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Good School Simone Ashoff - © Julia Grudda

"Verlieben Sie sich ins Internet!" - 7 Tipps von Simone Ashoff

In der Good School in Hamburg werden Führungskräfte für die digitale Zukunft fit gemacht. Leiterin Simone Ashoff weiß, woran es bei den meisten fehlt

Hamburg News: Was ist die derzeit wohl größte Herausforderung für die Unternehmen?

Simone Ashoff: Es sind zwei große Herausforderungen, die wir erleben.
Nummer eins ist immer noch das Mindset an den entscheidenden Stellen: Das Gros der deutschen Wirtschaftslenker ignoriert seine digitalen Hausaufgaben und legt damit die digitale Transformation des eigenen Unternehmens lahm. Digital denkende Führungskräfte beißen sich an ihren Firmenspitzen die Zähne aus. Nummer zwei ist das „Betriebssystem” deutscher Firmen. Leitbilder, Methoden, Produkte, der Großteil der Besatzung etc. – all das stammt immer noch aus der Industrialisierung. Und es ist dafür gebaut, resistent gegenüber Krisen und Veränderungen zu sein. Daran scheitert dessen digitale Zukunft. Tröstlich ist, dass beide Herausforderungen offensichtlich zu meistern sind: im deutschen Mittelstand gibt es mittlerweile ein paar digitale Champions, die sogar einem internationalen Vergleich absolut standhalten.

7 Tipps für Ihre digitale Kompetenz

Frau vor Computer-Bildschirmen

Tipp 1: Je mehr man etwas mag, desto leichter fällt es einem darüber zu lernen. Besser also, Sie verlieben sich ins Internet. Oder in irgendwas darin. Ein guter Startpunkt, um das Internet so kennenzulernen, dass man es unweigerlich mag, ist zum Beispiel das Surftool stumbleupon.com.
Wenn Sie ein Unternehmen oder Team führen, helfen Sie Ihren Mitarbeitern sich zu verlieben: Geben Sie ihnen Internet-Tools, die die Produktivität erhöhen und dabei gleichzeitig das Daily Business entspannter machen.

Tipp 2: Hände weg von klassischen Weiterbildungskatalogen. Das, was man traditionell unter “Weiterbildung” versteht, ist eine Lehre, der es darum geht, das Bestehende zu optimieren. Digitales Denken und Handeln aber ist so radikal neu und anders, dass es das Bestehende hinterfragen und neu erfinden muss. Gewöhnliche Weiterbildung hilft da überhaupt nicht weiter – suchen Sie lieber nach einer Radikalkur. Einer, die nicht erschöpft, sondern Herzen anzündet und Köpfe öffnet.

Tipp 3: Sollten Sie meinen, digitale Kompetenz gäbe es umsonst oder sei irgendwie effizient zu erreichen – das ist leider ein Irrglaube. Digitaler Kompetenzaufbau kostet Zeit und Geld: vom Investment in externe Expertise, in neue Mitarbeiter und in Ausbildung der bestehenden Workforce über Einkauf und Einsatz neuer Technologien und neuer IT bis zum kontinuierlichen Betrieb und Scheitern von Experimenten, Innovations- und Lernprojekten. Das Gute ist, dass es was bringt: Unternehmen, die viel und mit Risiko in Neues investieren, sind heute erfolgreiche Pioniere im Internet.

Tipp 4: In der digitalisierten Welt werden Fähigkeiten, die sich formal nicht fördern lassen, gebraucht. Dinge wie Neugier, Offenheit, Veränderungswillen. Die lassen sich wohl fördern, allerdings eher informell. Indem Sie sich und ihren Mitarbeitern eine Arbeitsplatzumgebung schaffen, die immer wieder dazu anregt, sich mit dem Anderen, dem Neuen zu befassen. Richten Sie zum Beispiel ein Spielzimmer ein, in dem die neuesten Gadgets ausprobiert werden können – vom Hoverboard bis zum Augmented-Reality-Game. Oder bauen Sie gute Gelegenheiten, sich mit dem Anderen zu beschäftigen, in Ihren Berufsalltag und den Ihrer Kollegen ein, wie zum Beispiel die sogenannten Randomised Coffee Breaks (googlen Sie das!).

Tipp 5: So schwer es sein mag, digitale Talente zu heuern – noch schwerer ist es sie zu halten. Etablieren Sie Strukturen und Prozesse, die es Ihren Digitalköpfen ermöglicht, unabhängig vom bestehenden “Betriebssystem” zu denken und zu handeln. Werben Sie gleichzeitig für Verständnis in der bestehenden Organisation. Bauen Sie Brückenköpfe aus Gleichgesinnten zwischen “alter” und “neuer” Organisation.

Tipp 6: Alle anderthalb Jahre verdoppelt sich das Wissen rund um Tech, IT und Internet. Der Haken für Sie: Sie und Ihre Organisation werden digital immer inkompetent bleiben. Weil dort, wo viel Wissen entsteht, auch viel Wissen veraltet, Wissen immerwährend überprüft und neues Wissen aufgebaut werden muss. Das geht in einem Netzwerk, mit vielen unterschiedlichen Playern und Kompetenzen, einfach. Wo sich die Knotenpunkte miteinander verdrahten und wieder lösen und ständig erneuern können. Also: Legen Sie Ihre Silo-, Geheimhaltungs- und Abgrenzungsdenke ad acta. Und befreunden Sie sich und kooperieren Sie mit anderen, vielleicht sogar konkurrenten Unternehmen, die eine andere oder mehr Kompetenz besitzen als Sie.

Tipp 7: Seien Sie sich selbst und allen anderen ein gutes Vorbild. Walk the talk!

Interview: Karolin Köcher

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