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PuttView Indoor  - © Jörn Kipping

Vom Golfplatz bis zum Kinderbuch - Augmented Reality in Hamburg

Das Handy-Spiel Pokémon Go brachte AR in unseren Alltag. Die Technik wird von Hamburger Unternehmen bereits für diverse Zwecke genutzt. Drei Beispiele

Ein quirliges Pikachu auf dem Jungfernstieg, ein feuriges Glurak am Fuß des Michels oder ein schläfriges Pummeluff vor dem Fischmarkt – seit mehreren Wochen machen sich Pokémon Go-Spieler in ganz Hamburg auf die Pirsch nach den quirligen Stars der 90er Jahre-Kinderserie „Pokémon“. Das Handy-Game lockt seine User an öffentliche Orte, wo sich die fantasiereichen Kampftierchen – durch das Smartphone betrachtet – scheinbar tatsächlich aufhalten. Auch wenn einige schon wieder ein Ende des Pokémon-Hypes proklamieren: das Spiel hat Augmented Reality (AR) in unseren Alltag gebracht. Doch die zukunftsweisende Technologie ist auch in ganz anderen Bereichen auf dem Vormarsch – drei Anwendungsbeispiele aus Hamburg.

Mit Augmented Reality zum Golf-Profi

Die optimale Zielrichtung und korrekte Fußstellung zu erlernen, bedeutet für Golfspieler eine echte Herausforderung. Das Startup Viewlicity GmbH will den Lernprozess mithilfe einer AR-Anwendung erleichtern. PuttView, so die Idee der beiden Ingenieure Christoph Pregizer und Lukas Posniak, soll dem Golf-Schüler die richtige Puttlinie virtuell vorzeichnen. Bereits 2015 konnten sie die Jury beim Hamburg Innovation Award mit ihrer AR-Anwendung in der Kategorie “Idee” überzeugen. Im Mai 2016 installierten sie PuttView erstmals in der Hamburger Golf Lounge. Das Produkt kam auf den Markt. Entstanden ist die Trainingshilfe im Rahmen eines Förderprogramms des Wirtschaftsministeriums und der Europäischen Union sowie in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe “Human Computer Interaction” an der Universität Hamburg.

„Die AR-Technologie ist perfekt für das Golftraining geeignet“, sagt Hobbygolfer Lukas Posniak. „Der Spieler bekommt die Informationen direkt auf dem Grün angezeigt und hat die Hände trotzdem frei zum Spielen.“ Aktuell feilen Pregizer und Posniak an einer neuen Software, die mithilfe einer AR-Brille im Outdoor-Bereich zum Einsatz kommen soll.

Flugzeugmontage präzisieren und beschleunigen

Auf Pokémon-Jagd oder beim Golftraining sind AR-Technologien ein spannendes Freizeit-Tool. Doch AR birgt auch Potenziale für die industrielle Produktion, wie ein Beispiel der Lufthansa Technik AG zeigt. Dort kommt AR bereits gezielt im Montagebereich zum Einsatz. Herkömmliche Mess- und Ausrichtungs-Werkzeuge werden beispielsweise durch laserbasierte Montageschablonen ersetzt. Die Schablonen entsprechen virtuell berechneten Bauteilkonturen und dienen als Positionier- und Ausrichtungshilfe für das zu montierende Bauteil. In der ersten abgeschlossenen Projektphase sei die technische Umsetzung des Laserprojektionssystems belegt worden, heißt es von der Lufthansa Technik AG. Die AR-Anwendung habe die Montage präzisiert und beschleunigt. Derzeit werden bei Lufthansa Technik noch weitere Anwendungsbereiche von AR, beispielsweise in Form von Folier- und Lackierschablonen, getestet.

Wenn Urmel plötzlich aus dem Buch läuft

Dass AR auch für die Kleinsten ein spannendes Thema ist, beweist die Initiative SuperBuch. Mit deren AR-App werden Kinderträume wahr: Pettersson und Findus, Urmel aus dem Eis und Prinzessin Lillifee spazieren einfach aus den Buchseiten heraus. Mit eingeblendeten Spielen und Quizfragen erreicht das Lesen von Büchern eine neue, interaktive Dimension. Das von der Hamburger Verlagsgruppe Oetinger und dem App- und E-Book-Anbieter TigerBooks – ebenfalls mit Sitz in der Hansestadt – entwickelte Konzept, ging im März 2016 als Initiative von neun deutschsprachigen Kinderbuchverlagen an den Start.

Die kostenlose App, die von Tigerbooks entwickelt wurde, erweitert insgesamt 18 Titel von Langenscheidt, Coppenrath, Bastei Lübbe, Beltz, Ueberreuter, Tulipan, Thienemann-Esslinger, NordSüd und der Verlagsgruppe Oetinger um AR-Funktionen. „SuperBuch ist eine einzigartige Initiative, die das gedruckte Buch stärken und deutlich aufwerten wird“, so Oetinger-Verleger und Initiator Till Weitendorf im Gespräch mit den Hamburg News.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.puttview.com
www.lufthansa-technik.com
www.oetinger.de
www.tigerbooks.de
www.superbuch.de

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