburtstags am 7. Mai von Til Schweigers Tochter Emma getauft. Was erwartet Kreuzfahrtfans noch vom 5. bis 8. Mai?

Rieger: Insgesamt nehmen neun Kreuzfahrtschiffe an der großen Parade teil. Und wer meint, das neun Kreuzfahrtschiffe bei gut 300 Schiffen keine beeindruckende Zahl sei, dem sei gesagt: Alle neun hintereinander gelegt, stecken diese Schiffe die Landungsbrücken viermal in die Tasche.
ys/kk

Interview: Yvonne Scheller

Kreuzfahrtschiffe auf dem Hafengeburtstag

Zum 827. Hafengeburtstag vom 5. bis 8. Mai werden gut 300 Schiffe erwartet, darunter neben neun Kreuzfahrtschiffen, verschiedene Großsegler, Museumsschiffe, Barkassen oder Einsatzschiffe. Zu den maritimen Highlights in diesem Jahr gehören die deutsche 3-Mast-Bark „Alexander von Humbold II“, das polnische 3-Mast-Vollschiff „Dar Mlodzierzy“, die 4-Mastbark „Kruzenshtern“ bzw. das 3-Mast-Vollschiff „Mir“, beide aus Russland, sowie die „Santa Maria Manuela“, ein portugiesischer Viermast-Gaffelschoner, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei ist. Gastland des Hafengeburtstags ist in diesem Jahr Ungarn.

Matthias Rieger, Geschäftsführer Hamburg Cruise Center e.V.
Hamburg Cruise Center e.V.

Der Verein Hamburg Cruise Center e. V. bündelt die Interessen von rund 130 Mitgliedern.

Darunter sind Reedereien, Agenten, Hafenfirmen, Schiffsausrüster, Gastronomie- und Hotelbetriebe. Das HCC schafft für seine Mitglieder eine gemeinsame Plattform mit dem Ziel, die internationale Vermarktung des Kreuzfahrtstandortes Hamburg zu fördern.

www.hamburgcruisecenter.eu/de

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.