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Wirtschaftsnachrichten aus der Metropole
Lycka-Team: © Tom Medici / purefood GmbH

Wie ein Eisbecher die Welt ein kleines bisschen besser macht

„1 Becher = 1 Schulmahlzeit“ lautet die einfache Rechnung des Hamburger Startups purefood. Ein Gespräch mit Mitbegründer Sven Perten

Mit dem Label Lycka erobert das Hamburger Startup purefood deutschlandweit die Supermarktregale. Gestartet sind die Unternehmer Felix Leonhardt und Sven Perten 2014 mit Frozen Yogurt aus der stylischen Lycka-Box. 2016 kamen zuckerfreie Snackriegel hinzu. Nun ist die nächste Kreation auf dem Markt: veganes Kokosmilch-Eis. Doch die Lycka-Erfinder wollen mehr als lukrative Verträge mit den großen Händlern. Teile des Umsatzes fließen seit der Geburtsstunde des Startups in soziale Projekte der Welthungerhilfe. Die Hamburg News haben mit Gründer Sven Perten über das soziale Geschäftsmodell gesprochen.

Hamburg News: Sven, wie ist eure neueste Produktkreation entstanden?

Sven: Als der Frozen Yogurt in die Supermärkte kam, erreichten uns immer mehr Anfragen, nicht nur fett- und kalorienarme, sondern auch zuckerfreie Produkte anzubieten. Das ist uns im vergangenen Jahr bereits mit dem Snackriegel gelungen. Nun auch ein Eis ohne Kristallzucker zu entwickeln, war gar nicht so einfach. Die Herausforderung bestand darin, trotzdem eine cremige Konsistenz zu schaffen. Nach vielen Tests und Feedback-Runden unter Federführung unserer Lebensmitteltechnikerin Jana war es dann endlich so weit: Wir konnten mit der Herstellung der Kokosmilch-Eiscreme beginnen, die ausschließlich mit Agavendicksaft und Dextrose gesüßt ist. Und natürlich gilt ebenso wie bei unseren anderen Produkten: eine Packung finanziert eine Schulmahlzeit für Kinder in Burundi.

Hamburg News: Plant ihr weitere Produkte?

Sven: Unsere Mission ist es eine Alternative zu den vielen Lebensmitteln in Supermärkten zu schaffen, die mit Chemikalien vollgepumpt sind, die Umwelt verschmutzen und Menschen ausbeuten. Deshalb sind wir mit drei Produkten noch längst nicht am Ziel. Aktuell entwickeln wir ein erstes Getränk, das noch in diesem Sommer auf den Markt kommen wird. Auf lange Sicht sollen nicht alle Produkte unter dem Dach der purefood GmbH laufen. Für neue Kreationen sollen dann eigene Ausgründungen entstehen. Das ist der langfristige Plan. Bis zum Jahresende wollen wir aber erstmal profitabel werden.

Hamburg News: Wie ist die Idee zu Lycka entstanden?

Sven: Die Idee zu Lycka kam uns während des Studiums sozusagen in der WG-Küche. Mein damaliger Mitbewohner und heutiger Geschäftspartner Felix war schon immer ein großer Verfechter gesunder Ernährung. Mich hat wohl die Lebensweise meiner Eltern, die beide Yoga-Lehrer sind, geprägt. Den entscheidenden Anstoß, ein eigenes Produkt zu entwickeln, gab mir ein Seminar zum Thema Social Entrepreneurship, das ich während eines Auslandssemesters in Seattle besuchte. Zurück in Deutschland entwickelten Felix und ich das Konzept zu Lycka. Bei der Welthungerhilfe stießen wir damit auf offene Türen. Dort hatte man schon mit einer ähnlichen Kooperation mit Viva con Agua gute Erfahrungen gemacht. So stand die Zusammenarbeit bereits fest, bevor unser erster Frozen Yoghurt in die Supermarktregale kam.

Hamburg News: Auf eurem Instagram-Account finden sich Bilder von Kindern aus Burundi neben Lifestyle-Posts von scheinbar sorgenfreien Foodies. Passt das zusammen?

Sven: Der Konsum künstlicher oder nicht fair produzierter Lebensmittel ist für viele Probleme in der Welt verantwortlich. Über Lycka wollen wir vor allem junge Menschen mit diesem Thema in Berührung bringen. Das schaffen wir am besten über Lifestyle-Themen, die von Influencern auf Instagram, Snapchat und Facebook gespielt werden. Was auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammenpasst, erweist sich auf den zweiten als sinnvolle Strategie.

Das Interview führte Christin Apenbrink

Quellen und weitere Informationen:
www.lycka.bio

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