Titel Tourismus neu
Dreh BUDDY: © Marco Nagel

Filmstadt Hamburg – die Top-5 der ausgefallensten Locations

Viele Produzenten suchen die ganz besondere Atmosphäre abseits der touristischen Highlights

Hamburg ist eine bedeutende Film- und Fernsehstadt, auf 1.600 Drehtage bringt es die Metropole pro Jahr. „Am stärksten nachgefragt sind der Hafen, Speicherstadt, Hafencity und Fischmarkt inklusive“, weiß Alexandra Luetkens von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. „Während Serien auf den optischen Wiedererkennungswert setzen, suchen andere Formate oft eine Location jenseits der touristischen Aushängeschilder“. Gesucht werde meist eine besondere Atmosphäre, gern auch etwas schräg.

Befragt nach ihren persönlichen Top-5 der besonderen und schrägen Film-Locations wählt Luetkens das ehemalige Kraftwerk Bille auf Platz 1. Hamburg News hat sich die historische Industrieanlage, die ältesten Gebäude sind 1899 entstanden, angeschaut.

Platz 1: „Das ehemalige Kraftwerk Bille“

Acht Gebäude auf knapp 15.000 Quadratmetern bilden das denkmalgeschützte Ensemble, in dem Film- und Fernsehproduktionen, aber auch Fotoshootings, Musik-,Kunst- oder Firmen-Events inszeniert werden können. Vom ´Charme einer Industriebrache` zu sprechen, greift zu kurz. Dazu bietet das ehemalige Kraftwerk Bille zu viele, ganz unterschiedliche Eindrücke. Da ist der weitläufige Keller, der mit seinem Labyrinth aus Rohren und Durchbrüchen, unterschiedlichen Deckenhöhen, in die Erde eingelassenen Betonquadern, sowie schummrigen Ecken und Winkeln die Fantasie anregt. Über alte Treppenhäuser – teils mit knarrenden, längst ausgetretenen Holzstufen samt gedrechseltem Geländer, teils über Stein- oder Kachel-Stufen mit verrostetem Handlauf – geht es hoch bis aufs Dach, das zu wilden Verfolgungsjagden in luftiger Höhe über den halben Gebäudekomplex hinweg einlädt. Und da sind die Lichthöfe, riesige Hallen und loftartigen Räume, gezeichnet von abblätterndem Putz und durch Feuchtigkeit geschaffene bizarre Wandgemälde.

Filmcrews vor Ort

Und was wird hier gedreht? „Gerade war die Filmcrew von „1000 Mexikaner“ da, sie haben für einen Tag unsere 2.000 Quadratmeter große Kesselhalle gebucht. Der lichtdurchflutete Luftraum, umgrenzt von 1.500 Quadratmeter Galerie und mit seinen historischen Stahlfachwerkträgern spielt in einer sehr abenteuerlichen Szene eine Rolle“, erzählt Frauke Woermann von der MIB Coloured Fields GmbH, einem auf Revitalisierung von Industrieliegenschaften spezialisierten Projektentwickler. Auch (die Kinderserie) die Pfefferkörner sind schon dagewesen oder das Filmteam von „Das Romeo Prinzip“ – wie „1000 Mexikaner“ eine Produktion der NDR Nachwuchsreihe „Nordlichter“

Platz 2: „Buss Ross und EMR Schrott Terminal“

Auf Platz 2 der eigenwilligen Film-Locations wählt Alexandra Luetkens das auf Massengut, insbesondere Schrott, spezialisierte „Buss Ross und EMR Schrott Terminal“ unweit der Kohlbrandbrücke. „Wir sind mit dem Berliner Produzenten von „Wer ist Hanna?“ mit der Barkasse daran vorbeigeschippert und diese Schrottberge, umgeben vom Wasser, haben es ihm sofort angetan.“ Auch der britische Regisseur Joe Wright war begeistert und so reiste die Crew um Cate Blanchett und Eric Bana nach Hamburg. In der Szene im Buss Ross Terminal flüchtet die Figur der Hanna, gespielt von Saoirse Ronan, über die Schrott-Berge und entkommt, indem sie auf eine vorbeifahrende Schute springt. Bzw. ihr Stunt-Double ist gesprungen…

Platz 3: ERGO-Versicherung

An Platz 3, dem ERGO-Versicherungsgebäude in der City Nord, gefällt Alexandra Luetkens „der Charme der 70er Jahre. Diese besondere Art der nostalgischen Architektur und Möblierung ist immer seltener zu finden.“ Tatsächlich steht etwa die Post-Pyramide am Überseering, in den 1970gern als architektonischer ´Solitär` gefeiert, kurz vor dem Abriss. Dass der Charme der 70er immer noch angesagt ist – zumindest im Filmbusiness – zeigt der Til-Schweiger-Tatort. „Die Büro-Szenen mit Hauptkommissar Nick Tschiller wurden im Ergo-Gebäude gedreht“, erzählt Luetkens. Durchaus eine Auszeichnung, denn gerade die jüngeren Tatorte präsentieren ihre Ermittler statt im nüchternen Büroumfeld gern in cool inszenierten Präsidien.

Platz 4: Die Kultkneipe „Silbersack“

Platz 4 belegt der „Silbersack“, „eine der wenigen noch verbliebenen Hafenkneipen mit abgerocktem Charme“, findet Alexandra Luetkens. Früher waren Reeperbahn, Große Freiheit und Davidstraße angesagte Drehorte. „Doch der Kiez hat sich verändert, Erlebnisgastronomie ist eingezogen, plüschige, skurrile Kneipen sterben aus.“ Im Silbersack hingegen hatte Bestsellerautor John le Carré für „A Most Wanted Man“ einen Miniauftritt.

„Ohnehin war „A Most Wanted Man“ ein Glücksfall“, erzählt Luetkens. In Hamburg wurde 40 Tage lang gedreht – Philip Seymour Hoffman, Rachel Mc Adams, William Dafoe und Nina Hoss waren in Wilhelmsburg, St. Georg, auf den Landungsbrücken oder im Hamburger Hafen zu erleben. Auch im Foyer des Atlantic Hotels wurde gedreht, 007-Fans aus „Der Morgen stirbt nie“ bekannt. Das in „A Most Wanted Man“ noch gewünschte ´St. Pauli-Flair` fand das Filmteam schließlich in der Kultkneipe „Zur Ritze“.

Platz 5: Der Boxkeller der Ritze

Womit wir bei Platz 5 des Luetkens-Rankings wären. „In dieser Location wurde schon viel gedreht, vom „Großstadtrevier“ über „Die Männer vom K3“ bis zur Kiezkomödie „Der letzte Lude“. Vielleicht liege es daran, dass in der Ritze echte Rotlichtgrößen ein und ausgegangen seien, überlegt die Location-Expertin. Tatsächlich war die berühmte Kneipe auf St. Pauli mehrmals gar ein realer Tatort. 1981 wurde hier der Zuhälter „Chinesen-Fritz“ erschossen und 2006 erhängte sich Stefan Hentschel, der einstige „Pate von St. Pauli“, im Keller der Ritze.

Luetkens Vorliebe für diese Location hat jedoch noch einen persönlichen Hintergrund. „Ich war als Requisitenhilfe beim Dreh von „Die Männer vom K3“ dabei – es ist einfach so: Der Boxkeller ist ein ganz besonderer Drehort.“
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.ffhsh.de
www.mib.de

Über die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) unterstützt Kinofilme und außergewöhnliche Fernsehproduktionen vom ersten Drehbuchentwurf über die Produktion bis hin zum Verleih und Vertrieb sowie der Festivalpräsentation. So wurden etwa der Gewinner des Goldenen Bären, „Gegen die Wand“ oder die internationale Koproduktion „Der Ghostwriter“ gefördert. Gut angelegtes Geld, denn die Förderung ist an einen sogenannten Regionaleffekt gebunden, der vorsieht, dass 150 % der Fördersumme in die hiesige Wirtschaft zurückfließen müssen. Film- und Rundfunk erwirtschaften insgesamt jährlich etwa 3,3 Mrd. Euro Umsatz in Hamburg.
Hilfe bei der Location-Suche bietet der Location Guide der Filmförderung: www.ffhsh.de/film

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.